Lemgo. Der Puck schießt über das Spielfeld, prallt an die Bande und fliegt dann im hohen Bogen zwischen den beiden Seniorinnen hindurch vom Tisch – klappernd landet er auf dem Boden. „Ping, ping, ping“, verkündet der Alarm das Spielende. Doch das scheint die Spieler nicht aufzuhalten. Immer wieder schießen sie den Puck von einem Tischende zum anderen. „Stop, stop, stop. Das Spiel ist vorbei“, rufen schließlich die Altenpflegerinnen dazwischen. Die Senioren des evangelischen Altenzentrums am Schloss kämpfen beim Tischhockey-Turnier der Lemgoer Heimseniorenspiele um jeden Punkt. Schließlich geht es um eine Medaille. „Die Sieger aus dem letzten Jahr zeigen ihre Medaillen immer noch stolz herum“, sagt Nora Meierhenrich, Altenpflegerin im evangelischen Altenzentrum am Schloss. Sie ist die Organisatorin der Heimseniorenspiele, die dieses Jahr bereits zum zweiten Mal stattfinden. Dabei treten Bewohnerinnen und Bewohner aus den Einrichtungen Evangelisches Altenzentrum am Schloss, Evangelisches Johanneswerk St. Loyen Zentrum, Kreissenioreneinrichtung Lemgo, Seniorenresidenz Extertal und Elisenstift Humfeld und Barntrup gegeneinander an. Gespielt wird in den Disziplinen Luftballontennis, Rollstuhlrennen, Tischhockey und Sandsackschießen. Mit Holzboxen abwehren Nachdem der Spielzug durch Kopf oder Zahl mit einer Münze entschieden wurde, geht es direkt in die nächste Runde. Die Damenmannschaft darf anfangen. Konzentriert legt sich die Seniorin den Puck, einen umgedrehten Marmeladenglasdeckel, vor ihre Holzbox, mit der die Spieler gegen den Puck schlagen. Sie zielt auf eine Lücke an der rechten Seite des Tisches, die ihre Gegner nicht abdecken. Blitzschnell streckt der Senior seinen Ellbogen aus und fängt den Puck in letzter Sekunde ab. „Hey, nicht mit dem Arm“, ruft seine Gegnerin. Sie hat recht. Meierhenrich erklärt noch einmal für alle die Regeln: „Der Puck muss mit der Box gehalten werden.“ Die Spieler dürften außerdem nur mit einer Hand an der Box spielen, die andere müsse unter dem Tisch bleiben. Ein Spiel besteht aus zwei jeweils zweiminütigen Halbzeiten, dazwischen gibt es eine kurze Pause. „Es geht darum, möglichst viele Punkte zu machen, indem der Puck auf der gegnerischen Seite des Tisches runterfliegt“, erklärt Meierhenrich weiter. Bewegung im Alter Doch nicht jede Spielsituation lässt sich mit Regeln lösen. Gerade noch wild über den Tisch fliegend, liegt der Puck plötzlich wie festgeklebt in der Tischmitte. Die Senioren beugen sich so weit wie möglich über die Platte, strecken ihre Holzboxen bis zum Anschlag aus, doch keiner erreicht den Puck. „Ich komme da nicht dran“, ruft eine Spielerin und schüttelt den Kopf. Dann schreitet eine Betreuerin ein, greift nach dem Marmeladendeckel und schiebt ihn ein Stück näher an die Spielerinnen heran. Die nächste Attacke lässt nicht lange auf sich warten. „Das macht Spaß“, sagt eine Bewohnerin zu ihrer Sitznachbarin. Genau darum geht es den Organisatoren der Heimseniorenspiele. „Es gibt ja auch Bundesjugendspiele – warum sollten sich Senioren also nicht auch messen“, meint Meierhenrich. Auch im Alter sei Bewegung und ein Ziel vor Augen wichtig. Sieger im Tischhockey Das Ziel verlieren die Senioren dabei nie aus den Augen. Eine Spielerin wirbelt ihre Holzbox hektisch von rechts nach links, um jede Lücke auf dem Spielfeld zu verteidigen. Ihre Gegnerin kann sich vor Lachen kaum halten. Vom Spielfeldrand geben die Altenpflegerinnen Tipps: „Na los, richtig dagegen pfeffern.“ Jeder gewonnene Punkt wird laut bejubelt. Und das zeigt Wirkung: Nach der Runde haben sich sogar die Banden gelöst, festgeklebte Schwimmnudeln, die den Spielbereich begrenzen sollen. Um den Sieger der Disziplin zu ermitteln, vergleichen die Einrichtungen die Anzahl der Tore, die das jeweilige Siegerteam im Finalspiel erzielt hat. Mit 29 Treffern sichert sich das Evangelische Altenzentrum am Schloss den ersten Platz im Tischhockey. Im Finalspiel holt ein Senior noch einmal aus und trifft den Puck mit voller Wucht. Kaum zu erkennen, zischt er an der Abwehr vorbei. „Verschlafen“, ruft er seiner Gegnerin grinsend zu. Mit 29 zu 16 Treffern holt sich die Herrenmannschaft den Sieg. Wenig später hängen die Altenpflegerinnen den stolz lächelnden Dritt-, Zweit- und Erstplatzierten ihre Medaillen um den Hals.