Lemgo. Zirkus mit Tieren? Das sorgt immer wieder für Irritationen. Zuletzt war im September der Zirkus Freiwald in Lemgo zu Gast. Etliche Bürger sahen das Tierwohl in Gefahr und übten vor allem auch in den sozialen Medien Kritik. Eine Lemgoerin will jetzt Fakten schaffen: Sie hat sich mit einem Antrag an die Stadt gewandt und will vor Ort Zirkusnummern mit Tieren verbieten lassen. „Die Haltung und Zurschaustellung von Tieren in Zirkussen ist grundsätzlich nicht vertretbar, unabhängig davon, ob es sich um Wildtiere oder domestizierte Tiere handelt", schreibt die Antragstellerin an die Stadt. Tiere hätten ganz unterschiedliche Bedürfnisse. Wildtiere wie Zebras oder Exoten etwa benötigten viel Platz, soziale Gruppenstrukturen und spezielle Umweltbedingungen, Kamele oder Pferde viel Auslauf. In einem reisenden Zirkus mit vielen Ortswechseln, engen Transportmitteln und kleinen Gehegen aber sei eine artgerechte Haltung nicht möglich. Viele Zirkustiere würden daher in Kombination mit den für sie unnatürlichen Auftritten Stress- und Verhaltensauffälligkeiten entwickeln. „Dressur erfolgt nicht freiwillig" Zudem sei zu beachten, dass Dressuren nicht freiwillig erfolgten und oft nur mit Zwangsmitteln umzusetzen seien, auch sanfte Methoden würden ein unnatürliches Verhalten erzwingen. All das gefährde nicht nur die Tiere, sondern würde aufgrund der permanenten Stresssituation der Zirkustiere nach Ansicht der Antragstellerin auch zu Risiken für Besucher und Zirkusmitarbeiter führen. Daher würden immer mehr Städte und Gemeinden Zirkussen mit Tieren keine Flächen mehr zur Verfügung stellen. Überdies sei das Halten von Tieren in solchen Unternehmen in vielen Ländern bereits eingeschränkt oder verboten. In diesem Zusammenhang weist die Antragstellerin auch auf erfolgreiche Alternativen zu Tiernummern hin, wie sie etwa der Circus Roncalli, der Cirque du Soleil oder auch Flic Flac realisieren würden. artikel:23666052 Der Zirkus Freiwald, der im September in Lemgo gastierte, sieht das hingegen anders. Im Gespräch mit der LZ verwies der Zirkusdirektor auf gute Pflege, die engen Beziehungen der Mitarbeiter zu den Tieren und der engmaschigen Kontrolle durch die Amtstierärzte. Ein Zirkus ohne Tiere sei für ihn kaum vorstellbar, so Jeffry Freiwald im Gespräch und verweist auf die langjährige Tradition. Stadt hat rechtliche Bedenken Und auch die Stadtverwaltung hält das Verbot von Tiernummern in Lemgo für schwierig, wenn auch aus anderen Gründen als der Zirkusdirektor. In einer ersten Stellungnahme zu dem Antrag verweist die Verwaltung auf die Rechtsgrundlage. So sei bereits 2012 eine entsprechende Anregung aus rechtlichen Gründen zurückgewiesen worden und an den Vorgaben habe sich bis dato wenig geändert: Ein generelles Aufenthalts- und Gastspielverbot für Zirkusse mit Tieren würde in erheblichem Maße die in Artikel 12 Grundgesetz statuierte Berufsausübungsfreiheit berühren. Ein solcher Eingriff aber dürfe nur per Gesetz erfolgen, so die Stadt und verweist auf Rechtssprechungen der vergangenen Jahre. artikel:24172475 Daher empfiehlt die Stadtverwaltung, die Anregung abzulehnen. Ob es dazu kommt, wird sich im kommenden Hauptausschuss zeigen. Soweit die Lemgoerin anwesend ist, wird ihr Antrag dann beraten.