In Lemgo gibt es künftig kostenlose Computer für Bedürftige

Till Brand

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Tüfteln für Bedürftige: Heiko Dross (rechts) und Fritz Steinke geben künftig Computer an Menschen aus, die sich solch ein Gerät sonst nicht leisten könnten. - © Till Brand
Tüfteln für Bedürftige: Heiko Dross (rechts) und Fritz Steinke geben künftig Computer an Menschen aus, die sich solch ein Gerät sonst nicht leisten könnten. (© Till Brand)

Lemgo. Computer für lau? Klingt zu schön, um wahr zu sein? Keineswegs. In Lemgo hat die bundesweit erste Zweigstelle der „Computertruhe" eröffnet. Das ist der Name eines gemeinnützigen Vereins aus dem Breisgau, der sich der Versorgung Bedürftiger mit Informationstechnologie verschrieben hat. „Flüchtlinge und Arbeitslose dürfen nicht von den Chancen des Internets abgehängt werden", erklärt Heiko Dross von den Piraten die Idee.

Obgleich die „Computertruhe" im Fraktionsbüro der GfL („Gemeinsam für Lemgo") einzieht und von Mitgliedern der Piratenpartei maßgeblich getragen wird, sei es keineswegs ein Partei-Engagement, versichert Fraktionsvorsitzender Fritz Steinke. Im Klartext: Weitere Schrauber, die PCs ausschlachten, neu zusammensetzen und einrichten, so dass sie an Bedürftige abgegeben werden können, sind sehr willkommen.

Mit etwa 80 Geräten, darunter sowohl Desktop-PCs als auch Laptops, legt die Lemgoer „Computertruhe" einen ordentlichen Start hin, meint Heiko Dross mit Blick auf die Vorbilder im Breisgau. Vor allem zwei lippischen Unternehmen ist es zu verdanken, dass die Basis an Geräten zusammengekommen ist. Weitere Spenden von ausrangierter Elektronik seien bereits im Wartestand, versichert Computerfachmann Dross.
Er spricht von einer „vernünftigen Art" mit vermeintlichem Elektroschrott umzugehen. Andernfalls wären die Altgeräte wohl entsorgt worden, mutmaßt Fritz Steinke. Denn: Weiterverkaufen können Firmen in die Jahre gekommene Geräte nur, wenn sie dem Käufer eine Garantie anbieten – eine hohe Hürde.

An dieser Stelle setzt die „Computertruhe" an, von der Heiko Dross schon kurz nach dem Start vor zwei Jahren Wind bekam. Die Geräte, so der Ansatz, könnten Bedürftigen, die sich in Lemgo wahlweise mit der Bedürftigencard oder einem Bescheid etwa über Arbeitslosengeld II ausweisen können, zugute kommen. Ihnen fehle es oftmals an Möglichkeiten, die Vorteile des Internets zu nutzen, hat Fritz Steinke festgestellt.

So klaffe beispielsweise eine gewaltige Kluft zwischen Kindern aus reichen und armen Familien, was die Medienkompetenz betreffe. Gegen diesen Umstand hat die Waldkircher Keimzelle aus dem Breisgau, die nun ihren ersten Ableger in ganz Deutschland ausgerechnet in Lemgo bekommt, bereits 200 Geräte an den Mann gebracht.

Wer weiß, vielleicht laufen die Lemgoer dem großen Vorbild irgendwann den Rang ab – angesichts der guten Startbedingungen. Im Übrigen ist auch daran gedacht, die Hardware mit der Gruppe Waldkirch zu tauschen, falls Angebot und Nachfrage so ausfallen, dass es Sinn ergibt, Technik zu mischen.

Es gehe nicht darum, sagt Heiko Dross, Gaming-PCs unters Volk zu werfen, also solche, mit denen moderne Computerspiele gezockt werden können. „Wir reden über eine Grundausstattung, mit der ich im Internet surfen und Anwendungen wie Textverarbeitung nutzen kann", sagt er. Dazu richtet die „Computertruhe" die Geräte mit einem Linux-Betriebssystem und freier Software ein – der Kosten und der Aktualisierungen wegen. „Eine gute Alternative zum Elektroschrott", fasst Fraktionschef Fritz Steinke zusammen.

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Das sind die Spielregeln
Einen Rechner von der „Computertruhe" bekommen Lemgoer, die ihre Bedürftigkeit nachweisen können – beispielsweise mit einem Bescheid über ALG II oder der Bedürftigencard. Empfohlen wird die Kontaktaufnahme per Mail an lemgo@computertruhe.de – oder samstags von 10 bis 12 Uhr im GfL-Büro, Breite Straße 60. Zunächst wird geklärt, welche Ausstattung benötigt wird. Eine Abholung kann dann auch außerhalb der Samstage vereinbart werden. Aus Gründen der Einbruchssicherheit sind die PCs und Laptops größtenteils übrigens nicht im Parteibüro gelagert. Wer dem gemeinnützigen Verein ausrangierte Rechner oder Computerzubehör zur Verfügung stellen möchte, kann sich nach Angaben von Heiko Dross sicher sein, dass zuvor allen persönlichen Daten der Garaus gemacht wird. „Wir verwenden eine spezielle Software, so dass nichts mehr zu lesen ist", sagt der PC-Fachmann. Dann folgt der zweite Festplattenfrühling.

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