Mehr als 3000 Besucher kommen zum Urlandfest nach Oerlinghausen

Karin Prignitz

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Patrick Halbe, Koch bei der Fleischerei Sander, zerteilt die 30 Kilogramm schwere Wildochsenkeule mit ihrem marmorierten Fleisch der ausschließlich in der Natur lebenden Tiere. - © Karin Prignitz
Patrick Halbe, Koch bei der Fleischerei Sander, zerteilt die 30 Kilogramm schwere Wildochsenkeule mit ihrem marmorierten Fleisch der ausschließlich in der Natur lebenden Tiere. (© Karin Prignitz)

Oerlinghausen. Tiefe erdige Töne schweben am Samstagnachmittag über den Rathausplatz. Verstärkt werden sie durch ein brummendes Vibrieren. Mit den ungewohnten Klängen ihrer Didgeridoos eröffnen die „Bielefeld Didgers" das erste „Urlandfest" in Oerlinghausen. Rund 3.000 Besucher zieht es an den beiden Festtagen in die Stadt.

Wird es überhaupt möglich sein, den Rathausplatz zu nutzen, das fragten sich viele Oerlinghauser im Vorfeld, denn die Arbeiten zur Neugestaltung laufen noch. Gut 200 Quadratmeter sind abgezäunt. Dort, wo der Brunnen bereits zu sehen ist und Wasserspiele entstehen sollen. Damit die Besucher ohne Stolperfallen auf den Platz kommen, war an einer Stelle fix geteert worden. Lieferschwierigkeiten für die komplett neue Brunnentechnik seien für die Verzögerung verantwortlich, erläuterte Bürgermeister Dirk Becker. Das sei natürlich ärgerlich, aber ein Ende ist in Sicht. „Zum Weinfest in drei Wochen ist alles fertig."

Neue touristische Attraktionen

Angesichts des großen Zuspruchs füllte sich der Platz schnell, und die Baustelle fiel wegen der vielen Menschen kaum noch auf. Ziel des Marketingvereins war es, in Kooperation mit der Stadt, dem Kreis Lippe sowie den Verantwortlichen vom Archäologischen Freilichtmuseum (AFM) und Naturschutzgroßprojekt (NGP) Senne und Teutoburger Wald mit dem Urlandfest die neuen touristischen Attraktionen des NGP mit seinen Schottischen Hochlandrindern und Exmoor-Ponys, die nie einen Stall von innen gesehen haben, ins Bewusstsein zu rücken. Und nicht zuletzt die Verbindung von NGP und AFM. Museum und Senne-Urland passen ideal zum Tourismus-Konzept der Bergstadt, da sind sich alle einig.

„Landschaft wie vor 5000 Jahren soll entstehen", sagte Daniel Lühr vom NGP. Zahlreiche seltene Pflanzen- und Tierarten sind hier wieder anzutreffen. Das Naturschutzgroßprojekt sei nicht nur ein Markenzeichen für Lippe, sondern auch für Oerlinghausen, betonte Dirk Becker. Vor allem auf dem Ochsenpfad und dem Eidechsenpfad sind viele Spaziergänger unterwegs.

40 wackere Wanderer beteiligten sich im Vorfeld des Urlandfestes bei heißen Temperaturen an einer Tour zu den Rindern und Wildpferden. Das Projekt soll Mitte 2020 enden. Landrat Axel Lehmann, der zugleich Verbandsvorsteher des Naturparks Teutoburger Wald/Eggegebirge ist, bestätigte, dass es fortgesetzt und der Kreis die Trägerschaft übernehmen werde.

Archäologie zum Anfassen

Lehmann hob die Wichtigkeit des AFM für Ostwestfalen und ganz Deutschland hervor. Hier werde Archäologie erlebbar gemacht. Im NGP stünden Natur und Artenschutz im Vordergrund. Beides miteinander zu verbinden, sei ein großer Wunsch, wies Lehmann auf den geplanten „Klimaturm" am AFM hin, der momentan „auf der Kippe" stehe. Günter Weigel, Geschäftsführer der Lippe Tourismus & Marketing, zeigte sich zuversichtlicher: „Derzeit werden intensive Gespräche geführt. Die Aussichten sind sehr positiv."

Beim Urlandfest hatten die Besucher die einmalige Gelegenheit, das würzig-kräftige Fleisch dreier Wildochsen aus dem NGP, die nicht für den Erhalt der Herde gebraucht werden, zu kosten. Probiert werden durfte außerdem Rindersalami und der eigens von Apotheker Henner Wachsmuth-Melm für das Fest gebraute Kräuterlikör „Schnaken-Karlchen".

Neben den geschmacklichen gab es auch musikalische Highlights. Am Samstag unterhielt die „Graffiti-Partyband" mit Bianca Shomburg, Andreas Klaude und Björn Diewald und zuvor sorgten bereits die „Celtic Highlanders Bagpipes & Drums" um David Clarke und Gerry Sloan für Gänsehautmomente. Pünktlich mit dem Auftritt des von Jörg Prignitz geleiteten Schlagzeugensembles „Bi-Cussion" verzog sich am Sonntagnachmittag der Regen. Was vielleicht auch mit den spanischen Klängen zu tun hatte, die die Percussionisten von ihrer Tournee mitgebracht hatten. Die Lehrerband „Mobbing Dick" setzte eigene musikalische Akzente.

Lehrerband und Waldhornbläser

Waldhornbläser, Schäfer Thorsten Rüping mit seiner Scheraktion, die Möglichkeit Papier zu schöpfen oder dem „Irren Wikinger" bei der Schmuckherstellung über die Schulter zu schauen gehörten zu den weiteren Angeboten. Am Sonntag öffneten die Geschäfte. Dort gab es bei einer Rätsel-Rallye etwas zu gewinnen, ebenso bei einem Quiz der Werbegemeinschaft und bei einem Malwettbewerb.

Den Abschluss bildete ein gemeinsames Singen mit Alfons Haselhorst und Band. Ein Urlandfest soll es auch künftig geben. Ob im Ein- oder Zweijahresrhythmus, darüber wird der Marketingverein demnächst entscheiden.

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