Lemgo. Die Auszubildenden waren von Anfang an in die Planungen miteinbezogen - und sie standen auch bei der feierlichen Einweihung im Mittelpunkt des Geschehens: Nach rund 25 Wochen Projektierungs- und Bauphase hat Brasseler in Lemgo sein neues Ausbildungszentrum vorgestellt. Seit Anfang des Jahres befinden sich die Räume bereits im Praxistest durch die rund 50 kaufmännischen und technischen Azubis sowie duale Studenten - jetzt folgte die offizielle Eröffnung. Der „Brasseler Akademie“ getaufte Gebäudeteil wurde für eine Millionensumme - konkreter mochte das Unternehmen nicht werden - komplett umgebaut und ist mit rund 800 Quadratmetern Fläche etwa doppelt so groß wie die bisherige Azubi-Werkstatt. Es bietet eine moderne Lernumgebung, die das Digitale ebenso berücksichtigt wie das Bedürfnis nach Austausch und Gemeinschaft in einer „Wohlfühlatmosphäre“, wie Björn Hartmann, Personalleiter bei Brasseler, es ausdrückte. Entstanden sind moderne Werkstätten, offene Projektflächen und flexibel nutzbare Schulungsräume, die auch für die Weiterbildung älterer Mitarbeiter genutzt werden. Fortschrittliche Technologien fanden zum Beispiel in einem speziell eingerichteten Steuerungstechnikraum Einzug - elementar für die Ausbildung im Bereich der Zukunftstechnologie Automatisierung. „Gen Z möchte gesehen werden“ Im Wettbewerb um junge Talente sieht das international operierende Medizintechnik-Unternehmen sich nun besser gewappnet, denn die Konkurrenz ist groß - und die Auswahl knapp: „Bewarben sich früher im Schnitt fünf junge Menschen um einen Ausbildungsplatz, sind es heute 0,8“, sagte Personalleiter Björn Hartmann. Die einstige „Top-Down-Mentalität“, bei der Entscheidungen von oben nach unten getroffen wurden, funktioniere nicht mehr. „Die Gen Z möchte gesehen und wertgeschätzt werden“, so Hartmann. Und genau das werde bei Brasseler umgesetzt. Im Rahmen einer lebendigen Podiumsdiskussion wurden Themen beleuchtet, die Brasseler wie so viele andere Unternehmen umtreiben: Wie können die Bedürfnisse der jüngeren Generation und die Ansprüche des Arbeitgebers unter einen Hut gebracht werden? Was kann ein Unternehmen tun, um optimal mit den Eigenheiten junger Menschen zu umzugehen? Brasseler hat für sich eine Antwort gefunden, die sich im Bau der Akademie niederschlägt: „Wir müssen miteinander reden und eine Balance finden zwischen Leistungsfähigkeit und Work-Life-Balance“, brachte es Helge Neitzel, Leiter der Fertigung Schleifinstrumente, auf den Punkt. Und es gehe darum, ein Stück weit zu akzeptieren, dass Dinge sich geändert hätten - und zwar nicht unbedingt zum Schlechteren. Azubis mit Selbstbewusstsein So seien die jungen Menschen heute selbstbewusster, trauten sich mehr zu, hätten Lust, früh Verantwortung zu übernehmen - darin waren sich alle Diskussionsteilnehmer, darunter Prof. Dr. Andreas Deuter, Dekan im Fachbereich Maschinenbau und Mechatronik an der Technischen Hochschule OWL, Svenja Jochens, Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer Lippe zu Detmold und Heiko Jucks, Schulleiter am Hanse-Berufskolleg, einig. „Ich hätte mich das früher als Auszubildende nicht getraut, hier zu stehen“, sagte Jochens mit Blick auf Sila Kurt, die im zweiten Ausbildungsjahr zur Kauffrau im E-Commerce ist und an der Diskussionsrunde teilnahm. „Wir möchten eigene Projekte leiten und präsentieren. Wir möchten einen echten Nutzen für das Unternehmen haben“, bestätigte Kurt, die gemeinsam mit einem Team von Azubis auch Brasselers Instagram-Auftritt betreut. Mehr Wohlfühlatmosphäre Das Ausbildungszentrum vereine nun beide Bereiche: Hier ließen sich die jungen Talente in ihrem Wunsch nach Mitbestimmung und Eigenverantwortung optimal fördern. Gleichzeitig bieten die neuen Räume etwa mit einem „Work Café“ und einer Sofa-Lounge attraktive Bereiche zum Pausemachen und Gedankenaustausch. „Wir möchten, dass die Azubis sich wohlfühlen“, unterstrich auch Kirsten Niehus als Vertreterin der Inhaberfamilie. Jungen Menschen gerade in den aktuell herausfordernden Zeiten eine Perspektive zu bieten, sei eine Herzensangelegenheit des Familienunternehmens und strahle, so ihre Hoffnung, auch positiv in die Gesellschaft aus. Wer im Beruf ein gesundes Selbstvertrauen entwickle, so ihre Erfahrung als Pädagogin, sei zudem besser gefeit vor negativen Einflüssen im Leben. „Es geht uns immer um die Menschen, sie stehen im Mittelpunkt“, fasste Niehus die Werte des Unternehmens mit 1200 Mitarbeitern am Firmensitz in Lemgo zusammen. Sie freue sich darüber, dass die Räume nun voll auf die Bedürfnisse der Azubis zugeschnitten seien. „Sie sollen Freude an ihrem Tun haben“, denn das wiederum nütze auch der Entwicklung des Unternehmens, dessen Übernahmequote nahezu 100 Prozent betrage. Noah Filbert ist angehender Zerspanungstechniker im ersten Lehrjahr und war in die Planungen für die Akademie involviert. „Die Vorfreude war groß“, sagt Filbert, die Messlatte lag hoch - und die Erwartungen seien dennoch übertroffen worden. Die helle Arbeitsatmosphäre gefalle ihm besonders gut - kein Vergleich zur bisherigen Werkstatt. „Mehr Technik, mehr Equipment - die Möglichkeiten für eine gute Ausbildung sind hier viel besser“, resümiert Filbert. In den Pausen hätten die Azubis verschiedener Bereiche nun mehr Gelegenheit, miteinander zu sprechen. Der Plan der Unternehmensleitung - er scheint aufzugehen. Service Für Samstag, 17. Mai, lädt Brasseler zwischen 10 und 14 Uhr zu einem „Tag der Ausbildung“ ein. In der neuen „Brasseler Akademie“ erhalten Besucher praxisnahe Einblicke in technische, kaufmännische und IT-Berufe. Es erwarten sie Mitmachaktionen, persönliche Gespräche mit Auszubildenden und Ausbildern sowie Führungen durch Produktion und Logistik, die von den Azubis selbst geleitet werden. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.