Lemgo. Eine Orientierungshilfe für Mieter und Vermieter in Lemgo - die soll der neue Mietspiegel geben, den die Stadt in Zusammenarbeit mit dem Haus- und Grundeigentümerverein Lemgo und Umgebung (Haus und Grund) und dem Mieterbund Ostwestfalen-Lippe und Umgebung (Mieterbund OWL) mit Unterstützung des Immobilien-Centers der Sparkasse Lemgo erstellt hat. Er zeigt: Die Mieten sind in der alten Hansestadt in allen Bereichen deutlich gestiegen. Erstmals wird die Marke von 10 Euro pro Quadratmeter bei Neubauten in guter Wohnlage gerissen. Der Mietspiegel gilt für Altbauwohnungen und frei finanzierte Neubauwohnungen im Lemgoer Stadtgebiet und in den Ortsteilen, jedoch nicht für Sozialwohnungen. Für Ein- und Zweifamilienhäuser und Appartements könne er nur bedingt angewendet werden. Die Werte sollen die ortsübliche Vergleichsmiete in Lemgo widerspiegeln. Es geht dabei um Wohnungen gleicher Art, Größe, Ausstattung, Beschaffenheit und Lage. Deswegen gibt es Spannen vom Unter- bis zum Oberwert. Der Mittelwert gilt dabei als Standardwohnung, deren Merkmale zum Beispiel eine Sammelheizung, Dusche und WC sind. Keine schlechten Wohnlagen Dabei betont Bürgermeister Markus Baier: „Schlechte Wohnlagen gibt es in Lemgo nicht.“ Denn immer seien Grünflächen, Schulen oder Kindergärten, Einkaufsmöglichkeiten und öffentliche Verkehrsmittel in der Nähe. Die Wohnverhältnisse in der alten Hansestadt seien recht gleichmäßig. Darum weist die Tabelle des Mietspiegels nur mittlere und gute Wohnlagen aus. Beispiele für Letztere sind laut Baier der Spiegelberg, die nördliche Altstadt samt Speckgürtel wie Pöstenweg oder Dichter- und Blumenviertel. Und was ist mit dem Biesterberg? „Da haben wir nicht mehr so Probleme. Der jetzige Eigentümer ist bemüht, die Wohnungen zu sanieren. Im vergangenen Jahr hatten wir dort eine Steigerung von 70 Einwohnern“, weiß der Bürgermeister. Hoher Anteil an Mietwohnungen Wie wichtig der Mietspiegel als Informationsquelle über das Mietpreisgefüge ist, zeigt auch die Tatsache, dass Lemgo im Vergleich zu anderen Städten mit 40.000 Einwohnern laut Baier deutlich mehr Mietwohnungen aufweist. „Das hängt sicherlich auch damit zusammen, dass wir auf den Geschosswohnungsbau setzen. Das wird langfristig zur Stabilisierung beitragen“, ist sich das Stadtoberhaupt sicher. Zwischen 4,52 und 10,76 Euro pro Quadratmeter Doch wie sehen nun die Zahlen aus? Sie reichen von 4,52 Euro pro Quadratmeter bei Wohnungen, die bis 1948 gebaut wurden und sich in einer mittleren Wohnlage befinden, bis hin zu 10,76 Euro pro Quadratmeter für Wohnungen, die ab 2019 gebaut wurden und sich in einer guten Wohnlage befinden. Zum Vergleich: Im vergangenen Mietspiegel von April 2023 lag die Spanne zwischen 3,70 und 8,35 pro Quadratmeter. Dabei geht es immer um die Kaltmiete. Im Schnitt sind die Werte um circa 28 Prozent gestiegen, also um mehr als ein Viertel. Die mit Abstand größten Steigerungen gibt es in den Unterwerten, also in Wohnungen, die weniger als Standard sind. Und dabei vor allem in mittleren Wohnlagen in Häusern, die ab 2009 gebaut wurden. Es geht dabei teilweise um 40- bis 52-prozentige Steigerungen. „Es gab Steigerungen, da musste ich schon schlucken“, sagt denn auch Sarah Nagel, Geschäftsführerin vom Mieterbund OWL. Klaus Drücker, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Lemgo, resümiert: „In Lemgo kann man noch vernünftig wohnen. Es ist bezahlbar, aber günstig ist es nicht mehr.“ Dass die Mietpreise in neueren Wohnungen gestiegen seien, führt Baier auf die stark gestiegenen Baupreise zurück. Drücker weist darauf hin, dass diese aber aus energetischer Sicht gut dastünden: „Man muss ja auch die Gesamtmiete betrachten. Da wir schon drauf geschaut.“ Vergleich mit den Nachbarn Ein Blick zu den Nachbarn: In Detmold liegt die Spanne der Basiskaltmieten laut Mietspiegel von diesem Jahr zwischen 4,49 und 7,75 Euro. Die Residenzstadt hat die Werte aber anhand der Wohnungsgröße, nicht des Baujahres wie in Lemgo angegeben. Es gibt Zu- und Abschläge für das Baujahr und die Ausstattung. In Bad Salzuflen liegt die Spanne der Kaltmieten laut Mietspiegel von 2024 zwischen 4,70 und 11,27 Euro pro Quadratmeter - also leicht höher als in Lemgo. Und in Lage liegt die Spanne der Kaltmieten von 2024 zwischen 3,90 und 10,66 Euro pro Quadratmeter - ähnlich der alten Hansestadt. Neu bauen? Aus der Sicht von Drücker braucht es Neubau. Doch das sei teuer geworden. Bürgermeister Baier verspricht: „Wir versuchen, als Stadt daran zu arbeiten.“ Er verweist auf den Bau von Sozialwohnungen am Wilmersiek/Vogelsang und Studentenwohnungen in Brake. Die Zahl der Studenten an der Technischen Hochschule OWL mit einem Standort in Lemgo gehe zwar zurück, aber der Anteil an internationalen Studenten steige. Und die müssen natürlich irgendwo unterkommen. Doch nicht nur der Bedarf für Studentenwohnungen steige. Laut Sarah Nagel gebe es auch nur wenige große Wohnungen ab vier Zimmern. Viele Lemgoer suchten aber tatsächlich eher kleine Single- oder Paarwohnungen. Norbert Stukenbröker, Vorsitzender von Haus und Grund Lemgo, hält den Mietspiegel zwar für ein wichtiges Instrument auf dem Markt und wisse von dem großen Interesse, aber: „Ob die Mietpreise wirklich weitergegeben werden, bleibt abzuwarten.“ Seiner Erfahrung nach, seien viele Vermieter vor allem an guten Mietverhältnissen interessiert und würden langfristig denken. Grundlage Deswegen glaube er auch an die Richtigkeit der Angaben. Denn zur Erstellung des neuen Mietspiegels seien erstmals 1131 Fragebögen ausgewertet worden - von Mietern und Vermietern. Das ist laut Baier ein guter Wert und spreche für die Aussagekraft. Früher sei der Mietspiegel nach dem Verbraucherpreisindex angepasst worden. Die Stadt habe sich dieses Mal mehr eingebracht. Auf der Internetseite gab es eine Umfrage, die mehrere Monate online war. Auch Mieterbund, „Haus und Grund“ und Wohnbau verteilten den Fragebogen - und jetzt auch den Mietspiegel.