Missbrauchsfall Lügde: Ermittlungskommission wird um 30 Beamte verkleinert

Lothar Schmalen

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Die Parzelle von Andreas V. ist inzwischen abgerissen. - © Guido Kirchner/dpa
Die Parzelle von Andreas V. ist inzwischen abgerissen. (© Guido Kirchner/dpa)

Düsseldorf/ Lügde. Nach der Vorlage der Anklageschriften gegen drei Beschuldigte ist die rund 80-köpfige Ermittlungskommission zur Aufklärung des Missbrauchsfalls von Lügde verkleinert worden. Das sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Donnerstag im Innenausschuss des Landtags. Derzeit hat die «BAO Eichwald» im Bielefelder Polizeipräsidium nach Angaben des Ministeriums noch 53 Mitglieder, die Zahl werde weiter reduziert.

Die Vorlage der Anklageschriften sei die «erste Zäsur» in dem umfassenden Ermittlungskomplex zu Lügde, sagte Reul. Die Ermittlungen gegen weitere Beschuldigte würden aber fortgesetzt und das umfangreiche digitale Beweismaterial weiter ausgewertet. Bei der Staatsanwaltschaft Detmold werden im gesamten Verfahrenskomplex Lügde laut einem Bericht Reuls noch Verfahren gegen 21 Beschuldigte geführt. Unter den Beschuldigten sind auch zwei Polizeibeamte und acht Mitarbeiter der Jugendämter der Kreise Hameln-Pyrmont (Niedersachsen) und Lippe (NRW) sowie Mitarbeiter von Familiendiensten freier Träger, die mit der Betreuung von betroffenen Kindern befasst waren.

Die Zahlen gehen aus einem neuen Bericht hervor, den NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Donnerstag dem Innenaussschuss des Landtags vorlegt hat. Zu den 21 Beschuldigten zählen auch die bereits angeklagten Andreas V. und Mario S., gegen die aber weiter ermittelt werde, wie der Detmolder Oberstaatsanwalt Ralf Vetter ergänzte.  Heiko V. aus Stade zählt nicht darunter, da die Ermittlungen gegen den 49-Jährigen bereits abgeschlossen sind.
Reul bezeichnete es als «Spitzenleistung», dass inzwischen drei Anklagen in dem Fall des massenhaften Kindesmissbrauchs erhoben worden seien. Das zeige, dass «gut und schnell gearbeitet wurde und dass auch die Beweislage gut ist».

Keine Anhaltspunkte auf Missbrauch am See


Außerdem geht aus dem Bericht hervor, dass die bisherigen Ermittlungen, insbesondere Vernehmungen der Geschädigten, keine Anhaltspunkte ergeben hätten, dass es bei Tauchausflügen eines der inzwischen angeklagten Hauptbeschuldigten mit Kindern an den Nesthausener See und an einen See in Thüringen ebenfalls zu Straftaten gekommen sei. Es werde aber in der Sache weiter ermittelt.

Die Staatsanwaltschaft Detmold hat inzwischen gegen drei Beschuldigte Anklage erheben. Dem 56-jährigen Dauercamper Andreas V. aus Lügde wirft sie insgesamt 298 Taten an 23 Kindern vor. Dem 34-jährigen Mario S. aus Steinheim wirft sie 162 Taten an 17 Kindern vor. Und dem 49-jährigen Heiko V. aus Stade wirft sie Anstiftung zum schweren sexuellen Missbrauch von Kindern und die Vornahme sexueller Handlungen vor einem Kind vor.

Neben dem Innenausschuss befasst sich auch der Landtagsausschuss für Kinder, Familie und Jugend am Donnerstag wieder mit dem Fall Lügde und den Konsequenzen, die daraus für die Jugendhilfe zu ziehen sind. Auch Familienminister Stamp (FDP) berichtet über den Stand der Dinge.

Mit Material von dpa.

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