Künstlerin Suzanne Levesque stellt Zeichnungen an Fäden aus

Barbara Luetgebrune

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Wandlerin zwischen den Fäden: Künstlerin Suzanne Levesque inmitten ihrer riesigen Rauminstallation im Hangar 21. - © Barbara Luetgebrune
Wandlerin zwischen den Fäden: Künstlerin Suzanne Levesque inmitten ihrer riesigen Rauminstallation im Hangar 21. (© Barbara Luetgebrune)

Detmold. 20 Kilometer Faden und 200 Zeichnungen: Suzanne Levesques riesige Rauminstallation im Hangar 21 lädt Besucher ein, sie – vorsichtig – zu erkunden. Ein festgelegter Parcours? Fehlanzeige. Jeder Besucher sucht sich seinen ganz eigenen Weg. Ob ihm absurde oder düstere, nostalgische oder verstörende Szenen begegnen, hängt ein bisschen vom Zufall ab – und ganz stark vom Blick, den er aufs Leben hat, der Wanderer zwischen den Fäden.

„Zeitfragmente" heißt die Arbeit, die das Hörfest Neue Musik begleitet, das – samt Installation – heute um 19.30 Uhr eröffnet wird. 200 Zeichnungen hat Suzanne Levesque in unterschiedlichen Höhen von der Hangar-Decke abgehängt. Auf einige schaut der Betrachter herab, wenn er sich sachte zwischen den Fäden hindurchschlängelt, andere begegnen ihm auf Augenhöhe, zu wieder anderen muss er den Blick erheben wie zu Malereien in einer Kirchenkuppel.

Information

Am Montag ist Finissage

Zu erleben sind die „Zeitfragmente" im Hangar 21, Charles-Lindbergh-Ring 10, zeitgleich mit dem Hörfest Neue Musik Freitag, 23. September ab 19.30 Uhr, am Samstag ab 17.30 Uhr und am Sonntag, 25. September, ab 17 Uhr. Die Finissage beginnt am Montag, 26. September, um 19.30 Uhr – auch diese wird musikalisch gestaltet. Der Eintritt ist frei.

Das Hörfest beschäftigt sich mit Grenzgängen zwischen den Kulturen. Analog hat sich die 1983 geborene Künstlerin, die in OWL aufgewachsen ist und nach Stationen in Hamburg und Wien mittlerweile in New York lebt und arbeitet, die Frage gestellt: Was bleibt als gemeinsamer Nenner, wenn man die Zugehörigkeit von Menschen zu einer bestimmten Kultur außer Acht lässt?

Ihre Antwort: „Alle Menschen spinnen ihre Lebensgeschichten aus kleinen Erinnerungen und Fragmenten zusammen." Und diese setzt sie in ihren Zeichnungen in Kugelschreiber und Tinte, in briefmarkenkleinen bis postkartengroßen Aquarellen ins Bild, bietet sie dem Betrachter als begehbare Rauminstallation zum Erkunden an.

Das ist hoch spannend, weil dieser – umgeben von all den Zeitfetzen – feststellt, dass er sich mitten in einem Leben befindet, das sich fremd und doch zugleich seltsam vertraut anfühlt. Da wehen Gesichter in Sepia vorbei – flüchtig, wie das menschliche Leben selbst –, die aus dem heimischen Familienalbum stammen könnten. Und doch wieder nicht.

Die großen Augen, die den eigenen Blick gefangen nehmen, sind nur scheinbar die von Kindern. Beim genauen Hinsehen wird klar: Das Gesicht ist alterslos, ein Geschlecht nicht erkennbar, geschweige denn die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Kultur. Menschen und Motive sind abstrahiert, sie greifen zurück auf einen kollektiven Fundus des Erlebens und Erinnerns. Und wer sich hinein begibt, taucht ein. Kein Wunder, dass Wanderer zwischen den Zeitfragmenten nicht unberührt bleiben von diesem Erlebnis. Silbrig glänzen die Fäden im Licht. Wie Regen. Und wer könnte dem Regen ausweichen?

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