Die Pläne und Aktionen der Leopoldshöher Naturschutzbund-Gruppe

Birgit Guhlke

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Die Mitglieder der NABU-Gruppe bei einem Arbeitseinsatz am Freesenberg, einer Ausgleichsfläche der Gemeinde Leopoldshöhe. - © NABU Leopoldshöhe
Die Mitglieder der NABU-Gruppe bei einem Arbeitseinsatz am Freesenberg, einer Ausgleichsfläche der Gemeinde Leopoldshöhe. (© NABU Leopoldshöhe)

Leopoldshöhe. Die Leopoldshöher Ortsgruppe des Naturschutzbundes (NABU) kümmert sich in der Gemeinde in vielfältiger Weise um den Schutz und den Erhalt von Flora und Fauna. Ewald Thies vom NABU hat jetzt einige Projekte zusammengefasst, die gelaufen sind – oder noch laufen. Und er erklärt, warum alle Bürgerinnen und Bürger von diesem Einsatz für die Umwelt profitieren könnten.

Es sei eine mehr als „lohnende Aufgabe, ehrenamtlich etwas für die Natur zu tun", sagt Ewald Thies. Auch wenn die Ehrenamtlichen mitunter „belächelt, oft nicht ernstgenommen und vielfach auch kaum beachtet" würden.

Schwerpunkt

Ein Schwerpunkt der Gruppe sei der Einsatz zum Schutz der Amphibien, der Kröten, Frösche und Molche, deren Weg zu den und von den Laichgewässern jedes Jahr aufs Neue begleitet und entsprechend gesichert wird. „Auch der Schutz von Insekten, Tag- und Nachtschmetterlingen, Wildbienen, Heuschrecken und Libellen nimmt einen festen Platz ein", erklärt Ewald Thies.

Dabei gehe es auch um Insekten im Wald und auf dem Feld und um die Frage, ob dort lebende Insekten als nützlich anzusehen oder nur schädlich sind. Thies: „Es geht immer auch um Pläne für mehr Naturvielfalt, etwa, wie nicht nur seltene Arten gerettet werden können, sondern auch bereits gefährdete, häufige Arten mehr ins Blickfeld geraten sollten." Das beziehe sich auch auf Vögel in ihren jeweiligen Lebensräumen.

Schottergärten

Und das führe zu einem nächsten Thema – den Schottergärten und wegen ihrer einfachen Pflege bei einigen Bürgern beliebten, sogenannten Steinwüsten in den Siedlungen. Die Pflegeleichtigkeit dieser Gärten habe zur Folge, dass es dort so gut wie keinen Lebensraum für Pflanzen und Tiere gebe.

Kritiker nennen sie auch „Gärten des Grauens". Für NABU-Mitglied Martin Düsterberg ist es „unbegreiflich, wie Besitzer solcher Gärten mit einem frohen Lebensgefühl vor die Haustür treten können". Politik und Verwaltung gehen in vielen Kommunen bereits gegen auf diese Weise gestaltete Vorgärten vor – so auch in Leopoldshöhe. Bei neuen Wohngebieten soll in den Bauplänen festgesetzt werden, dass solch eine Gestaltung nicht erlaubt ist. Zum ersten Mal diskutierten die Leopoldshöher Kommunalpolitiker diese Vorgabe im Juni, als es um das Gebiet Bachstraße/Wiesenstraße ging.

Landwirtschaft

In der Landwirtschaft geht für den NABU der Blick auf die intensive Ackerbewirtschaftung und die Feldrandhygiene, „bei der man sich fragen muss, ob sie in der heute praktizierten Form wirklich immer und überall nötig ist", wie Ewald Thies sagt. Und weiter: „Wer denkt schon an den Rückgang einst verbreiteter Ackerwildkräuter? Denen kommt eine Schlüsselrolle zu, denn auch sie sind wichtige Futterpflanzen für zahlreiche Insekten wie Wildbienen und Schmetterlinge." Auch artenreiches Kulturgrasland verschwinde mehr und mehr. Seine Erhaltung erweise sich als mühsam und ziemlich aufwendig, die Wiederherstellung als äußerst kompliziert.

In dem Wiesenbiotop Bexterhagen hat dieser Steinhaufen die Funktion, kleinen Tieren Unterschlupf zu gewähren - mitten auf der Wiese. - © NABU Leopoldshöhe
In dem Wiesenbiotop Bexterhagen hat dieser Steinhaufen die Funktion, kleinen Tieren Unterschlupf zu gewähren - mitten auf der Wiese. (© NABU Leopoldshöhe)

Erfolge

Es gibt aus Sicht des NABU auch gute Nachrichten und Erfolge. Die heimische Gruppe sei derzeit dabei, eine etwa zwei Hektar große Wiesenfläche in Bexterhagen mithilfe von Fördermitteln der Deutschen Postcode Lotterie ökologisch aufzuwerten. „Möglich wurde das durch eine Vision der naturnah denkenden Eigentümerfamilie", sagt Ewald Thies.

Bislang wurde dort ein Wiesengewässer ausgebaggert, eine Streuobstwiese angelegt, es wurden Baumstubben aufgeschüttet, Steinriegel angehäuft und Gehölzstreifen und Gehölzinseln gepflanzt. Die Konsequenz: Das Blühangebot konnte auf den so entstandenen Rohbodenflächen deutlich erhöht werden.

Gewässer

Temporär austrocknende Gewässer, in Wäldern, Weiden oder Mergelkuhlen gelegen, übten laut NABU eine wichtige Funktion im Biotopgefüge aus. Diese und andere, etwa durch Verlandung bedrohte Teiche und Tümpel zu erhalten und neue anzulegen, habe sich die Gruppe ebenfalls zur vorrangigen Aufgabe gemacht. Im Bereich des Naturschutzgebietes (NSG) Windwehetal sollen fünf neue Kleingewässer angelegt werden. Mit der Anlage von Tümpelketten und Flachmulden sollen in einem nächsten Schritt weitere Trittsteinbiotope für mehr Artenvielfalt sorgen.

Schwalbe und Fledermaus

Schwalben, Mauersegler und auch Fledermäuse sind Arten, die gefährdet sind und menschlichen Schutz benötigen. Mehr als 30 „Schwalbenfreundliche Häuser" wurden bis jetzt von den Leopoldshöher Naturschützern ausgezeichnet, ebenso etliche Ortsbewohner, die Fledermäusen einen sicheren Unterschlupf gewähren.

Das regionale Wohnbauunternehmen, die Wohnbau Lemgo, hatte die NABU-Gruppe für ein Leopoldshöher Wohnbauprojekt um ein Konzept für die Ansiedlung von „tierischen Mietern", Gebäudebrütern wie etwa Mauerseglern und Fledermäusen gebeten. Dabei gehe es auch um die Umsetzung einer natur-und artenfreundlichen Gestaltung der Außenanlagen. Daraus könne folgen, dass „das Lebensrecht von Vögeln und Insekten", in Verbindung mit botanischen Gesichtspunkten, ernster genommen werde. Ein Nachahmungseffekt sei bei weiteren Bauprojekten durchaus erwünscht.

Heipker See

Das NSG Heipker See erfülle eine wichtige Funktion als Nahrungs,- Rast-, Ruhe- und Überwinterungsgebiet für viele Tier-, insbesondere Vogelarten. Eine Entwertung des NSG einschließlich seiner Randbereiche dürfe „unter keinen Umständen" erlaubt werden, erklärt Ewald Thies und bezieht sich damit einmal mehr auf die Pläne eines Leopoldshöher Bürgers für einen Naturlehrpfad in dem Bereich (die NW berichtete mehrfach).

Freesenberg

Der Freesenberg, eine Ausgleichsfläche der Gemeinde, habe sich zu einem Hotspot der Artenvielfalt entwickelt, dessen Bedeutung über die Grenzen der Region hinaus reiche. „Insbesondere dank der gezielten Pflegemaßnahmen ist das Kompensationsgebiet deutlich artenreicher geworden – mittlerweile konnten wir auf den Flächen des Freesenbergs mehr als 480 Nachtfalterarten kartieren," sagt NABU-Schmetterlingskundler Hans Dudler. „Und es könnten noch mehr Arten werden, die Kartierung wird beständig fortgeführt." Das sei schon enorm und außergewöhnlich, zumal bei vielen Insektenarten ein dramatischer Arten- und Individuenrückgang zu verzeichnen sei.

In dem im vergangenen Frühjahr erschienenen Buchband „Das stille Sterben der Schmetterlinge" beschreibt Co-Autor Dudler den erschreckenden Rückgang von 37 ehemals häufigen Tag-und Nachtfalterarten, erfasst über einen Zeitraum von 1975 bis 2017 in NRW und angrenzenden, länderübergreifenden Gebieten. Ob die Biotopvernetzung, die der Naturschutzbund seit vielen Jahren beharrlich eingefordert habe und deren Umsetzung nun in Gang zu kommen scheine, wesentliche Verbesserungen für die Natur und die Artenvielfalt bringen werde, bleibe abzuwarten. „Allein der Klimawandel zwingt schon dazu, mehr als bisher für die Erhaltung und Verbesserung der biologischen Vielfalt zu tun."

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