Lemgo. Rückblicke brauchen der Balance wegen Ausblicke - das ist bei einem Krankenhaus nicht anders als bei einem Industriebetrieb, einem Sportverein, einem Chor oder einer Autowerkstatt. 125 Jahre Gesundheit, Pflege und medizinische Versorgung in Lemgo – dieses Zeitfenster steht natürlich für das 1900 aus der Taufe gehobene Krankenhaus. Generationen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern haben hier seit Jahrzehnten dazu beigetragen, dass Patientinnen und Patienten rund um Lemgo keine Probleme bei einer Blinddarmentzündung oder einem Beinbruch hatten. Grund genug, zurückzublicken. Wer kann sowas? Ein Historiker. Wer macht sowas? Burkhard Meier aus Heiden, lange auch beim Heimatbund ein Mann für das „Vergangene“. Aber Meier musste warten. Anlässlich der Jubiläumsfeier - 24 Stunden vor dem „Tag der offenen Tür“ am Klinikum - gaben sich erst einmal Männer und Frauen das Mikrofon in die Hand, die stärker die Gegenwart, wenn nicht sogar die Zukunft im Blick hatten: Dr. Niklas Cruse, Geschäftsführer im Klinikum Lippe, Prof. Dr. Christoph Redecker, Ärztlicher Direktor im Klinikum, Bürgermeister Markus Baier, Landrat Meinolf Haase und Uni-Professorin Dr. Claudia Hornberg. Was fast schon wie ein Mantra durch die Reden schlich? Das Wort „gemeinsam“. Zu viel Porzellan wurde in den vergangenen Monaten zerschlagen, als sich widerstreitende Kräfte aus Politik und Verwaltung über das Lemgoer Krankenhaus und den Standort selbst öffentlich wenig abgestimmte Gedanken machten. Und so war es allen am Mikro wichtig, hervorzuheben, dass man sich am bedeutungs-schwangeren „gemeinsam“ orientiere. Jetzt. Konsul August Louis Wolff hatte eine Stiftung ins Leben gerufen Dann kam Meier. Und wie so oft, wenn kein Drehbuch geschrieben wird, aber der Schwere irgendwann begegnet werden muss, überlässt man die Leichtigkeit einem externen Redner. Meier, er hatte bereits zum 100-Jährigen des Krankenhauses die Archive vom Staub befreit, konnte sodann einige Rosinen finden und öffentlich machen - rund 100 Gäste, diverse Bürgermeister und Landespolitiker, hörten erst einmal Meiers Intro: „Mein Vorteil heute ist, dass ich vor einem Vierteljahrhundert gemeinsam mit Dr. Fred Salomon die Festschrift zur 100-Jahr-Feier erarbeiten durfte.“ Dann war schon Zeit für Anekdoten. Und auch wenn diverse in dem Buch zum 100-Jährigen stehen, so war doch klar, dass das nicht alle Anwesenden gelesen hatten. Meiers Ausflüge ins Geschichtsbuch? Hören sich so an: „Nach jahrelangen, schwierigen Vorbereitungen war 1878 im Rampendal ein kleines Krankenhaus eröffnet worden, das zwei Betheler Diakonissen führten. Träger war der Vaterländische Frauenverein. Bis zur Jahrhundertwende wuchs die Schwesternzahl auf vier. Am 27. Juni 1899 fand endlich die Grundsteinlegung für einen Neubau statt. Konsul August Louis Wolff, ein Sohn der Stadt, hatte eine Stiftung ins Leben gerufen. Am 18. Dezember 1900 fand die Einweihung statt.“ Das war also der Meilenstein, der der Jubiläumsveranstaltung erst ihren Rahmen gab. „Menschlichkeit und Mut haben die Akteure ausgezeichnet“ Meier aber ließ nicht locker: So berichtet die Lippische Post am 23. Januar 1905: „Die Herstellung eines Raumes, in welchem die kirchlichen Feierlichkeiten, hauptsächlich bei Beerdigungen, vorgenommen werden, ist für das Krankenhaus ein dringendes Bedürfnis.“ Meier lenkte die Aufmerksamkeit aber auch woanders hin: „Sehr scharf wurde Sanitätsrat Heynemann, als das Gespräch auf Schwester Caroline und ihr mangelndes Verständnis für Desinfektion zu sprechen kamen. Sie stehe auf dem Standpunkt und habe ihm das geradezu ausgesprochen, dass, wenn Gott wolle, dann stürbe man, und wenn nicht, dann stürbe man nicht.“ Meiers Finale hätten die genannten „Offiziellen“ womöglich kaum treffender in Worte fassen können: „Wenn wir nun heute am 125. Geburtstag zurückblicken auf die Geschichte dieser Einrichtung, lassen Sie mich wie folgt zusammenfassen: Menschlichkeit und Mut haben die Akteure vor, bei und nach der Gründung des neuen Lemgoer Krankenhauses ausgezeichnet.“ Am Samstag hatte das Klinikum an der Rintelner Straße dann mit dem „Tag der offenen Tür“ stärker die Gegenwart im Blick. Gezeigt wurden natürlich Errungenschaften wie die neue Cafeteria, aber auch medizinische Neuanschaffungen oder ein paar Grüße aus der Krankenhausküche. Nur eines blieb und bleibt in den Archiven: Es muss mal einen Pool, eine Art Schwimmbad, auf dem Gelände an der Rintelner Straße gegeben haben. Und alle fanden es toll. Trotzdem: Präteritum, nicht mehr da.