Lemgo. Wir nähern uns Silvester - und damit nähert sich die Gesellschaft einer bekannten Idee: Zu Beginn des Jahres suchen viele Menschen nach Selbstoptimierung, wollen mit dem Rauchen aufhören, abnehmen oder mehr Sport treiben. Hat die Suche nach ständiger Verbesserung womöglich auch eine Kehrseite? Sollten wir trotzdem unsere Verhaltensweisen hinterfragen? Das riecht nach einem Perspektivwechsel; und da kommt „TEDx“ ins Spiel. Das weltweit renommierte Videoformat hatte in dieser Woche Premiere in Ostwestfalen-Lippe, genauer im Innovation Campus Lemgo. TEDx“ - das bedeutet Vorträge von 18 Minuten Länge und somit ohne viel Schnick-Schnack auf den Punkt gebracht - so das Ziel. Es geht natürlich weniger um alten Wein in neuen Schläuchen, sondern um inspirierende Ideen. Dafür hatte das Organisationsteam um Jan Lukas Fründ und Kristina Rein aus den Reihen der TH OWL gleich drei Rednerinnen und Redner gewinnen können. Denen ging es um ganz verschiedene Inhalte: um Elektromobilität drehte sich alles bei Johannes Üpping, um die Verwertung eines Apfels bei Susanne Struck und um die Frage von Moral und Ethik der guten Tat bei Jannis Giese. Was ist TED? Jan Lukas Fründ, der auch im Institut für Wissenschaftsdialog innerhalb der Hochschule arbeitet, hatte bei TEDx eine Lizenz für die Veranstaltung beantragt. Womit die Verpflichtung bestand, die Optik genau an das bestehende US-Format anzupassen. Im Innovation Campus mussten also rote Styropor-Buchstaben stehen und ein kleiner roter Teppich sollte auf der Bühne liegen, auf dem die Impulsgeber zu stehen hatten. Zum Hintergrund: Die gemeinnützige Organisation TED („Technology, Entertainment, Design“) bietet Expertinnen und Experten eine Bühne, um ihre Ideen vorzustellen. Unter dem Namen TEDx kann weltweit eine eigene, unabhängige Veranstaltung organisiert werden. Die Reden dürfen 18 Minuten nicht überschreiten und müssen im Anschluss online als Video verfügbar gemacht werden. Und welche Impulse waren Üpping, Struck und Giese, alle aus dem Personaltableau der Hochschule, wichtig? Üpping beschäftigt sich seit Jahren mit der Elektromobilität. Und wer da den Mund aufmacht, weiß, dass im Bereich der E-Autos der größte Widerstand in der Bevölkerung stets beim Stichwort Reichweite auftaucht. Üpping: „Oft wird allerdings eine einzige Fahrt von mehr als 500 Kilometern dabei als Szenario betont. Da stellt sich die Frage: Wie oft kommt so eine Fahrt im Jahr vor?“ Für den Lemgoer Professor steht vielmehr fest, dass das E-Auto dem Verbrenner gerade im Bereich der Effizienz um Längen voraus ist. Seine These: „Die Technik rund um den Akku wird sich ohnehin weiterentwickeln.“ Keine Apfelverschwendung Für Susanne Struck aus der Lebensmitteltechnologie ging es um die Verwertung von Reststoffen, beispielsweise beim Apfel. Strucks wichtiger Impuls: „Apfeltrester sind die festen Rückstände wie Schalen, Kerne und Fruchtfleisch, die nach dem Auspressen von Äpfeln zur Saftgewinnung übrig bleiben. Das Nebenprodukt ist reich an Ballaststoffen und Pektin. Es könnte besser verwendet werden, als im Biomüll zu landen, beispielsweise als Rohstoff für die Herstellung von Pektin oder zum Backen.“ Pektin ist ein pflanzlicher Ballaststoff und Vielfachzucker (Polysaccharid), der in den Zellwänden von Obst und Gemüse vorkommt. Der Stoff wird in der Lebensmitteltechnologie verwendet und gilt als förderlich für die Darmgesundheit und soll weitere gesundheitliche Vorteile haben. Jannis Giese ging es um eine eher philosophische Frage: Sollen wir das Gute tun? Seine 18 Minuten liefen auf moralische Grundideen hinaus, hatten ihren Urspung bei Pyrrhon. Der war Stifter der älteren skeptischen Schule. Die nach ihm benannte „pyrrhonische Skepsis“ basiert auf der Idee, dass es nahezu unmöglich sei, sich auf etwas Bestimmtes festzulegen. Tenor: Die Skeptiker verteidigen nicht sofort das, was sie vermuten. Giese hatte sich also ein eher abstraktes Thema ausgesucht, um trotzdem einer „Wahrheit“ näher zu kommen. Wo finden sich die Beiträge? Wer jetzt die drei Vorträge aus Lemgo bei TEDx sehen möchte, muss etwas Geduld mitbringen. Fründ ließ nicht unerwähnt, dass die Filme geschnitten werden müssen und die US-Organisation TEDx sie erst dann freigeben wird; oft seien sie allerdings kurze Zeit später auch bei Youtube zu finden.