Aussage der leiblichen Mutter: "Elf Minuten mitten ins Herz"

Erol Kamisli

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Die Verteidiger Jürgen Bogner und Johannes Salmen (rechts) mit den Angeklagten Mario S. und Andreas V. am dritten Prozesstag.  - © Jannik Stodiek
Die Verteidiger Jürgen Bogner und Johannes Salmen (rechts) mit den Angeklagten Mario S. und Andreas V. am dritten Prozesstag.  (© Jannik Stodiek)

Detmold. Mit gesenktem Blick und einem Knäuel Taschentücher in der linken Hand verlässt die leibliche Mutter von Andreas V.s ehemaligen Pflegekind das Gerichtsgebäude. Kurz zuvor hat die 26-Jährige unter Ausschluss der Öffentlichkeit emotional im Zeugenstand ausgesagt, sagt Rechtsanwalt Cornelius Pietsch, der das heute achtjährige Mädchen im Missbrauchsprozess zum Fall Lügde vertritt.

Es habe sie viel Kraft gekostet, nur wenige Meter entfernt von dem Mann Platz zu nehmen, der auf brutalste Weise ihre Tochter bereits im Alter von sechs Monaten missbraucht haben soll. Sie habe den Fokus bei ihrer Aussage auf die Person gelenkt, um die es geht: ihre heute achtjährige Tochter, zu der sie wieder langsam Kontakt aufbaue.

Der dritte Prozesstag

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Elf Minuten spricht die 26-jährige. „Elf Minuten ins Herz jedes Zuhörers. Elf Minuten für ihr Kind, das Opfer", so Pietsch. Sie habe geschildert, dass sie mit 18 Jahren Andreas V. im Freibad getroffen und gleich Freundschaft geschlossen habe. Der Dauercamper habe seine Hilfe angeboten. „Sie war wieder schwanger und konnte das Kind nicht versorgen. Irgendwann habe sie eingewilligt, dass der Dauercamper der Pflegevater ihrer Tochter wird, weil sie ihm völlig vertraute", sagt Pietsch.

Die 26-Jährige habe von dem 132-fachen Missbrauch an ihrem Kind erst erfahren, als die Achtjährige im November 2018 von Mitarbeitern des Jugendamtes abgeholt worden sei – sie mache sich Vorwürfe. „132 Missbrauchsfälle allein an diesem Mädchen konnten die Ermittler Andreas V. nachweisen – die Dunkelziffer ist bestimmt drei- bis viermal so hoch", so Pietsch. Die Mutter fordere lebenslange Haft für Andreas V. – während ihrer Aussage habe er den Blick gesenkt, einen Kugelschreiber in der rechten Hand, als schreibe er. „Tat er aber nicht", sagt Pietsch.

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Die Doku zum Fall Lügde

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