Lemgo. Künstliche Intelligenz (KI) hat längst Einzug in Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur gehalten und wird dabei unterschiedlich wahrgenommen: Der Einsatz generativer KI verspricht Innovation und Fortschritt, wirft jedoch auch kritische Fragen zu rechtlichen und ethischen Aspekten sowie zur Regulierung dieser Technologie auf. Im Weserrenaissance-Museum läuft gerade eine Sonderausstellung rund um die KI. Passend zum Thema diskutierte in dieser Woche ein Quartett über Risiken und Chancen von „Chat GPT“ und seinen „Kollegen“. Zu Gast waren Jürgen Jasperneite (Fraunhofer Institut), Jessica Rubart (TH OWL), Hagen Eberhardt (Sparkasse Lemgo) und Stefan Meyer (Museumsdirektor aus Rinteln). Silke Buhrmester, stellvertretende Chefredakteurin der Lippischen Landes-Zeitung, moderierte den Abend. Im Mittelpunkt standen erwartungsgemäß Urheberrechts- und Datenschutzfragen, ethische Aspekte und somit auch die Chancen und Risiken für den Arbeitsmarkt. Dass die Künstliche Intelligenz mittlerweile als Basistechnologie des 21. Jahrhunderts gilt und - wenn auch in unterschiedlichen Geschwindigkeiten - zu Veränderungen in praktisch allen Industriezweigen führen wird, bezweifelt heute keiner mehr. Für die Finanzbranche wird jetzt schon das klassische Bank- und Investmentgeschäft hinterfragt, in der Medizin erwartet man in den kommenden Jahren die größten Vorteile für Ärzte und Patienten. Fast jeder benutzt bereits KI Risiken sehen die Skeptiker vor allem beim Datenschutz und bei der Übernahme von Arbeitsfeldern durch die KI, womit der Verlust von Beschäftigungsverhältnissen einhergehen könnte. Buhrmester erwähnte nicht ohne Grund gleich zu Beginn der Podiumsrunde eine Forsa-Umfrage. Rund drei Jahre nach der markttauglichen Einführung von ChatGPT (größter Player) nutzen zwei Drittel aller Deutschen laut der Umfrage die KI. Unter den Befragten zwischen 16 und 29 Jahren lag der Anteil der KI-Nutzer in diesem Jahr sogar bei 91 Prozent. Die Lipper auf dem Podium wählten natürlich praktische Anwendungen, um die Entwicklung der KI zu erläutern. Jürgen Jasperneite ging dabei auf eine Ampelsteuerung in Lemgo ein, bei der KI half, den Verkehrsfluss zu optimieren. Hagen Eberhardt nannte die Sparkassen-App und erklärte, wie den Kunden bereits heute eine KI bei Rechnungen hilft, wo Zahlungsverhalten eine Rolle spielt und wie der Mustererkennung dabei eine führende Rolle zukommt. Auch Ottonormalbürger wollen profitieren Ob das alles auf Dauer „arbeitsplatz-neutral“ bleibt, sich der Arbeitnehmer von morgen deutlich weiter entwickeln muss oder der nächste Schritt in der Automatisierung der Wirtschaft mehr Stellen kosten wird, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt natürlich noch nicht schlussendlich sagen. Stefan Meyer, Museumsdirektor aus Rinteln, holte im Verlauf der Debatte sogar ein paar Skulpturen aus der Tasche, die im 3-D-Druck hergestellt worden sind und bei denen die KI Linien und Strukturen quasi in Windeseile verarbeiten konnte. Allerdings stellten alle Gesprächspartner fest, dass nicht nur Organisationen und die Wirtschaft die Vorteile aus der KI „heben wolle“. Auch der Otto Normalverbraucher, der sich vielleicht ohne einen Landschaftsarchitekten günstig eine tolle Kombination von Büschen und Bäumen im eigenen Garten zusammenstellen will, könnte mit KI schneller zum Ziel kommen. Große Vorteile, so Rubart, bringe die Technik auch für ausländische Studierende, die der deutschen Sprache noch nicht mächtig sind. Ab auf den Hometrainer Die Risiken waren ebenfalls schnell erzählt: Mögliche Tendenzen, die Gesellschaft zu spalten, weil sich nicht jeder die neue Technik leisten könne oder der relativ hohe Energieverbrauch von Datenabfragen. Wenige Verbraucher wissen, dass der Energiebedarf für eine Google-Anfrage in einem Rechenzentrum im Schnitt mit 0,0003 Kilowatt zu Buche schlägt. Google verarbeitet weltweit rund 5,9 Millionen Suchanfragen pro Minute. ChatGPT wird irgendwann ähnliche Quoten erreichen. Jürgen Jasperneite wusste daher beizusteuern, was ein Nutzer sportlich zu Hause leisten müsste, wenn er eine ChatGPT-Abfrage generiert: 1,5 Minuten auf dem Heimtrainer strampeln; nur für den Strom.