Lemgo. Oft sind Geh- und Radwege kombiniert und dazu noch schmal. Wenn dann noch Pflanzen über die Wege ragen, kann es gefährlich werden. Das kritisiert der Allgemeine Deutsche Fahrradclub Lippe (ADFC) und nimmt vor allem die Anlieger in die Pflicht. Der ADFC hat sich die Fahrradwege in den Kommunen angeschaut. In loser Folge berichtet die LZ darüber, was aus seiner Sicht gut läuft und wo er Verbesserungsbedarf sieht. Neuere Fahrräder wie Pedelecs und Lastenräder benötigen mehr Platz und großzügigere Radien. Bei Neubaumaßnahmen wird das (meist) berücksichtigt. Aber bei alten Wegen ist das oft nicht der Fall. „Wenn wenigstens die vorhandene öffentliche Fläche auch befahrbar wäre, käme man oft schon zurecht“, meint der ADFC. Beispiel Wohnbau Anlieger würden es an manchen Stellen aber versäumen, ihre Hecken oder andere Gewächse ordnungsgemäß bis zur Grundstücksgrenze zurückzuschneiden. Ein Beispiel von vielen sei ein kleiner Verbindungsweg zwischen Hornschem Weg und der Straße „ Zum Kleinen Siek“. „Hier wachsen sowohl die von der Wohnbau zu pflegenden Hecken als auch das übrige Buschwerk anderer Anlieger munter in den Rad- und Gehweg, der eigentlich breit genug wäre. Inzwischen ist eine Begegnung nur unter Gefahren möglich“, sagt der ADFC. Andreas Riepe, Sprecher der Wohnbau, hat die Anregung geprüft und sagt, dass sich um die dortige Garten- und Heckenpflege ein externes Unternehmen kümmert. „In der Regel kommt das zweimal im Jahr. Da kann es mal sein, dass das Grün zu weit wächst.“ Im Moment ist der Zustand aber in Ordnung. Daher sehe die Wohnbau keinen Anlass, die grundsätzliche Bepflanzung und Gestaltung infrage zu stellen. „Mit einer passenden Vorsicht und Rücksichtnahme sollte der Weg durchaus nutzbar sein. Sicher gibt es auch Zeiten und Wochen, in denen der natürliche Wuchs der Hecke den Weg etwas einschränkt. Solche Momente darf man uns dann in netter Form sehr gerne mitteilen und wir versuchen, kurzfristig für Abhilfe zu sorgen“, so Riepe. Verschiedene Kontrollintervalle Aber auch die Stadt könnte tätig werden, meint der ADFC. Denn sie ist für die Einhaltung der Verkehrssicherheit zuständig. Sie könnte durch Kontrollen und Sanktionen, dafür sorgen, dass die Rad- und Gehwege in ganzer Breite dauerhaft nutzbar sind. „Die Praxis sieht aber so aus, dass manche Bereiche jedes Jahr erst geschnitten werden, wenn sich Engagierte wie der ADFC (mehrmals) melden und freie Wege einfordern“, meint der Club. Von der Stadt Lemgo heißt es, dass die Verkehrssicherheit und der Zustand der Straßen und Wege regelmäßig überprüft werden. Je nach Verkehrsbedeutung unterscheide sich das Intervall. Fußgängerzonen würden beispielsweise wöchentlich überprüft, weitere Straßen entweder monatlich oder alle zwei Monate, während Wirtschaftswege nur halbjährlich kontrolliert würden. 14-tägige Frist Dabei werde auch die private Begrünung im Hinblick auf die zur Verfügung stehende Breite (Lichtraumprofil) geprüft, damit alle Verkehrsteilnehmer die Straßen und Wege gefahrlos nutzen können. Zum Beispiel werde in den Bebauungsplänen darauf hingewiesen, inwieweit der Grundstückseigentümer in Sichtdreiecken zu Kreuzungen und Einmündungen oder auch die Grenze zum öffentlichen Straßenraum von baulichen Anlagen und Bewuchs freizuhalten hat. Falls ein Rückschnitt erforderlich sei, würde der Straßenkontrolleur versuchen, direkt persönlichen Kontakt mit den Grundstückseigentümern aufzunehmen. Falls das nicht möglich ist, werde entweder ein Hinweis im Briefkasten hinterlassen oder der Eigentümer angeschrieben. In beiden Fällen werde eine Frist von 14 Tagen zur Beseitigung der Mängel gewährt. 120 Briefe der Stadt Solche Anschreiben gab es im vergangenen Jahr laut Stadt etwa 120 Mal, wobei in 10 bis 20 Prozent der Fälle eine schriftliche Erinnerung erforderlich war. Nach der Frist wird erneut kontrolliert. „Es gibt Bereiche, in denen Grundstückeigentümer häufiger angeschrieben werden müssen. Das sind aber vereinzelte Fälle, und diese werden oft von Dritten der Stadt gemeldet“, heißt es aus der Verwaltung. Bußgelder seien bislang aber nicht ausgesprochen worden. Hier appelliert die Stadt Lemgo an die Einsicht aller und verlässt sich darauf, dass gerade in den Wuchsperioden die erforderlichen Rückschnitte zum öffentlichen Straßenraum durchgeführt werden. Allerdings: „Bei einem Straßennetz von circa 260 Kilometern, zuzüglich 100 Kilometern Wirtschaftswege und Radwege und etwa 160 Kilometern Gehwege kann ein Straßenkontrolleur besonders in Zeiten eines erhöhten Wachstums der Sträucher, Hecken und Bäume nicht immer gefährliche Situationen sofort erkennen“, heißt es abschließend.