Kreis Lippe. Die jüngsten Hochwasserereignisse in Lippe zeigen, dass die vorhergesagten Wetterextreme auch in OWL massive Auswirkungen haben. Darauf weist der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Lippe hin. Neben dem globalen Klimawandel müssten auch regionale Ursachen für die Zunahme der Hochwasserereignisse in den Blick genommen werden, fordert der Umweltverband. Dringend notwendig sei dieser Hinsicht ein Stopp der Flächenversiegelung und ein Rückbau, wo immer er möglich ist.
Auch Fehlentwicklungen im Bereich der Bewirtschaftung von Ackerflächen müssten erkannt und korrigiert werden, heißt es. Hierzu hat Willi Hennebrüder vom BUND Lemgo, der auch Mitglied im Arbeitskreis Wasser des BUND-Bundesverbandes ist, einen Situationsbericht erstellt, der sich auf aktuelle Untersuchungen stützt.
Durch Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, wozu Herbizide, Fungizide und Insektizide zählen, und durch die Benutzung immer schwererer landwirtschaftlicher Maschinen kommt es demnach in der konventionellen Landwirtschaft zu einer enormen Bodenverdichtung und damit zu einer massiven Beeinträchtigung des Bodenlebens.
Kaum noch Regenwürmer
Anders als in der Biologischen Landwirtschaft gebe es hier kaum noch Regenwürmer, die wichtige Funktionen für Bodenprozesse erfüllen wie die, eine krümelige Bodenstruktur zu schaffen. „Wenn etwa ein Rübenroder mit vollem Rübenbunker über 60 Tonnen wiegt, braucht man sich nicht zu wundern, dass es zu einer Bodenverdichtung bis in tiefere Schichten kommt“, kritisiert der BUND. Solcher Boden könne bei Starkregen kaum noch Regenwasser aufnehmen.
Der Bericht Hennebrüders erläutert laut BUND-Mitteilung zudem die schädlichen Folgen des Fehlens von Grünflächen an Ackerrändern sowie die Nachteile, wenn die früher oftmals vorhandenen Gräben und Hecken fehlen, durch die früher selbst größere Wassermengen zurückgehalten werden konnten.
Pflanzenschutzmittel in Flüssen
Sebastian Schönauer vom BUND Bayern, Landesvorsitzender der Interessengemeinschaft Kommunale Trinkwasserversorgung, empfiehlt, den Situationsbericht Willi Hennebrüders dazu zu nutzen, die Informationen in die eigene Arbeit zu integrieren: „Hochwasserschutz muss endlich in seiner Gesamtheit gesehen werden und darf sich nicht wie meist bisher im Bau von Deichen und zur Wasserrückhaltung in Retentionsflächen ,erschöpfen’.“
Die Notwendigkeit zum ökologisch-nachhaltigen Umsteuern in der Landwirtschaft sieht der BUND Lippe auch insofern, als durch Wasser, das von Ackerböden abfließt, auch Kanäle, Bäche und Flüsse mit den Überresten einer Vielzahl von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln kontaminiert würden.
Der Situationsbericht Hennebrüders zur Bewirtschaftung der Ackerböden steht auf der Internetseite www.bund-lippe.de zum Download bereit.