Schieder-Schwalenberg. Marco Müllers aus Schieder möchte den Bürgern eine parteilose Alternative auf dem Wahlzettel bieten, sagt der 52-Jährige zu seiner Motivation, bei der Bürgermeisterwahl in Schieder-Schwalenberg anzutreten. Welche Pläne er hat und wie er die Probleme der Stadt angehen möchte, hat der Finanzbeamte im Gespräch mit der LZ erzählt. Sie haben für das Interview Ihr Zuhause als Lieblingsort ausgewählt. Warum? Marco Müllers: Wir haben das Haus vor Kurzem zu einem echten Wohlfühlort umgebaut. Ich habe mir hier meine Zukunft in Schieder-Schwalenberg gebaut. Im Zusammenhang mit dem Wahlkampf durfte ich aber viele schöne Ecken von Schieder-Schwalenberg kennenlernen. Haben Sie also ganz neue Gegenden in Ihrer Heimat entdeckt? Marco Müllers: Wiederentdeckt. Das war auch einer der Gründe, warum ich alle Flyer selber herumbringen wollte. Um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, aber auch, um zu sehen, wie es in den einzelnen Ortsteilen und den entlegensten Straßen aussieht. Sind Ihnen dabei auch negative Sachen aufgefallen? Marco Müllers: Ja, sowohl konnte ich diese selber feststellen, aber natürlich habe ich auch aus den ganzen Gesprächen mit den Menschen neue Erkenntnisse für mich gefunden, wo man auf alle Fälle aktiv werden muss. Und wo wäre das? Marco Müllers: An manchen Stellen hatte mein Handy zum Beispiel keinen einzigen Balken Netz. Und dann natürlich das krasse Problem mit dem Breitbandausbau. Auch der extreme Leerstand war mir im Vorfeld gar nicht bewusst. Wieso möchten Sie Bürgermeister in Schieder-Schwalenberg werden? Marco Müllers: Mein Vater ist hier politisch sehr aktiv gewesen, das ist sicherlich auch ein Grund, dass ich sogar schon vor zehn Jahren auf das Bürgermeisteramt angesprochen wurde. Zur damaligen Zeit habe ich aber noch sehr für das Ehrenamt Sport gebrannt und auf der Arbeit sehr interessante Tätigkeiten gemacht, sodass ich das für mich abgewogen hatte. Früher waren Sie als noch nicht bereit dazu, jetzt aber schon? Marco Müllers: Ja. Ich habe mir im letzten Jahr dazu schon Gedanken gemacht und wurde dann aufgrund der Krankheit meines Vaters und des Umbaus des Hauses etwas ausgebremst. Nach und nach kamen dann die Kandidaten. In der Bevölkerung war immer wieder wahrnehmbar, dass die Bürger das Amt gerne wieder unabhängig besetzen wollen. Ich möchte eine parteilose Alternative darstellen. Ihr inzwischen verstorbener Vater war viele Jahre Fraktionsvorsitzender der FDP und auch stellvertretender Bürgermeister. Ist er ein Vorbild für Sie? Marco Müllers: Ja, mein Vater hat für Sachen gebrannt, die ihn wirklich interessiert haben. Ich schätze ihn dafür, dass es ihm um Sachpolitik ging. Nicht einfach nur um eine Parteilinie der FDP, in den 70ern war er im Übrigen in Detmold noch Mitglied der SPD. Dort existieren auch noch viele Fotos mit Willy Brand! Sie waren aber nie in der Politik aktiv? Marco Müllers: Nein, ich habe mich ehrenamtlich im Sport engagiert. Ich bin seit über 20 Jahren Leichtathletik-Trainer im Leistungssport. Ich möchte in der Nachfolge von Jörg Bierwirth das Amt parteilos weiterführen. Ich glaube, dass die Führungsposition vollkommen frei von irgendwelchen ideologischen Ansätzen sein sollte, um in letzter Konsequenz mit jedem sprechen zu können, aber natürlich auch, um in gewissen Bereichen eindeutig seine Meinung sagen zu können. Sie sprachen anfangs den Leerstand an. Wie würden Sie diesen angehen? Marco Müllers: In vielen Häusern möchten die Leute die Wohnungen offensichtlich gar nicht mehr vermieten, vielleicht haben sie schlechte Erfahrungen mit Mietern gemacht. Da müssen wir ins Gespräch gehen. Was wäre da Ihr Lösungsansatz? Marco Müllers: Ich könnte mir ein Ferienwohnungskonzept, wie es in Schwalenberg umgesetzt wurde, vorstellen. Vielleicht können sich manche keine dauerhaften Mieter, jedoch Feriengäste vorstellen. Bei gut ausgebauten Fahrradwegen, die wir ja schon haben, würden Touristen, die mit dem E-Bike unterwegs sind, bestimmt auch Ferienwohnungen in den Ortsteilen mieten. Kommen wir zum Thema Finanzen. Die lassen aktuell kaum Gestaltungsspielraum zu. Wie möchten Sie das ändern? Marco Müllers: Aus dem reinen Verwaltungshandeln müssen wir wieder dahin kommen, dass wir eine Idee entwickeln, wie wir zu Wachstum kommen können. Wachstum, was die Einwohnerzahl angeht, und Wachstum, was die Einnahmen angeht. Und wie? Marco Müllers: Auf den Tourismus setzen. Wir müssen eine attraktive Insel aus Tourismus und Gastronomie aufbauen, die für unsere eigenen Leute eine lebenswerte Stadt darstellt und auch Gäste anlockt. Erst wenn ich es hinbekomme, die Stadt attraktiv zu machen, ziehen die Menschen hier her. Und auch Unternehmen. Erst das kann uns zu Wachstum führen. Und dann haben wir gegebenenfalls mal wieder Spielraum in den Finanzen. Müsste man an irgendeiner Stelle freiwillige Leistungen streichen? Marco Müllers: Wir haben ja ohnehin schon so gut wie gar nichts. Ich bin ja einer, der jetzt im Moment sogar sagen würde, dass wir in gewisse Dinge mal wieder ein bisschen investieren müssten, sodass die Bürger auch sehen, dass die Stadt etwas tut. Worin investieren? Marco Müllers: Ich nehme jetzt einfach mal die kleine Sportanlage oben an der Grundschule in Schwalenberg als Beispiel. Die Anlage ist in einem Zustand, da wird niemand Sport treiben. Wenn wir diese kleine Anlage in Schuss bringen würden, glaube ich nicht, dass es uns finanziell vollkommen in den Ruin treiben würde. Der Lippe-Check hat gezeigt, dass sich die Schieder-Schwalenberger, um die Gesundheitsversorgung vor Ort sorgen. Sehen Sie da auch das größte Problem? Marco Müllers: In meinem Flyer steht die Gesundheitsvorsorge an erster Position. Es ist mir auch eine Herzensangelegenheit. Ich glaube nur, dass das, was in letzter Zeit alles angedacht worden ist, nicht den richtigen Lösungsansatz bietet. Die Kommunen scheinen in einen Bieterwettstreit einsteigen zu wollen. In letzter Konsequenz kann es nur mehrere Verlierer geben. Was wäre Ihr Vorschlag? Marco Müllers: Wir müssen einen kommunalübergreifenden Lösungsansatz suchen. Außerdem müssen wir auf die angehenden Ärzte zugehen und sie fragen, was wir Ihnen bieten müssten. Zum Beispiel ein medizinisches Versorgungszentrum und sie dann an der Planung teilhaben lassen. Persönlich Marco Müllers ist 52 Jahre alt und wohnt mit seiner Lebensgefährtin, die zwei erwachsene Kinder hat, in Schieder. Er ist Diplom-Finanzwirt und arbeitet beim Finanzamt in Detmold, aktuell in der Betriebsprüfung. Seit mehr als 20 Jahren ist er ehrenamtlich als Leichtathletik-Trainer im Leistungssport der LG-Lippe-Süd aktiv.