Käuzchen-Kinderstube in der Oerlinghauser Alexanderkirche

Horst Biere

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Niedliche Kirchenbewohner haben sich im Turm der Alexanderkirche eingenistet. Als den Naturschützern dieses seltene Foto gelang, war die Mutter der kleinen Waldkäuze gerade auf Futtersuche. Mittlerweile sind alle ausgeflogen. - © NABU
Niedliche Kirchenbewohner haben sich im Turm der Alexanderkirche eingenistet. Als den Naturschützern dieses seltene Foto gelang, war die Mutter der kleinen Waldkäuze gerade auf Futtersuche. Mittlerweile sind alle ausgeflogen. (© NABU)

Oerlinghausen. Laute Kirchenglocken scheinen sie nicht zu stören. Vielleicht liebte die Eulenfamilie, die sich in einem Nistkasten hinter einem Fenstereinlass der Oerlinghauser Alexanderkirche eingerichtete hatte, das kräftige Geläut sogar. Jedenfalls hat sich eine gefiederte Wohngemeinschaft unmittelbar unter dem Glockenraum des markanten Kirchturms ihr erstes Familiennest geschaffen und dort ihren Nachwuchs zur Welt gebracht.

Der Nisterfolg freut die Naturschützer, die sich um die Wildvögel kümmern, besonders. „Drei junge Waldkäuzchen haben Wilfried Kohlmeyer und ich Mitte Februar oben im Kirchturm entdeckt“, sagt Werner Nowak vom NABU, „da waren sie nur wenige Tage alt“.

Regelmäßig kontrollieren Kohlmeyer und Nowak die großen Nistboxen im historischen Turm. Zum Ende des Winters säubern sie die Vogelbrutplätze, damit sie für neue gefiederte Gäste bereitstehen. Um die Eiablage und spätere Aufzucht des Nachwuchses angenehm zu gestalten, streuen sie nach der Reinigung etwas Sand und Hobelspäne in die Kästen. „Eulen, Dohlen und Turmfalken suchen gern den Turm der Kirche auf“, berichtet Wilfried Kohlmeyer, „es sind attraktive Unterkünfte – wie übrigens viele andere hochstehende Gebäude auch.“

Eulen hatten den Schnabel vorn

Meistens besteigen Werner Nowak und Wilfried Kohlmeier den Kirchturm bei lautem Glockengeläut. Denn dann können sich die Naturschützer unhörbar den Nistplätzen nähern, ohne von den Vögeln bemerkt zu werden. Die luftigen Nistplätze seien häufig so begehrt, dass es immer wieder mal zu Streitereien zwischen den Dohlen und den Turmfalken gekommen sei, sagt Kohlmeier. Diesmal aber hätten die Eulen die Nase, beziehungsweise den Schnabel vorn gehabt und sich wohl schon im Januar ein gemütliches Familiennest geschaffen. Werner Nowak: „Als wir den Kasten vorsichtig öffneten, hatte der Vater bereits die Vorratskammer für Mutter und Nachwuchs gefüllt – die machen das so. Da das Weibchen vier Wochen lang brütet, muss es wohl Mitte Januar damit angefangen haben.“

So war die übliche Reinigung des Kastens wegen der schnellen Hausbesetzung des Eulenpaars nicht mehr möglich. Pastor Klaus Sommer, selbst aktives Mitglied im NABU, ist stets bei den Nistkasten-Vorbereitungen dabei. Er betrachtet den Kirchturm als „vielfältigen Lebensraum“, den man unbedingt erhalten müsse.

Seit vielen Jahren beobachtet er die Tierwelt, die sich in der Alexanderkirche ein beliebtes Domizil, ein „geschütztes Zuhause“, eingerichtet hat. „Als vor etwa zwei Jahrzehnten die Kirche renoviert wurde, haben wir bei den Bauarbeiten bewusst einige Öffnungen im Dachbereich freigelassen, damit sich die Tiere ungehindert von draußen nach drinnen bewegen können.“ Klaus Sommer: „Zwischen dem Sandsteinsims des gemauerten Turms und dem Dach gibt es immer wieder Platz für Ein- und Ausflüge.“

Große Population Fledermäuse

Der Pfarrer denkt dabei auch an die große Population der Fledermäuse, die sich im Gemäuer des Kirchturms und des Hauptschiffs aufhalten. An warmen Sommerabenden schwirren zahllose geschützte „Flattermänner“ rings um die Alexanderkirche. Oftmals benutze er ein kleines technisches Hilfsmittel, einen Transponder mit Ultraschall-Sensor, sagte Sommer, der die Laute der Fledermäuse hörbar macht, die für das menschliche Ohr nicht zu erfassen sind. Pastor Sommer: „Es ist ein reges Leben, das sich dort am Kirchturm abspielt und das es zu erhalten gilt. Wir sind als Christen aufgerufen, die gesamte Schöpfung im Blick zu behalten und wo sie bedroht ist, zu beschützen.“

Information

Projekt „Lebensraum Kirchturm“

„Lebensraum Kirchturm“ ist ein seit 2007 laufendes Projekt des Naturschutzbundes Deutschland (NABU), der es gemeinsam mit dem Beratungsausschuss für das Deutsche Glockenwesen durchführt. Alljährlich zeichnet der NABU solche Kirchen aus, die sich besonders für den Schutz von Eulen, Turmfalken, Fledermäusen und Co. einsetzen. Weit mehr als 1.000 Kirchen sind seither mit der Plakette und einer Urkunde bedacht worden. In Oerlinghausen sind im Jahre 2019 die katholische St.-Michael-Kirche und die evangelische Alexanderkirche dazu gekommen.

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