Lemgo. Seit Claudia Biehahns Amtsantritt im Herbst 2020 hat es bei der Volkshochschule Detmold-Lemgo keinen normalen Betrieb gegeben. Wie die Bildungseinrichtung gegenwärtig zurechtkommt und wie es weitergeht, schildert die Leiterin im Interview.
Rechnen Sie damit, dass die Volkshochschule den Betrieb ab Mitte Februar 2021 wieder aufnehmen kann?
Claudia Biehahn: Ich rechne eher mit März. Wenn das Go kommt, können wir in etwa zehn Tagen den Betrieb wieder hochfahren. Wir stehen in den Startlöchern. Unseren Semesterstart wird es in digitaler Form geben. Wir haben kleine Filme mit den Dozenten gedreht, um einen Einblick in unsere Arbeit zu geben.
Wenn es wieder losgeht, werden Sie in Lemgo ins renovierte Wippermannsche Haus ziehen. Wie traurig sind Sie, dass Sie die Alte Abtei verlassen müssen?
Biehahn: Es ist schon ein tolles Gebäude mit viel Charme. Ich hätte mir ein weiteres Leben in der Alten Abtei gut vorstellen können. Das Gebäude hätte aber technisch auf den aktuellen Stand gebracht werden müssen. Insofern habe ich ein weinendes und ein lachendes Auge, denn wir bekommen mit dem Haus Wippermann ein Haus, das technisch gut ausgerüstet sein wird. Es wird innen unter den Prämissen des Denkmalschutzes toll renoviert.
Es gab mehrere Verzögerungen. Haben Sie inzwischen einen Umzugsfahrplan?
Biehahn: Ja, wir planen den Umzug für Juli 2021 und werden das neue Semester in den neuen Räumen beginnen. Wir werden ungefähr halb so viele Räume haben. Deshalb werden vier Räume in der Anne-Frank-Schule an der Menkestraße für uns hergerichtet. Die Turnhalle dort nutzen wir schon.
Bis es wieder „echte" Kurse geben kann, bieten Sie Sprachkurse per „Zoom"-Konferenz und Online-Kochkurse an. Kommt die Volkshochschule so durch den Lockdown?
Biehahn: Das ist ein Weg – der Weg, der uns im Moment bleibt. Wir dürfen ja keine Präsenzkurse anbieten. Seit dem ersten Lockdown im März 2020 haben wir unser Online-Angebot erheblich ausgeweitet. Denn wenn die Leute nicht zu uns kommen können, müssen wir zu den Leuten kommen.
In welcher Form?
Biehahn: Wir haben einige Angebotsreihen dazugekauft, zum Beispiel die Wissenschaftsreihe „vhs.wissen live", entwickelt von der Volkshochschule Erding mit Partnern. Der andere Strang: Wir entwickeln selbst mit unseren Dozenten Angebote. Da gibt es immer mehr Angebote wie Online-Koch- oder Yoga-Kurse.
Wie läuft das technisch?
Biehahn: Wir sind an die VHS-Cloud angedockt und nutzen überwiegend die Konferenzplattform Edudip. Unsere Programmbereichsleitungen schauen mit den Dozenten, wie sich inhaltliche Konzepte digital auf die Beine stellen lassen. Außerdem unterstützen wir die Teilnehmenden mit einem Technik-Check.
Wie war die Lage vor dem zweiten Lockdown?
Biehahn: Es konnten Kurse stattfinden, aber aus Gründen der Raumgröße verkleinert. Inzwischen haben wir schon eine gewisse Routine im Umplanen. Wir können aber nur einen kleinen Teil der Kurse ins Internet verlagern. Es ist kein vollwertiger Ersatz fürs Lernen vor Ort, für die Treffen vor Ort, für das wahre analoge Leben.
Was eignet sich für Online?
Biehahn: Sprachkurse, Gesundheitskurse sowie die Themen Beruf und EDV. Auch Yoga ist möglich, wenn man zu Hause die Gymnastikmatte ausrollt. Oder der Kochkurs. Klar, man kann nicht riechen, was die anderen kochen. Das kann nur ein Stück weit das Gemeinschaftserlebnis abbilden. Es ist ein Behelf.
Und manche Leute sind von der Teilnahme ausgeschlossen ...
Biehahn: In der Tat ist das ein Problem. Gerade manche ältere Teilnehmer erreichen wir digital nicht. Im Integrationsbereich führen wir einen kleinen Teil der Kurse fort. Wir bauen virtuelle Klassenzimmer auf. Aber nicht alle haben die Geräte und die stabile Internetleitung, um teilnehmen zu können.
Was bedeutet der Lockdown für die Dozenten?
Biehahn: Für sie ist es eine sehr schwere Zeit, und das tut uns allen sehr leid. Sie bekommen nur Geld, wenn etwas stattfindet, und sie werden in den Hilfsprogrammen nicht genügend beachtet. Ich hoffe, dass sie künftig berücksichtigt werden.
Claudia Biehahn ist 57 Jahre alt. Die Leiterin der Volkshochschule Detmold-Lemgo kommt aus Barntrup, hat in Göttingen Geschichte studiert und nach dem Magister die Deutsche Journalistenschule in München besucht. Sie arbeitete in ihrem „ersten Leben" als Journalistin in Hamburg beim Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatt, schrieb für Stern und Zeit und machte Beiträge für den Rundfunk. Zugleich war sie in der Erwachsenenbildung mit dem Schwerpunkt Deutsch als Zweitsprache tätig, seit 2018 auch für die VHS Detmold-Lemgo. Deren Leiterin ist sie seit Oktober 2020. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.