Oerlinghausen
Leben und kämpfen wie die Wikinger - im Archäologischen Freilichtmuseum
| von Karin Prignitz

Darsteller wie Bernd Burger (links) und Florian Feitenheimer zeigen in einer Kampfschau, welche Waffen in der Wikingerzeit eingesetzt wurden. - © Karin Prignitz
Darsteller wie Bernd Burger (links) und Florian Feitenheimer zeigen in einer Kampfschau, welche Waffen in der Wikingerzeit eingesetzt wurden. (© Karin Prignitz)

Oerlinghausen. „Wer sich zeitig dünne macht, lebt noch in der nächsten Schlacht." So oder ähnlich, vermutet Florian Feitenheimer, mag es der eine oder andere Wikinger gehalten haben. Die meisten aber werden sich ihren Gegnern furchtlos gestellt haben. Mit der nötigen Ausrüstung. Wie die ausgesehen hat, auf welche Weise gekämpft wurde und wie Waffen eingesetzt wurden, das haben die Besucher an den beiden Wikingertagen im Archäologischen Freilichtmuseum Oerlinghausen erlebt.

Mehr als 70 Living-History-Darsteller aus Deutschland, den Niederlanden, aus England und Polen nahmen das Publikum bei der 25. Ausgabe der Wikingertage mit in die Zeit von 790 bis 1070 nach Christus. Florian Feitenheimer, Arne Baldauf, Thorsten Brandes und Bernd Burger demonstrierten vor dem Langhaus eindrucksvoll Kämpfe mit Messern, wie sie den einfachen Bauern in der Wikingerzeit zur Verfügung standen, aber auch solche mit der Einaxt, dem Einhand- und dem Zweihandspeer. Dass Schilde nicht nur dem Schutz dienten, sondern ebenfalls als Waffen eingesetzt werden konnten, verwunderte die meisten der Zuschauer.

Vor allem die Kinder fieberten mit und erlebten, dass die am Boden liegenden Kämpfer fix wieder aufstanden, denn natürlich war es nur eine Vorführung und nicht Realität, was sie dort geboten bekamen. Damit es möglichst echt aussieht, üben die Darsteller „einmal pro Woche mindestens drei Stunden lang", wie Florian Feitenheimer berichtete.

Der Nachbau eines Schiffes stößt auf reges Interesse bei den Besuchern. - © Karin Prignitz
Der Nachbau eines Schiffes stößt auf reges Interesse bei den Besuchern. (© Karin Prignitz)

Böse Geister kommen nicht in enge Ärmel

Auf Interesse bei den gut besuchten Wikingertagen stieß auch eine Modenschau. „Leider gibt es nur wenige Funde", sagte Darstellerin Ina Gombert. Je nach Bodenbeschaffenheit seien nur wenige Fitzelchen der damals üblichen Kleidung übriggeblieben. Umso schwieriger sei die Rekonstruktion. Orientierung geben die Literatur und, wie Ina Gombert hervorhob, „der Verstand". Eines scheint sicher, einige der Accessoires, etwa dekorative Schläfenringe, aber auch Stickereien und möglichst enge Ärmel sollten böse Geister abhalten.

Ein Mädchen stellte die Tochter eines Schmuckmachers dar. Wie Schmuck in der Wikingerzeit gefertigt wurde, demonstrierte Torsten Neuer im Museum. „Die geometrischen Ornamente werden mit Stempel und Hammer eingeprägt", erklärte er.

Die ausgesuchte Qualität der Darstellung, ob bei Darstellern oder Händlern, macht immer wieder aufs Neue den Unterschied zu kommerziellen Veranstaltungen deutlich. Zudem ist die Atmosphäre im Archäologischen Freilichtmuseum unvergleichlich. Brettchengewebte Lesezeichen, Decken, Perlen und vieles mehr gab es an den Ständen. Die Besucher konnten zuschauen, wie diese Gegenstände hergestellt wurden. Dorothea Derksen aus Großenmarpe war mit ihrer Familie zum ersten Mal im Archäologischen Freilichtmuseum und zeigte sich begeistert. Mit ihren Söhnen Ben Levi (9) und Luc Titus (7) formte sie mit Hilfe der Museumsmitarbeiterinnen Elisabeth Landerbarthold, Renate Fromme-Müller und Heike Weinhorst Wollbälle.

Später testeten die Jungen ihre Geschicklichkeit beim Bogenschießen im Wald. Auch viele Erwachsene fanden Gefallen daran, ein weit entferntes (hölzernes) Wildschwein zu treffen. Für eine Stärkung zwischendurch konnten die Besucher am Stand von Bäckermeister Jens Techentin aus Bassum Lügen-Brote, scharfe Stecher und Drei-Käse-Hochs kosten. Oder auch ein herzhaftes Rittermahl.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2021
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare