Fall Lügde: Innenminister präsentiert Konsequenzen für Polizeiarbeit

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Polizisten hatten den Abriss der Parzelle von Mario S. auf dem Campingplatz Eichwald in Lügde begleitet. - © Archivfoto: Guido Kirchner/dpa
Polizisten hatten den Abriss der Parzelle von Mario S. auf dem Campingplatz Eichwald in Lügde begleitet. (© Archivfoto: Guido Kirchner/dpa)

Düsseldorf/Detmold/Lügde (lnw). Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) will am Dienstag Konsequenzen für die Polizeiarbeit aus dem Missbrauchsfall von Lügde präsentieren. Dabei geht es vor allem um organisatorische Abläufe bei der NRW-Polizei, um die Ausbildung und Technik, wie das Innenministerium vorab mitteilte. Ausgangspunkt ist eine Überprüfung, wie Ermittlungen in Fällen von sexuellem Missbrauch an Kindern und Kinderpornografie bisher geführt wurden.

Auf dem Campingplatz in Lügde an der Landesgrenze zu Niedersachsen sollen über Jahre hinweg zahlreiche Kinder schwer sexuell missbraucht worden sein. Die Staatsanwaltschaft hat zunächst drei Männer angeklagt. Dem 56-jährigen Hauptverdächtigen wirft sie in der Anklage 293 Fälle vor. Demnach soll sich der Mann unter anderem wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen, schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie dem Besitz von kinderpornografischen Schriften verantworten. Der Prozess soll Ende Juni beginnen.

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Angeschuldigter zum Tatzeitpunkt noch jugendlich

Eine vierte Anklage wird derzeit vom Amtsgericht Detmold geprüft. Das geht aus einem Bericht von Justizminister Peter Biesenbach (CDU) an den Rechtsausschuss des NRW-Landtags hervor. Der Direktor des Amtsgerichts Detmold bestätigte den Eingang der Anklage beim Jugendschöffengericht. „Zum Tatzeitpunkt war der Angeschuldigte noch Jugendlicher", sagte Michael Wölfinger am Montag. Weitere Details zur Person oder den Vorwürfen wollte der Direktor des Amtsgerichts nicht nennen. Über die Annahme der Anklage muss jetzt das Amtsgericht entscheiden.

Polizei und Jugendämter stehen in dem Fall in der Kritik. Sie sollen Hinweisen auf den Hauptverdächtigen nicht nachgegangen sein. Auch bei den Ermittlungen gab es Pannen, unter anderem sind Beweismittel verschwunden.

Die drei Anklagen gegen die Hauptbeschuldigten im Missbrauchsfall Lügde werden wegen der Schwere der Straftaten in der höheren Instanz am Landgericht Detmold verhandelt. Der Prozess gegen drei Männer aus Lügde (56), Steinheim bei Höxter (34) und Stade in Niedersachsen (49) wegen hundertfachen sexuellen und schweren sexuellen Kindesmissbrauchs beginnt am 27. Juni.

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