Kanal-Baustelle am Eselsbach bringt erhebliche Einschränkungen

Thomas Dohna

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Abwasseringenieur Robert Blank hält auf einem Fußweg am Adlerweg ein Maßband, an dessen Ende hinten vor der Hecke Ingenieur Matthias Kindsgrab steht. So lang wird die Maschine sein, mit deren Hilfe ein sogenannter Inlinerschlauch in den Kanal gezogen wird, der damit abgedichtet und stabilisiert wird. - © Thomas Dohna
Abwasseringenieur Robert Blank hält auf einem Fußweg am Adlerweg ein Maßband, an dessen Ende hinten vor der Hecke Ingenieur Matthias Kindsgrab steht. So lang wird die Maschine sein, mit deren Hilfe ein sogenannter Inlinerschlauch in den Kanal gezogen wird, der damit abgedichtet und stabilisiert wird. (© Thomas Dohna)

Leopoldshöhe. Ein dickes Rohr liegt entlang des Eselsbaches, ein sogenannter Sammler mit 80 bis 90 Zentimetern Innendurchmesser. Den Sammler muss das Abwasserwerk sanieren. Eine Aufgabe, die etliche Unbequemlichkeiten für die Bewohner der „Vogelnamen-Siedlung" in Asemissen mit sich bringt. Im September sollen die Arbeiten an der 500 Meter langen Strecke beginnen.

Der Sammler sammelt Ab- und Regenwasser der Häuser in der Siedlung. Einige der Häuser sind nach Angaben des Abwasserwerkes direkt an den Kanal angeschlossen, andere über einen Nebenstrang. Das Abwasserwerk lässt die Kanäle regelmäßig überprüfen. Bei einer dieser Befahrungen stellte sich heraus, dass die jahrzehntealten Rohre rissig und undicht geworden waren. „Durch das Wasser wird das Erdreich um die Rohre herum ausgespült", erläutert Ingenieur Matthias Kindsgrab die Situation. Die Rohre drohen durch die ungleichmäßige Belastung zusammenzubrechen.

Kanal ist undicht

Um die Kanäle zu sanieren, gibt es zwei Möglichkeiten. Die erste ist die offene Bauweise. Robert Blank, Ingenieur beim Abwasserwerk, schaudert es bei dieser Vorstellung: „Wir müssten die gesamte Strecke aufgraben." Die führt durch Hintergärten und Grünflächen und nicht, wie heute bei Kanalbauten üblich, unter den Straßen. Wie alt der Kanal ist, vermögen die Verantwortlichen nicht zu sagen. „Bestimmt mehr als 50 Jahre", schätzt Ingenieur Blank. Unterlagen gebe es keine mehr. Der Kanal ist damit wahrscheinlich noch vor der Gründung der Großgemeinde Leopoldshöhe 1969 gebaut worden. Das erklärt auch, warum die großen Rohre entlang des Eselsbaches verlegt worden sind. „Das machte man damals so", weiß Ingenieur Blank. Man habe das vom Bach vorgegebene natürliche Gefälle genutzt. Häuser standen dort noch nicht.

In den Kanal soll ein Schlauch aus kunstharzverstärktem Glasfaservlies, ein sogenannter Inliner, eingezogen werden. Die Maschine dazu ist 31 Meter lang. Sie soll entlang des Adlerweges aufgestellt werden. Dort, vor einer Hecke, versteckt sich ein Kanaldeckel. „Den müssen wir aufnehmen und den darunter liegenden Konus auch", beschreibt Blank den Beginn der Arbeiten. Darunter erst ist der Schacht so groß, dass der Schlauch über ein sechs Meter hohes Gerüst eingeführt werden kann. Er wird per Wasserdruck durch den Kanal bis zum nächsten Schacht geschoben. Dann wird das Wasser auf über 65 Grad Celsius erhitzt und das Kunstharz härtet aus. Das Ende der Sanierungsstrecke ist der Wendehammer am Goetheweg in Greste.

Unannehmlichkeiten für die Anwohner

Weil durch den Schlauch alle Zuleitungen und Hausanschlüsse vorübergehend verschlossen werden, muss das Abwasser aus den Haushalten abgepumpt und über einen oberirdisch verlegten Kanal entsorgt werden. Das geht aber nur, wenn die Haushalte an Schächte angeschlossen sind. Die sind zwar laut der einschlägigen Satzung der Gemeinde vorgeschrieben, aber nicht jeder Hausbesitzer hat sie bauen lassen. „Diese Eigentümer müssen jetzt handeln", sagt Andreas Friedrich, beim Abwasserwerk für die Verwaltungsarbeiten zuständig. Ohne Schacht sei ein Abpumpen des Abwassers nicht möglich. „Das haben wir ausprobieren lassen", sagt Dirk Puchert-Blöbaum, Betriebsleiter des Abwasserwerkers. Manche Schächte seien mit Boden bedeckt, andere, in den Kellern liegende, überfliest worden. „Das müssen die Besitzer alles freilegen", sagt der Betriebsleiter.

„Wir können garantieren, dass wir das normale Schmutzwasser und das Wasser normaler Regenfälle abtransportieren können", sagt Andreas Friedrich. Für besonders starke Regenfälle gelte das nicht. Deswegen müsse jeder Hauseigentümer für eine Rückschlagsicherung in seinem Schacht sorgen. Auch die sei schon lange vorgeschrieben. „Wer nicht möchte, dass das Abwasser seines Nachbarn im Keller landet, sollte eine solche Sicherung einbauen lassen", rät Friedrich. Weil diese Sicherungen Vorschrift seien, würden bei einem Schaden die Versicherungen nicht zahlen.

Die Arbeiten sollen Mitte September beginnen. Der Schlauch wird Ende September eingezogen. Dann könne es nach Kunststoff riechen, warnt Ingenieur Kindsgrab vor. Rund 600.000 Euro werden die Arbeiten kosten.

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