Umstrittener Anbieter Viagogo: TBV Lemgo Lippe warnt vor Abzocke beim Ticketkauf

Niklas Böhmer

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Das OWL-Derby gegen GWD Minden war nahezu ausverkauft. Um das Spiel zu sehen, hatte eine Familie auf der Plattform "Viagogo" mehr als 290 Euro bezahlt.  - © Paul Cohen
Das OWL-Derby gegen GWD Minden war nahezu ausverkauft. Um das Spiel zu sehen, hatte eine Familie auf der Plattform "Viagogo" mehr als 290 Euro bezahlt.  (© Paul Cohen)

Lemgo. Es passiert immer wieder, zuletzt beim fast ausverkauften Heimspiel des Handball-Bundesligisten TBV Lemgo Lippe gegen GWD Minden. Weit im Vorfeld hatte eine Familie vier Karten für das OWL-Derby gekauft. Allerdings nicht direkt über den Verein oder die angegebenen Vorverkaufsstellen, sondern über Viagogo, eine sehr umstrittene Ticketplattform im Netz. Mehr als 290 Euro zahlte die vierköpfige Familie für Sitzplätze auf Block H. Dabei kostet ein Ticket in dieser Kategorie offiziell gerade mal 13,50 Euro - wegen eingeschränkter Sicht. Der Vereint warnt auf seinen Kanälen vor derartigen Fremdanbietern - wieder einmal.

Denn das Problem ist in der Sport- und Veranstaltungsbranche kein unbekanntes. Viagogo ist berüchtigt für überzogene Ticketpreise. Auf zahlreichen Bewertungsplattformen warnen Nutzer vor der Betrugsmasche. Schon der Weltfußballverband FIFA hatte 2018 Strafanzeige gegen die Onlineplattform gestellt, nachdem dort trotz gültigen Verbots WM-Tickets veräußert worden waren. Und trotzdem, das zeigt das jüngste Beispiel beim TBV, gehen der Plattform immer wieder Unwissende ins Netz.

Dem Verein sind die Hände gebunden

Ein möglicher Grund: der hohe Listenplatz in der Google-Suche. Vereinsname und Tickets, schon stößt man unweigerlich auf ein Viagogo-Angebot. Dort werden Tickets zu teils deutlich höheren Kursen angeboten, die der Nutzer - und das ganz bewusst unter Zeitdruck - kaufen kann. Ursprünglich wurden die Karten von Privatpersonen über den Verein gekauft, um sie dann gewinnbringend weiterzuverkaufen.

"Leider kommt man von Vereinsseite da nicht wirklich gegen an, außer davor zu warnen", erklärt TBV-Pressesprecherin Kerstin Diekmann auf Nachfrage. Dies hätte der Verein schon in der Vergangenheit mehrfach getan. Immer wieder würden verdächtige Accounts (die Datenangabe erfolgt beispielsweise ausschließlich in Kleinbuchstaben) zwar im System beobachtet, was mit den gekauften Tickets dann passiert, ließe sich aber nicht weiterverfolgen.

Aufklärung ist das einzige Mittel

"Anhand der Buchungsnummer lässt sich im Nachgang nur noch feststellen, ob die Tickets den Besitzer gewechselt haben", sagt Diekmann. Auffallen würde derartige Aktivitäten aber nur, wenn zum Beispiel eine Beschwerde beim Verein eingeht - so wie zuletzt. Den Klub trifft allerdings keine Schuld. Der ist im Falle eines Weiterverkaufs von jeglicher Verantwortung entbunden. Entsprechend erwähnt sei dies auch in den AGBs. "Wir können die Leute nur über Anbieter wie Viagogo aufklären und darauf hinweisen, die Tickets direkt über uns oder die gängigen Vorverkaufsstellen zu kaufen."

Information
Karten für Spiele des TBV Lemgo Lippe gibt es auch in den Geschäftsstellen der LZ. Für viele Veranstaltungen gibt es die Tickets auch unter der Hotline unter 05231-911113 und im Netz: www.erwin-event.de

Dennoch sammle man diese Fälle, "um vielleicht doch irgendwann juristisch dagegen vorgehen zu können." Der TBV habe dieses Problem dem Ligaverband erneut offengelegt - "mit der Bitte, im Sinne der Kundenzufriedenheit auf die Masche dieser Plattformen aufmerksam zu machen". Zumal, fügt Kerstin Diekmann ergänzend an, der Verband beispielsweise als Veranstalter des Final Fours in Hamburg ebenfalls von dieser Problematik betroffen ist.

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