Lemgo. Beim Lemgoer Sommertreff haben zwei Sängerinnen rund 500 Gäste auf dem Marktplatz begeistert. Als Support für Yasmin Sidibe, die einem breiten Publikum aus der TV-Talentschmiede „The Voice of Germany“ bekannt ist, eröffnete Fina das Open-Air-Konzert mit einem tiefgründigen Fest in Moll. Sie begleitet ihre ganz persönlichen und leicht melancholisch angehauchten Texte selbst am Klavier mit seicht dahin schwingenden Mollklängen. Eingängige Refrains und Arrangements gaben ihren Gefühlen freien Lauf. Klangschön unterstützte Natalie Handwerk ihre Lieder als Backing-Vocal (Begleitgesang). Fina aus Köln, mit bürgerlichen Namen Charlotte Borlinghaus, hat in Münster Popmusik studiert und tourt seit 2018 mit ihren Liedern durchs Land. Ihre erste CD trägt den Titel „Straßen aus Papier“. Ihre Themen sind Einsamkeit, verpasste Chancen, aber auch Sehnsucht nach dem wahren Leben und Ankunft nach langer Reise. „Wer werd ich sein, wenn ich dich nicht mehr vermisse“, fragt sie in einem Lied, auf der Suche nach der eigenen Identität. Beim Song „Du bist nicht kaputt“ brachte sie den ganzen Marktplatz mit dem Refrain: „Du bist nicht K.“ zum Mitsingen. Ihr neues Lied „Ein Meer für dich“ widmete sie einem verstorbenen Menschen, mit dem sie sich in ihrer Trauer verbunden fühlt. Bekannt aus "The Voice of Germany" Dann erfreute Yasmin Sidibe aus Frankfurt am Main das Publikum mit ihrer Band, die sie seit 2019 begleitet. Robert Prost (Bass), Niclas Böhm (Drums), Lucas Mewes (Gitarre) und Felix Hien (Keyboard) legten mit kraftvollen Beats und stürmischen Gitarrensoli den beeindruckenden Klangteppich für die afrodeutsche Sängerin, die im Indie-Soul sowie Rhythm and Blues verwurzelt ist. Sidibe, die im Konservatorium in Frankfurt Jazz- und Populargesang studiert hat, erreichte in der Staffel 2016 das Halbfinale von „The Voice of Germany“. Ihr Song „Aus Liebe gewann den German Songwriting Award. „Weißt du, wo die Liebe bleibt“, fragte sie im ersten Song. Ihre Moderationen hätten eine deutlichere Stimme verdient. Beim Lied „Auf Wiedersehen“ konnte sich in der Höhe ihre Gesangsstimme, die durch eingespielte Voices untermalt wurde, beeindruckend durchsetzen - in der Tiefe drohte sie unterzugehen. Ihr Engagement für Frauen und gegen Rassismus ist neben gesellschaftskritischen Fragen ein Thema ihrer selbst geschriebenen deutschsprachigen Texte. Nach dem Anschlag in Hanau, in dem 2020 ein Neonazi neun Menschen mit Migrationshintergrund tötete, schrieb sie die Ballade „Schau mich an“. Den ruhigen Song „Nicht allein“, den das Keyboard sensibel begleitete, widmete sie Menschen, die nicht mehr da sind. „Du bist wie das Wasser im Meer“ sangen alle Gäste auf dem Marktplatz mit. Beim Lied „Niemandsland“, das Lucas Mewes mit einem virtuosen Gitarrensolo bereicherte, kam endlich Spielfreude auf, die den Funken überspringen ließ.