Lippische Landes-Zeitung: Nachrichten aus Lippe, OWL und der Welt

Interview

Bestseller Autor Jan Weiler spricht vor seiner Lesung in Lage übers Älterwerden

Autor Jan Weiler sieht der "Älternzeit" entspannt entgegen. - © Matthias Ziegler

Lage. Auf Einladung des Fördervereins der Stadtbücherei Lage liest Bestsellerautor Jan Weiler in Lage aus seinem aktuellen Buch „Älternzeit“. Die Lesung findet am Dienstag, 16. April, ab 19 Uhr in der Aula des Schulzentrums Werreanger statt. Die LZ hat den freien Schriftsteller am Telefon erwischt, als er gerade die Folge 878 seiner Kolumne „Mein Leben als Mensch“ aufnehmen wollte. Doch der Rückruf kam umgehend.

Herr Weiler, Sie scheinen gerade richtig im Stress zu sein.

Jan Weiler: Ich bin gerade umgezogen, das fordert den ganzen Menschen (lacht). Tatsächlich bringt mich das etwas in Verzug, denn die nächste Lesereise steht schon vor der Tür.

Da sind wir direkt beim Thema. Auf was dürfen sich die Leser bei ihrem neuesten Werk freuen? Sind die beiden „Pubertiere“ Nick und Carla aus dem Haus?

Jan Weiler: Fast. Am Anfang ist Nick noch da. Vater und Sohn entwickeln ein WG-artiges Zusammenleben. Dabei gibt es ein zweifaches „coming-of-age“: Die Kinder grenzen sich ab und die Eltern müssen damit zurechtkommen, dass sie für viele Dinge nicht mehr in Frage kommen. Aus Altersgründen.

Zum Beispiel?

Jan Weiler: Egal wie gut ich mit Mitte Fünfzig noch Fußball spielen könnte, würde mich niemand mehr für die Nationalmannschaft nominieren. Dirigent in Bayreuth, das ginge noch. Aber keine Angst, ich komme nicht mit sentimentalem Gemecker nach Lage. Und es geht auch nicht nur um Kinder, sondern um die Übersetzung des Alltags eines Menschen meiner Generation in Texte. Die Leute sollen sich da wiederfinden.

Schreiben Sie autobiografisch?

Jan Weiler: Teilweise. Aber ich bin anders als der Erzähler und verschwinde hinter der geschaffenen Bühnenfigur. Auch meine Kinder heißen in Wirklichkeit nicht Nick und Carla. Zur Hochzeit des „Pubertiers“ wurde meine Tochter oft darauf angesprochen. Mit ihrer Antwort: „Da habe ich nichts mit zu tun, fragen Sie den Autor“, hat sie sich immer gut aus der Affäre gezogen. Sie fand die Carla auch immer doof.

Und wie steht ihr Sohn zu Nick?

Jan Weiler: Dem ist diese Figur ziemlich egal. Er beschäftigt sich damit nicht besonders. Als ich die Kolumne startete, war er drei Jahre alt. Er ist damit aufgewachsen. Trotzdem kommt er manchmal mit Freunden zu meinen Auftritten in München. Aber nur, weil es Backstage Freibier gibt.

Sie vergleichen bei „Älternzeit“ Ihre Funktion als Vater mit der eines Fußballtrainers. Der allerdings wird entlassen, wenn es nicht rund läuft. Wie steht es mit Ihrem Vertrag, ist die Uhr abgelaufen?

Jan Weiler: Ja, mein Vertrag als Trainer endet. Ich wechsele jetzt in den Aufsichtsrat des Vereins.

Älternzeit“ gleich Abstellgleis?

Jan Weiler: Gar nicht. Als Aufsichtsratsvorsitzender bin ich noch im Spiel. Ich kann mir zum Beispiel neue Sportarten oder neue Mannschaften suchen.

Sie leben in München und Umbrien. Ticken „Ältern“ in Italien anders?

Jan Weiler: In Italien hat man andere Voraussetzungen. Die Kinder bleiben länger zuhause. Nicht, weil das Mama-Kinder sind, sondern weil sie sich dort das Leben allein schlicht nicht leisten können. Italienische Eltern sind protektiver und näher dran, da man dort generationenübergreifend eng zusammenlebt.

Wo sprudelt die Quelle für Ihre Kolumne? Sind das alles Erkenntnisse und Begebenheiten aus dem familiären Alltag?

Jan Weiler: Nein, ich bediene mich aller Quellen, derer ich habhaft werden kann. Egal ob Erzählungen innerhalb der Familie, bei Nachbarn, Freunden oder auf Lesereisen. Manchmal höre ich auch interessante Geschichten im Zug.

Wenn Sie sich in die Rolle des Kritikers versetzen, wie würde Ihre Rezension für „Älternzeit“ lauten?

Jan Weiler: Ich würde euphorisch schreiben: „Ein wahnsinniges lebenskluges und lustiges Buch, das Sie unbedingt lesen müssen.“ Dafür würde ich dann vom Autor Rinderfilet und Rotwein bekommen.

Persönlich

Jan Weiler, 1967 in Düsseldorf geboren, besuchte die Deutschen Journalistenschule und arbeitete dann elf Jahre lang beim Süddeutsche Zeitung Magazin in unterschiedlichen Funktionen, die letzten fünf Jahre als Chefredakteur.?Seit 2005 ist er freier Schriftsteller. Er verfasst vor allem Romane, Kolumnen, Hörspiele und Drehbücher und tritt auch als Sprecher auf seinen CDs und als Vorleser auf Tourneen durch ganz Deutschland in Erscheinung. „Älternzeit“ ist die Fortsetzung von „Die Ältern“ und Weilers zehnter Kolumnenband.

Karten

Karten für die Lesung am 16. April 2024 in der Aula am Schulzentrum Werreanger gibt es ab sofort für 18 Euro bei der Buchhandlung Brückmann in Lage sowie in der Stadtbücherei.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2026
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.