Neue Methode bei Lungen-Operationen

Till Brand

  • 0
Das Klinikum Lippe in Lemgo setzt auf neue OP-Methoden. - © Archivfoto: Bernhard Preuss
Das Klinikum Lippe in Lemgo setzt auf neue OP-Methoden. (© Archivfoto: Bernhard Preuss)

Lemgo. „Wenn man Probleme mit der Lunge hat, muss man nach Lemgo kommen“: Das ist das erklärte mittelfristige Ziel von Dr. Jan Groetzner, der seit Jahresbeginn Chefarzt der Klinik für Thoraxchirurgie am Klinikum in Lemgo ist. Neben frischem Wind für seine Klinik und das Lungenzentrum Lippe bringt der 52-Jährige nach Angaben des Klinikums neue OP-Methoden und ambitionierte Vorhaben mit.

Bisher galt am Klinikum Lippe, dass Patienten für eine Lungenoperation in Vollnarkose intubiert werden mussten, ihnen musste also ein Beatmungsschlauch eingeführt werden. Seit Mai ist damit Schluss. Die sogenannte Nivats-Methode gehört nun auch zum Leistungsspektrum des Klinikums Lippe in Lemgo. Die Bezeichnung Vats steht für „Video Assisted Thoracoscopic Surgery“. Das bedeutet, dass der Lungenchirurg während der Operation über einen Bildschirm den zu operierenden Bereich genau sehen und seine Instrumente zielgerichtet steuern kann.

Geschäftsführung, Chefärzte, Fachärzte und Pflegekräfte tauschen sich zum Start des Lungenkrebszentrums Lippe in Lemgo über die Ziele und die Schritte zur Zertifizierung aus. - © Klinikum Lippe
Geschäftsführung, Chefärzte, Fachärzte und Pflegekräfte tauschen sich zum Start des Lungenkrebszentrums Lippe in Lemgo über die Ziele und die Schritte zur Zertifizierung aus. (© Klinikum Lippe)

Mit der Nivats-Methode reicht bei diesem Eingriff eine leichte Sedierung, eine Intubation ist nicht notwendig. „Für viele Patienten ist diese minimalinvasive OP-Methode wesentlich vorteilhafter, gerade wenn Begleiterkrankungen bestehen, die ein gewisses Narkoserisiko bedeuten“, wird Dr. Jan Groetzner in der Pressemitteilung des Klinikums zitiert. Auch Komplikationen wie eine OP-bedingte Lungenentzündung könnten durch die Nivats-Methode vermieden werden, „weil wir ja nicht intubieren müssen“.

Es ist Dr. Groetzner wichtig, seine Patienten „möglichst immer minimalinvasiv zu operieren. Da gehört die Nivats ebenso wie andere Verfahren, die wir mehr und mehr auch hier in Lemgo einsetzen, einfach dazu, weil wir wissen, dass die Patienten davon profitieren.“

Neuer Chefarzt treibt Lungenkrebszentrum voran

Auch den Aufbau des Lungenkrebszentrums Lippe treibt der neue Chefarzt voran. Neben der Thoraxchirurgie befinden sich in Lemgo auch die Klinik für Onkologie und Hämatologie, die Strahlentherapie, die Nuklearmedizin mit neuem PET/CT (einer Kombination der Positronen-Emissions-Tomographie und der Computertomographie) sowie die Klinik für Pneumologie, Beatmungs- und Schlafmedizin. „Das sind ideale Voraussetzungen für die Weiterentwicklung des Lungenzentrums Lippe und unsere angestrebte Zertifizierung als Lungenkrebszentrum Lippe“, so Groetzner. Schließlich arbeiteten am Standort Lemgo etwa 1100 Mitarbeiter. Davon kümmere sich ein Großteil um Erkrankungen der Lunge vom Asthma bis zur Krebserkrankung. Die vorhandenen Kompetenzen will Groetzner in den nächsten Monaten bündeln und weiterentwickeln.

Lungenkrebs ist mit jährlich mehr als 50.000 Neuerkrankten eine der häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland. Leider werde die Diagnose oft erst im fortgeschrittenen Stadium gestellt, heißt es. Ursache sei, dass Lungenkrebs im Anfangsstadium meist keine Symptome hervorrufe und deshalb unentdeckt bleibe.

„Während der Coronaeinschränkungen ist bei vielen Menschen der Kontakt zum Arzt erschwert gewesen, so dass Vorsorge, Früherkennung und Diagnostik immer wieder zu kurz gekommen sind“, stellt das Klinikum in der Pressemitteilung fest. Aus diesem Grund bieten die Experten des Lungenkrebszentrums in Lemgo künftig regelmäßige Telefonaktionen an – erstmals am kommenden Montag, 23. Mai, von 10 bis 12 Uhr.

„Wir werden für alle Fragen zu den Themen Lungenkrebs, Früherkennung , Therapie, Operationen, Medikamente, Nachsorge, Palliativmedizin kompetente Fachleute vor Ort haben“, kündigt Dr. Jan Groetzner als Leiter des Lungenkrebszentrums an. „Menschen, die an Krebs erkrankt sind, haben viele Fragen, und sie haben ein Recht auf kompetente Antworten.“ Fragen können im genannten Zeitraum unter Telefon (05261) 26-6467 gestellt werden. Anrufer werden direkt an den passenden Experten weitergeleitet. Weitere Telefonaktionen für das gesamte Jahr sind geplant, jeweils mit anderen Themenschwerpunkten, „Wir wollen weiterhin für die Fragen und Sorgen der Betroffenen als Ansprechpartner bereitstehen“, wird Dr. Maik Brandes, Chefarzt der Klinik für Pneumologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin, mit Blick auf die Telefonaktion zitiert. Er steht ebenfalls als Experte zur Verfügung steht.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2023
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare