Lage. Kein Interesse an Politik? In Lage ist das nicht der Fall. Im Bürgerhaus am Clara-Ernst-Platz gab es deutlich mehr Interessenten an der Podiumsdiskussion mit den Bürgermeisterkandidaten als Stühle. Durchaus unterschiedliche Positionen wurden deutlich. Eingeladen hatte das Lagenser Bündnis gegen Rechts, Sascha Schmittutz, ehemaliger Polizist und jetzt unter anderem Lehrbeauftragter der Gewalt Akademie Villigst, moderierte die zweieinhalb Stunden, in denen nicht nur Kuschelkurs angesagt war. Klar, kein Kandidat möchte vor der Wahl genauer sagen, wo künftig gespart werden muss. Aber dass das zwangsläufig der Fall sein wird, belegen die Zahlen: Lage hat ein dickes Loch im Haushalt, es fehlen 15 Millionen Euro. Mehr Einnahmen sollen her, Steuererhöhungen allerdings sind aus Sicht der Kandidaten Matthias Kalkreuter (SPD), Frederik Topp (CDU), Martina Hannen (FDP) und Stefan Zibart (Aufbruch C) nur bedingt tauglich. Eher sollte Lage damit punkten, die Gewerbesteuer zu senken, um Betriebe anzulocken, wie Martina Hannen meinte. Frederik Topp sprach sich für mehr Gewerbeflächen in Richtung Kachtenhausen aus, Bürgermeister Matthias Kalkreuter führte die desolate Entwicklung darauf zurück, dass die „wirtschaftliche Entwicklung nach der Bundestagswahl schlechter ausgefallen ist, als prognostiziert worden war“. Mehr tun für Menschen mit Einschränkungen Es fehle an echten Sparvorschlägen der Parteien im Rat. Weniger zu investieren und Standards von 1+ auf 3 zu senken, wie Frederick Topp mit Blick zum Beispiel auf die Marktplatzsanierung vorschlug, sei oft nicht hilfreich. „Eine ,Pinsellösung’ hätte uns beim historischen Rathaus nicht geholfen, denn wir wollen es behindertengerecht machen und das kostet nun einmal mehr.“ Aus dem Publikum kam die Frage, was generell getan werde, um die Belange der Menschen mit Beeinträchtigung zu berücksichtigen. In den Ortsteilen gebe es viele Bürgersteige, die in schlechtem Zustand seien. „Ich lade Sie gerne dazu ein, zum Bau- und Planungsausschuss zu kommen und dort auch Missstände aufzuzeigen“, sagte Topp, der Vorsitzender des Ausschusses ist. Stefan Zibart und Martina Hannen fanden, dass man auch dafür ein Konzept erstellen könnte, ähnlich dem, das es für die Straßen gebe. Sascha Schmittutz sprach dann Sicherheit und Ordnung an, eine Frage aus dem Publikum knüpfte daran an: „Wie wollen Sie sicher stellen, dass sich queere Menschen sicher fühlen in Lage?“ Rund 20 Prozent der Bevölkerung sei queer, ergänzte Schmittutz. „Queer“ sei vielfältig zu verstehen, es könne sich auf eine sexuelle Orientierung, eine geschlechtliche Identität oder eine kritische Haltung beziehen, die gesellschaftliche Normen in Bezug auf Geschlecht und Sexualität in Frage stelle. Alle vier Kandidaten waren sich einig, dass das Grundgesetz den Rahmen vorgibt, jeder Mensch die gleichen Rechte habe und die Würde des Menschen unantastbar ist. Wo immer gegen Minderheiten gehetzt werde oder es zu Übergriffen komme, sei auch Zivilcourage gefragt. Städtische Gesamtschule wird Thema Uneinheitlicher wurde das Meinungsbild, als das Thema Schule und Abwanderung von Schülern angesprochen wurde. Stefan Zibart brachte die Gesamtschule ins Spiel, „die ein freier Träger in Lage plant“. Und auch wenn er es nicht aussprach: Gemeint war das Vorhaben des Christlichen Schulvereins der August-Hermann-Francke-Schule (AHF), der am Stadenhauser Berg eine Gesamtschule bauen möchte. Martina Hannen sah eine Spaltung des Systems, eine Zwei-Klassen-Gesellschaft im Bereich der Bildung und sprach sich ausdrücklich dafür aus, die städtischen Schulen zu stärken, was auch Matthias Kalkreuter bekräftigte. Frederick Topp sah Chancen in einer Gesamtschule, die im übrigen auch mit dem Gymnasium kooperieren könnte. „Wenn die CDU ihre Meinung zur Gesamtschule revidiert hat, vor Jahren hat sie noch dagegen gestimmt, dann sollten wir das in der Politik auf die Tagesordnung setzen und darüber diskutieren, ob wir nicht eine Gesamtschule in städtischer Trägerschaft haben wollen“, sagte Kalkreuter. Die Sekundarschule und auch die Realschule seien stark nachgefragt, die Anmeldezahlen am Gymnasium - 59 Grundschüler wechseln in diesem Jahr dorthin - seien aber schwach, so der Bürgermeister. Hannen sah das Dalton-Konzept als Ursache, dass Kinder nach der Grundschule selbst bestimmen sollen, was sie lernen, schrecke Eltern ab. „Es wird dort sehr gute Arbeit geleistet, aber man sollte mindestens darüber nachdenken, das Konzept zu modifizieren“, sagte Hannen. Die Entscheidung, welches Konzept eine Schule verfolge, müsse die Schulgemeinschaft festlegen, es sei nicht Sache der Kommunalpolitik, stellte Kalkreuter fest. Er habe aber Gespräche mit Schulleiterin Nadine Höner geführt und er sei sicher, „dass die Argumente auch dort aufgenommen wurden und zu einem Ergebnis führen werden“.