Paderborn. Zu einem Großeinsatz von Polizei und Rettungskräften kam es am Westfalenkolleg in Paderborn. Dort war am Mittwoch zunächst ein Amok-Alarm ausgelöst worden. Etliche Einsatzkräfte, darunter auch Kräfte eines Spezialeinsatzkommandos, waren vor Ort. Die Polizei hat eine Mordkommission eingerichtet. Der Unterricht am Westfalenkolleg soll am Donnerstag stattfinden. Wie die Polizei in einer Pressemitteilung bekannt gegeben hat, kam es gegen 13.15 Uhr zu einem Messerangriff in der Sporthalle des Schulgebäudes. Eine Studentin des Kollegs erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Ein 25-jähriger tatverdächtiger Paderborner wurde festgenommen. Dieser konnte zunächst flüchten, aber gegen 14 Uhr im Bereich des Padersees gefasst werden. Der festgenommene Paderborner ist, laut Informationen der dpa, selbst Student am Westfalenkolleg. Lesen Sie auch: Amok- und Bombendrohung an Schulen: Wie Paderborn sich auf Krisenfälle vorbereitet Weitere Hintergründe seien bislang noch unklar und Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Das Gebäude ist durch Spezialkräfte der Polizei durchsucht worden, im Fokus stand dabei die Suche nach möglichen weiteren Verletzten. Die Durchsuchung sei negativ verlaufen, vermeldet die Polizei am frühen Mittwochabend. Eine Gefahr für Unbeteiligte habe nicht bestanden. Mordkommission schaltet Hinweisportal frei Am Fürstenweg waren Straßensperrungen eingerichtet worden. Ortskundige sollten den Bereich weiträumig umfahren. Wie bereits am Nachmittag im Gespräch mit nw.de durch einen Polizeisprecher angedeutet worden war, hat die Polizei Bielefeld eine Mordkommission unter Leitung von Kriminalhauptkommissar Stefan Esdar eingerichtet. Der Sachverhalt werde als versuchtes Tötungsdelikt eingeordnet. Das Ermittlerteam setzt sich aus Beamten der Polizei Bielefeld und Paderborn zusammen. In diesem Zusammenhang ist auch ein Hinweisportal freigeschaltet worden. Zeugen werden gebeten über eine Seite der Polizei NRW Fotos und Videos, die im Zusammenhang mit der Tat stehen könnten, hochzuladen. Studierende müssen Freigabe für Verlassen des Gebäudes abwarten Auch Kräfte der Spurensicherung waren vor Ort. Einige Studierende warteten im Gebäude bis zur Freigabe darauf, das Schulgebäude zu verlassen. Im Hintergrund wurden psychologische Unterstützungsmaßnahmen eingeleitet. Mit der Freigabe des Geländes erhielten die Studierenden unmittelbar eine Notfallbetreuung. Gegen 16.45 Uhr konnten dann erste Studierende das Kolleg-Gelände verlassen. Die ersten SEK-Kräfte rückten zwischenzeitlich bereits ab. Der Einsatz dauerte mehrere Stunden an, der Umfang wurde im späteren Verlauf dann reduziert. Unterricht am Westfalenkolleg am Donnerstag findet statt Die Schulleitung des Westfalenkollegs wollte sich zu dem Vorfall nicht äußern und verwies auf die Bezirksregierung. „Die Schulgemeinde ist ebenso wie Familie und Freunde in Sorge um die verletzte Schülerin“, heißt es von der Detmolder Behörde. Am Kolleg werde am Donnerstag, 9. Oktober, Unterricht stattfinden. Darüber seien die Studierenden durch die Schulleitung informiert worden. Im Mittelpunkt der Unterrichtsgestaltung würden zunächst Gesprächsangebote stehen. Die Klasse, die das Opfer besucht, werde intensiver begleitet. Die Kontaktpersonen der Notfallseelsorge der Feuerwehr und der schulpsychologischen Beratungsstelle stünden auch in den kommenden Tagen für Gespräche bereit. Alle Akteure würden in Kontakt bleiben, um Angebote auch in der anstehenden Ferienzeit fortzusetzen. Westfalenkolleg ist eine Schule für den zweiten Bildungsweg Das Westfalenkolleg ist eine Schule des Landes NRW für die Erwachsenenbildung. Dort können volljährige Menschen auf dem sogenannten zweiten Bildungsweg das Fachabitur oder Abitur erreichen. Laut Angaben des Ministeriums für Schule und Bildung NRW besuchen gut 200 Studierende das Westfalenkolleg. Erst am Montag, 6. Oktober, kam es zu einem Großeinsatz von Rettungskräften in Borgentreich (Kreis Höxter). Dort hat es in einer Schule einen Reizgas-Vorfall gegeben. 130 Einsatzkräfte waren im Großeinsatz, knapp 40 Schülerinnen und Schüler wurden verletzt. Kurz vor dem Start der Sommerferien hatte es außerdem einen Amok-Alarm im Berufskolleg des Kreises Höxter in Brakel gegeben. Dort hatten Unbekannte die Alarm-Knöpfe betätigt.