Schieder-Schwalenberg. Die zweite Woche der 31. Sommerakademie in Schwalenberg ist gerade gestartet. Die ersten Kunstwerke sind schon entstanden, und die neue Dozentin Jannine Koch hat sich bereits gut eingelebt. Sie ist nicht die einzige Veränderung in diesem Jahr. „Ich freue mich wirklich sehr, dass wir Jannine Koch für die Sommerakademie gewinnen konnten", sagt Vera Scheef von der Lippischen Kulturagentur. Die 40-Jährige, freischaffende Künstlerin aus Gelsenkirchen ist das erste Mal Dozentin in Schwalenberg. In den ersten zwei Wochen der insgesamt vierwöchigen Veranstaltung gibt sie Kurse in Ei-Tempera und Gouache – zwei alte Techniken, bei der die Farbe aus hochwertigen Pigmenten vor Ort angemischt wird. „Das wird nur noch selten bei Akademien angeboten", sagt Scheef. Daher freue es sie besonders, dass sie es in Schwalenberg im Programm hätten. „Es ist auch eine wesentlich aufwendigere Technik", ergänzt Jannine Koch. Acryl oder andere Farben könnten sofort vermalt werden. Doch bei Ei-Tempera und Gouache käme die Farbe nicht aus der Tube, sondern wird von den Teilnehmern angemischt. Das sei komplexer. „Dafür wird man mit einer tollen Leuchtkraft belohnt, und ich finde, die Farben haben etwas extrem Sinnliches", so die Dozentin, die in Leipzig Malerei und Grafik studiert hat und von 2009 bis 2012 Meisterschülerin bei der zeitgenössischen Malerin und Professorin Annette Schröter war. „Die Teilnehmer lernen den Unterschied zu industriell gefertigten Materialien. Darauf springen viele an", erklärt die 40-Jährige. Viele fänden es schön, wieder etwas analog mit den Händen zu gestalten. Sobald die Farbe dann fertig ist, kann mit dem Malen auf Pappe oder Leinwand begonnen werden. Ruhe und Natur Erfahrung im Lehren hatte Koch bereits zuvor. Schon während ihrer Zeit als Meisterschülerin habe sie an einer Abendakademie Unterricht gegeben. 2019 hatte sie einen Lehrauftrag für Lithographie an der Universität Duisburg-Essen. Nach Schwalenberg kam sie durch eine Empfehlung von Robert Matthes, der Ölmalerei bei der Sommerakademie unterrichtet. Von der Malerstadt hatte Jannine Koch zwar schon zuvor gehört, da sie Verwandtschaft in der Umgebung hat, doch nun sei sie das erste Mal hier. „Ich finde es total schön. Die Ruhe und die Natur gefallen mir sehr gut. Das erinnert mich ein bisschen an meine Kindheit. Ich bin auch auf dem Land aufgewachsen." Jannine Koch ist noch bis zum 20. Juli in Schwalenberg. Dann endet ihr Kursus. Doch schon im Herbst kehrt sie als Dozentin zurück. Dann findet erstmalig vom 18. bis 22. Oktober die Herbstakademie für Jugendliche ab 16 Jahren und junge Erwachsene statt, bei der die Teilnehmer verschiedene künstlerische Techniken theoretisch und praktisch erleben können. Anmeldungen hierzu sind noch möglich. Die 31. Sommerakademie hingegen war schon innerhalb kürzester Zeit ausgebucht. „Die Menschen sind ausgehungert und wollen etwas machen", beschreibt Vera Scheef. Die Teilnehmer kämen wieder aus den verschiedensten Regionen Deutschlands. Doch die Plätze waren begrenzt. Vor Corona hätten sich oftmals noch Teilnehmer für eine Verlängerung entschieden. Das sei in diesem Jahr nicht möglich. Auch ein Zusatzkurs, der in der ersten Woche am Nachmittag von 16 bis 20 Uhr stattfand, war schnell ausgebucht und ist laut Vera Scheef sehr gut angenommen worden. Dabei wurden unter Anleitung der Bildhauerin Ellen Baumbusch kleine Tonfiguren nach einem lebenden Aktmodell geformt.