Lemgo. Mit dem Rauchen oder dem Vapen aufzuhören, ist nicht leicht - und nicht jeder schafft es, alleine vom Nikotin loszukommen. Im Lungenkrebszentrum im Klinikum Lippe können sich Raucher helfen lassen, wenn sie ihre Sucht hinter sich lassen möchten. Seit gut zwei Jahren findet dort wöchentlich eine kostenlose Sprechstunde zur Tabakentwöhnung statt. „Als ich vor dreieinhalb Jahren hier hergekommen bin und angefangen habe, mit anderen dieses Lungenkrebszentrum aufzubauen: Da war mir klar, dass wir auch eine Tabakentwöhnungssprechstunde brauchen“, berichtet Chefarzt Dr. Jan Groetzner im Gespräch mit der LZ. Damals habe er feststellen müssen, dass es in Lippe an einem solchen Angebot fehlt - zumindest im medizinischen Bereich. So verlief auch seine Suche nach möglichen Kooperationspartnern nur schleppend. „Viele öffentliche und karitative Einrichtungen haben nicht mal auf meine E-Mails geantwortet.“ Für Menschen, die ein Problem mit Alkohol oder anderen Substanzen haben, sei das Angebot hingegen deutlich größer. Darum entschied sich Groetzner, das Thema mit seinem Team selbst in die Hand zu nehmen - ohne daraus ein Geschäftsmodell zu machen, denn laut Groetzner sei ein solches Angebot nur wenig lukrativ. Individuelle Pläne Gesundheitsberaterinnen und Ärzte geben den Rauchern nun Hilfestellung bei der Nikotinentwöhnung. Der Ansatz der Sprechstunde ist es laut Gesundheitsberaterin Katharina Heisig, den Rauchern dabei zu helfen, sich darüber klar zu werden, was sie wollen, und sie zu motivieren. „Wir arbeiten grundsätzlich mit den Bedürfnissen und Gewohnheiten des Rauchers, der bei uns sitzt“, erläutert Heisig. Es habe keinen Sinn, den Rauchern etwas aufzuzwingen, dass nicht zu ihnen passe. Zunächst muss deshalb ein Fragebogen mit acht Fragen ausgefüllt werden, um einzuschätzen, wie stark die körperliche Abhängigkeit des Rauchers überhaupt ist. „Wenn die Abhängigkeit sehr stark ist, empfehlen wir die Beratung bei Frau Byku. Sie berät zu Ersatzpräparaten wie Nikotinspray, Kaugummi oder gegebenenfalls auch Medikation“, erläutert Heisig. Erilda Byku ist als Assistenzärztin Teil des Teams der Tabakentwöhnungssprechstunde. Mit denjenigen, die es ohne Medikation und Ersatzprodukte probieren wollen, schreibt Heisig einen individuellen Plan zur Entwöhnung, der auf eine Entschleunigung von Woche zu Woche setzt. Dafür wird zunächst besprochen, wie viel der Patient raucht oder wie oft er die E-Zigarette benutzt. Dann werden Schritte zur Reduzierung festgelegt, die über einen längeren Zeitraum auf ein rauchfreies Leben hinauslaufen sollen. Durch Entschleunigung zum Nichtraucher Schon vor dem ersten Reduzierungsschritt wird dem Raucher nahegelegt, ein Rauchertagebuch zu führen. „Jede Zigarette wird notiert. Die Herausforderung ist es, aufzuschreiben: Wie fühle ich mich beim Rauchen? Wie habe ich mich vorher gefühlt? Warum habe ich zur Zigarette gegriffen?“, erläutert Heisig. Durch das Führen des Tagebuchs soll auch herausgefunden werden, welche Zigarette welche Bedeutung für die Person hat. Sprich: Welche kann zuerst weggelassen werden? Dann sollen zuerst die Glimmstängel gestrichen werden, die dem Betroffenen am wenigsten wichtig sind. Auch über mögliche Hilfen wird gesprochen und es werden Übungen gezeigt, die das Aufhören erleichtern sollen. Dazu können unter anderem Achtsamkeitsübungen, Ersatzhandlungen und der Einsatz positiver Erinnerungen gehören. „Was ist eine gute Alternative? Den Mund oder die Hände beschäftigen? Da orientieren wir uns an dem, was derjenige, der vor uns sitzt, mitbringt“, erläutert Heisig. Die Bandbreite sei dabei sehr groß und generell bestehe für jeden die Chance, die Sucht hinter sich zu lassen. „Man muss nicht Gewohnheiten einfach streichen, sondern kann sie verändern und ersetzten“, berichtet Heisig. Ein unterstützender Onlinekurs, der komplett von den Krankenkassen getragen wird, wird dazu angeboten und kann von jedem Endgerät aus aufgerufen werden. Die Tabakentwöhnungssprechstunde findet dienstags von 11 bis 12 Uhr in der Ambulanz der Klinik für Thoraxchirurgie am Klinikstandort Lemgo statt. Weitere Informationen erhalten Interessierte per Telefon (05261) 26-6467, per E-Mail an nikotinstopp@klinikum-lippe.de und unter https://www.klinikum-lippe.de/tabakentwoehnungssprechstunde/