Kreis Lippe. Fünf von 16 mussten in die Stichwahl. Doch nun ist die Liste der neuen Bürgermeister im Kreis Lippe komplett. Die Wählerinnen und Wähler haben Sonntag in Augustdorf, Horn-Bad Meinberg, Lage, Extertal und Schieder-Schwalenberg für Klarheit gesorgt: In Lippe werden in den kommenden fünf Jahren sechs Bürgermeister mit SPD-, fünf mit CDU- und einer mit FDP-Parteibuch in den Rathäusern das Sagen haben, dazu kommen vier parteilose Chefs. SPD lässt Federn Die SPD hat im Kreis Federn gelassen, auch wenn es auf den ersten Blick weniger auffällt als andernorts in NRW; denn sechs Kommunen haben nach der Kommunalwahl 2025 weiterhin einen SPD-Bürgermeister. Vom aktuellen Wählerschwund der Sozialdemokraten sind Augustdorf, Horn-Bad Meinberg und der Kreis betroffen, hier traten die Amtsinhaber nicht mehr an. Während der Chefposten in Horn-Bad Meinberg an den Christdemokraten Michael Ruttner (54,1 Prozent) ging, gegen den der SPD-Mann Celil Celik unterlag, hat in Augustdorf ein ehemaliger CDU-Mann wieder übernommen: Andreas J. Wulf war bereits von 2004 bis 2020 Bürgermeister der Stadt, damals mit schwarzem Parteibuch. 2020 musste er sich gegen SPD-Mann Thomas Katzer geschlagen geben. Nun feiert er ein Comeback– diesmal als Parteiloser, aus der CDU ist Wulf nämlich vor einiger Zeit ausgetreten. Katzer war nicht wieder angetreten, der aktuelle SPD-Kandidat Mats Uffe Schubert unterlag dem Ex-Bürgermeister Wulf (53,9 Prozent) in der Stichwahl. Auf Oerlinghausen ist Verlass Verlass ist auf die SPD-Hochburg in Oerlinghausen. Auch wenn Dirk Becker (SPD) nicht wieder antrat, so schenkten die Wählerinnen und Wähler dort dem Genossen Peter Heepmann ihr Vertrauen – er errang auf Anhieb 52,3 Prozent und konnte sich die Stichwahl sparen. Elf bisherige lippische Bürgermeister sind wieder angetreten, zehn von ihnen konnten sich am Sonntag entspannt zurücklehnen, denn sie hatten ihren Job sicher: Borris Ortmeier (CDU, der als Einzelbewerber antrat, 78,3 Prozent) in Barntrup, Christoph Dolle (SPD, 67,2) in Blomberg und Marcus Püster (CDU, 66,4) in Schlangen ebenso Martin Hoffmann (SPD, 55,8) in Leopoldshöhe, der als gemeinsamer Bewerber von SPD, CDU, FDP und Grünen ins Rennen ging. Von vorneherein locker konnten es Torben Blome (SPD) in Lügde und Friso Veldink (CDU) in Dörentrup angehen. Beide waren die einzigen Bewerber in ihrer Kommune – beide wurden mit breiter Mehrheit in ihren Ämtern bestätigt. Blome erhielt 83,4 Prozent Zustimmung, Veldink sogar 86,1 Prozent. Konstanz in großen Städten Auch in den drei größten lippischen Städten wurde den bisherigen Bürgermeistern erneut das Vertrauen ausgesprochen: Der SPD-Kandidat Frank Hilker konnte mit 53,3 Prozent seinen Platz in Detmold im ersten Anlauf verteidigen, ebenso wie Dirk Tolkemitt (CDU, 74,1) in Bad Salzuflen und Markus Baier (57,9) in Lemgo. Letzterer trat zwar als Parteiloser an, war aber als Kandidat von der CDU nominiert worden. „Parteilos“ zu sein, war bei der diesjährigen Kommunalwahl durchaus ein Attribut, mit dem die Bewerber Stimmen sammeln konnten. Während es früher wichtig war, möglichst eine der großen, etablierten Parteien im Rücken zu haben, kann das inzwischen eher hinderlich sein. Manch ein Bewerber ging sogar so weit, dass er die Parteizugehörigkeit auf Plakaten unter den Tisch fallen ließ. „Es wird voraussichtlich mehr Fraktionen geben und mehr Vorbehalte, mit anderen zusammenzuarbeiten. In so einer Situation ist es gut, wenn der Bürgermeister nicht in politische Streitigkeiten eingebunden ist, sondern als neutraler Koordinator und ausgleichender Vermittler im Rat wirken kann“, hatte der Augustdorfer Wulf im LZ-Interview erklärt. Wähler wollen Kandidaten „von hier“ Und noch etwas belohnen die Wählerinnen und Wähler: Wenn ein Kandidat „von hier“ kommt, im Ort wohnt, idealerweise dort aufgewachsen ist, und im Vereinsleben eingebunden. Bestes Beispiel: Meinolf Haase (CDU), seit vielen Jahren vor allem in der Feuerwehr ehrenamtlich engagiert, gewann die Landratswahl gegen SPD-Kandidatin Ilka Kottmann. Oder Marco Müllers (parteilos), Gewinner der Stichwahl in Schieder-Schwalenberg gegen SPD-Mann Swen Horstmann aus Nieheim: Haase und Müllers eint, dass sie bislang kommunalpolitisch nicht aktiv waren, dafür aber in ihrer Heimat „in vielen Pötten rührten“. In der Stichwahl kommt Haase auf 55,6 Prozent, Müllers auf 58,8 Prozent. Nach dem plötzlichen, frühen Tod des Bürgermeisters Frank Meier (Zukunft Extertal) bewarben sich im Extertal vier Kandidaten um das Amt – zwei gingen in die Stichwahl, die Christian Sauter als lippeweit einziger FDP-Mann am Sonntag mit 59,9 Prozent für sich entscheiden konnte. Es war Sauters zweiter Anlauf in seinem Heimatort – 2020 war er in der Stichwahl nur Zweiter geworden. Sauter setzte diesmal alles auf eine Karten – er entschied schon im Frühjahr 2024, nach acht Jahren aus dem Bundestag ausscheiden zu wollen. Und er gewann mit 59,9 Prozent. Viel zu jubeln hatten die Sozialdemokraten am Abend der Stichwahl nicht: ob Augustdorf, Horn-Bad Meinberg oder Schieder-Schwalenberg – überall unterlagen ihre Kandidaten. Lediglich Matthias Kalkreuter, einziger Amtsinhaber in der Stichwahl, hatte in Lage Grund zur Freude: Er besiegte Frederik Topp (CDU) am Ende mit 63 Prozent. Das ist dann noch mal gut gegangen.