Lemgo. Sie sehen niedlich aus, können Hausbewohner aber ganz schön nerven, wenn sie sich zum Beispiel auf dem Dachboden einnisten oder Mülltonnen plündern: Die Rede ist von Waschbären. Erst neulich gab es einen Fall beim Hexenbürgermeisterhaus. Förster Alexander von Leffern hat jetzt im Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz gesagt: „Wir haben aktuell sehr viele Anfragen zu Waschbären.“ Vom Kreis Lippe habe er sich die Anzahl der Abschüsse geben lassen. Die Zahl ist im Vergleich von 2017 zu 2024 stark gestiegen. „Wir werden also weiterhin und zunehmend Probleme mit den Tieren haben“, schlussfolgerte er. Doch sind die Kleinbären vor allem in Lemgo unterwegs oder in ganz Lippe? Von Leffern schildert auf Nachfrage, dass die Population insgesamt steige, was wohl damit zusammenhänge, dass der Waschbär keine natürlichen Feinde habe. Laut Naturschutzbund zählt er in der Europäischen Union zu den invasiven Arten. Das bedeutet, dass Menschen die Tiere hierhergebracht haben und sie hier Schäden anrichten. So können die Kleinbären die heimische Tierwelt verdrängen. Beispielsweise kann es zu Problemen für den bodenbrütenden Kiebitz, Amphibien oder auch den Rotmilan kommen. Deswegen dürfen Waschbären von September bis einschließlich Februar bejagt werden. Abschusszahlen steigen Auch in Lemgo geschieht das, wie von Leffern bestätigt: „Die Pächter im Wald sind da intensiv hinterher. Das hat in den vergangenen Jahren zugenommen.“ Das bestätigen die Zahlen, die der Kreis Lippe auf Nachfrage vorgelegt hat. Demnach gab es im Jagdjahr 2017/18 im gesamten Kreisgebiet noch 3.048 Abschüsse von Waschbären, im Jagdjahr 2024/25 lag die Zahl schon bei 5.489. Das entspricht einer Steigerung um 80 Prozent. In den Jahren dazwischen stieg die Abschusszahl kontinuierlich. Lesen Sie hier: Jäger erschlägt Waschbär-Junges in Lemgoer Innenstadt Außerdem: Ermittlungen gegen Jäger eingestellt - Tierschützer sind sauer Auf Lemgoer Gebiet gab es derweil im Jagdjahr 2017/18 279 Abschüsse und im Jagdjahr 2024/25 519 Abschüsse von Waschbären. Die Steigerung liegt sogar bei 86 Prozent. Aber im Vergleich vom Jagdjahr 2023/24 zu 2024/25 gab es keine Steigerung. Der Lemgoer Anteil an den Kreiszahlen ist mit rund neun Prozent auch annähernd konstant geblieben. Bei insgesamt 16 Kommunen scheint die Abschusszahl damit ungleich verteilt zu sein. Trotzdem sagt der Kreis auf Nachfrage, dass Lemgo nicht besonders betroffen sei. Tiere als Krankheitsüberträger Er weist jedoch darauf hin, dass sich anhand der Abschusszahlen keine verlässliche Aussage zur Population treffen lasse. Dennoch gebe es sowohl bei der Unteren Jagdbehörde als auch beim Veterinäramt regelmäßig Anfragen wegen Waschbären. Das hat wohl auch damit zu tun, dass die Tiere Krankheiten übertragen können. Eine davon ist Staupe, die auch andere Wildtiere wie Marder oder Füchse in sich tragen können. Für den Menschen ist das Virus nicht ansteckend. Doch Hunde können sich beim Aufenthalt im Wald infizieren und daran sterben. Laut Westdeutschem Rundfunk gab es im vergangenen Jahr beispielsweise mehrere Fälle in Dortmund. Darüber hinaus können Waschbären Tollwut und den Waschbärspulwurm übertragen. Ob das Bejagen der Tiere sinnvoll ist, darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen. Zum einen argumentieren Tierschützer, dass der Waschbär längst zur heimischen Tierwelt dazugehöre. Zum anderen können die Kleinbären Populationsverluste durch vermehrte Fortpflanzung ausgleichen, und neue Tiere aus den umliegenden Gebieten können nachrücken. Was empfehlen die Behörden betroffenen Bürgern, die Ärger mit Waschbären haben? Förster von Leffern rät, den Tieren die Ernährungsgrundlage zu nehmen. „Und nicht füttern, auch wenn die Tiere niedlich aussehen.“ Außerdem gibt es Rat bei den ehrenamtlich tätigen Waschbärbeauftragten der Kreisjägerschaft. Auch Tierschutzorganisationen können Hilfestellung geben. Sollten bauliche Maßnahmen am Gebäude notwendig sein, damit die Tiere zum Beispiel nicht mehr auf den Dachboden gelangen können, kann auch ein Dachdecker weiterhelfen.