<p class="western">Kreis Lippe. Das Gesundheitsamt Lippe hat die Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchungen analysiert und festgestellt: Die Defizite bei i-Männchen steigen, ob beim Rechnen, Hüpfen oder Sprechen.</p> <p class="western"><a href="https://www.lz.de/lippe/kreis_lippe/24130526_Rechnen-Huepfen-Sprechen-i-Maennchen-bringen-auch-in-Lippe-immer-mehr-Defizite-mit.html">Den LZ-Text dazu lesen Sie hier</a>.</p> <p class="western">Welche Erklärungsansätze gibt es? Liegt die hohe Zahl der Kinder mit Sprachproblemen daran, dass sie aus Familien Geflüchteter stammen? Nein, sagen die beiden Ärztinnen, mit dieser Schwarz-Weiß-Logik werde man der Problematik nicht gerecht. Denn nur wenige der 3800 i-Männchen stammen aus Flüchtlingsfamilien. Die neuen i-Männchen werden getestet, wenn sie flüssig - wenn auch mit erheblichen Fehlern - Deutsch sprechen können. Wer gar kein Deutsch oder nur radebrechend spricht, wird nicht im Bereich der Sprachkompetenz geprüft. Sich dem Problem zu stellen, dass es einen gestiegenen Anteil von Kindern mit Förderbedarf im Sprachbereich gibt, sei dann unter anderem Aufgabe der Schulen.</p> <p class="western Zwischenzeile" data-semantic="p">Die Ursachen liegen tief</p> <p class="western">Die Ursachen liegen also viel tiefer. Möglicherweise in der coronabedingt relativ kurzen Kita-Zeit vieler Jungen und Mädchen oder in der Tatsache, dass Eltern ihre Kinder nach Corona aus Sorgen vor Ansteckungen oder einer bevorstehenden möglicherweise komplizierten „zweiten Eingewöhnungszeit“ gar nicht mehr in die Kita gebracht haben, könnte einen Einfluss haben, vermutet Tölle. Diese Vermutung stützt sie auch auf <a href="https://www.lz.de/lippe/schieder_schwalenberg/24036371_Die-Corona-Pandemie-hat-Spuren-bei-den-Kindern-in-Schieder-Schwalenberg-hinterlassen.html">die Ergebnisse der Sozialraumanalyse aus Schieder-Schwalenberg.</a> Je länger die Kinder einen Kindergarten besucht haben, umso besser waren die Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchung.</p> <p class="western">Eine Erklärung sehen die Ärztinnen zudem im zunehmenden Medienkonsum bereits im Kleinkindes- und Kindesalter. Dr. Ahaus ist überzeugt: „Ein Anteil der Kinder konsumiert viel zu früh und über einen zu langen Zeitraum digitale Medien.“ Janine Tölle zitiert Studien, wonach jeder fünfte Zweijährige regelmäßig mit digitalen Medien spielt. „Die Eltern selbst sind in die Nutzung digitaler Medien hineingewachsen, viele leben das ihren Kindern vor.“ Dass Mütter und Väter sich vom Handy ablenken lassen, löse in den Kindern automatisch Neugierde auf digitale Medien aus.</p> <p class="western">Ahaus stellt zudem fest: Kinder machen immer seltener noch eigene, vielleicht auch schmerzvolle Erfahrungen, weil Eltern ihnen vieles abnehmen“. Diese meinten das natürlich gut, könnten aber womöglich nicht sehen, das Selbstwirksamkeit für die Entwicklung des Kindes eine wichtige Rolle spiele. Eine Frustrationstoleranz zu erlernen, Positives zu erkennen und der dosierte Umgang auch mit gelegentlich unschönen Erfahrungen, sei ein essenzieller Bestandteil zur persönlichen Weiterentwicklung des Kindes.</p> <p class="western Zwischenzeile" data-semantic="p">Der Alltag lehrt vieles</p> <p class="western">Dann bringt Janine Tölle eine weitere Beobachtung ins Spiel: Kinder könnten im Grunde so einfach vieles im Alltag begreifen - und haben doch oft keine Möglichkeit dazu. Zählen lernen beim Tischdecken oder Spülmaschine-Ausräumen, die Feinmotorik beim Wäschezusammenlegen üben ... „Diese alltägliche Arbeit müssen viele nicht mehr machen. Oder beim Einkaufen mithelfen, auch um Mengen zu verstehen. Alles muss oft schnell-schnell gehen.“</p> <p class="western">Die Spurensuche führt noch zu den Ursachen der Koordinationsdefizite, die ebenfalls, wenn auch nicht so stark, angestiegen sind. Einfache Geh-Hüpfspiele gibt es kaum noch; vorwärts, rückwärts, seitwärts ran, drei Schritte vor und zwei zurück … „das hat man früher beim Gehen gemacht. Wenn überhaupt noch zu Fuß gegangen wird, wo viele jeden Meter mit dem Auto fahren, dann wird häufig ins Handy geguckt“, das sage sie trotz allen Verständnisses für Väter und Mütter „durchaus überspitzt“. Im Test müssen die Kinder auf einer definierten Fläche seitlich in einer gewissen Zeit hin- und her hüpfen, was nicht alle schaffen. Es gibt dann Tipps für Sportvereine, oder das Gesundheitsamt versucht den Eltern, Tipps mitzugeben, wie sie ihren Kindern helfen können. Soweit es die personellen Ressourcen zulassen, werden auch in den Kindergärten Informationsveranstaltungen zu den Vorläuferfähigkeiten angeboten. Es gehe darum, schon Eltern der Vierjährigen Ideen zu vermitteln, was sie tun könnten. „Vierjährige haben dann noch zwei Jahre Zeit, gewisse Lücken aufzuholen“, sagt Dr. Kerstin Ahaus.</p> <p class="western Zwischenzeile" data-semantic="p">Regeln zur Mediennnutzung</p> <p class="western">Die Medienpädagogin und Erziehungsberaterin Sabine Schattenfroh aus Lemgo ist seit Jahren unterwegs und klärt über den richtigen Umgang mit Medien auf. Ihre wichtigsten Regeln:</p> <ol><li>Bildschirmnutzung ist in den ersten prägenden Lebensjahren eher ein unwichtiger Teil des Kinderlebens.</li> <li>Bilderbücher anschauen, vorlesen, zuhören fördert familiäres Vertrauen und den späteren Schulerfolg des Kindes. Eltern sind Vorbilder. Es gilt, von Anfang an (auch mit älteren Geschwistern, Großeltern, etc.) altersgerechte Medienregeln für die ganze Familie aufzustellen.</li> <li>Dem Bildschirm nicht zu viel Macht geben. Ihn nicht als Babysitter oder als Belohnungs- oder Bestrafungssystem nutzen.</li> <li>Bildschirmzeitempfehlung: 4 bis 5 Jahre: bis 30 Minuten am Tag: 6 bis 9 Jahre: Bis zu einer Stunde am Tag.</li> <li>Zusammen mit dem Kind am Bildschirm Spaß haben. „So können Sie es begleiten und vertrauensfördernd sprechen.“</li> <li>Den Bildschirm mit einem Kinderschutzprogramm absichern.<br /></br></li> </ol><p class="western">Hilfe gibt es unter anderem auf <a href="https://www.klicksafe.de">www.klicksafe.de</a> und <a href="https://www.schau-hin.info">www.schau-hin.info</a></p>