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Paderborn

Auf virtuellen Straßen zum Führerschein

Paderborner Fahrlehrer bereitet Schüler per Videosystem auf die Prüfung vor

x-default - © Marc Köppelmann
x-default (© Marc Köppelmann)

Paderborn. Stoppschilder, rote Ampeln, durchgezogene Linien: Für Fahrschüler können sie schnell zur Falle werden, die der Führerscheinprüfung ein jähes Ende bereitet. "Das möchte ich verhindern", sagt Fahrlehrer Udo Ringhoff aus Paderborn.

Deswegen bietet er seit kurzem eine Neuheit an. Die sogenannte Driverscam, mit deren Hilfe sich Fahrschüler bestimmte Ecken von Paderborns Straßen am Computer oder auf dem Handy ganz genau ansehen können.

30 Stellen, an denen es nicht nur für Neulinge brenzlig werden kann, sind Ringhoff und sein Herforder Kollege Dennis Knollmann in jüngster Vergangenheit abgefahren. Dabei haben sie verschiedene Verkehrssituationen gefilmt.

"Zum Beispiel das Einfädeln auf die B 64, wenn man aus Richtung Uni kommt, oder den Fahrstreifenwechsel am Westerntor", sagt Ringhoff. Straßen des Riemekeviertels, das für seine Einbahnstraßen und Rechts-vor-links-Verkehr bekannt ist, hat er ebenso aufgezeichnet wie die Ampelanlage am Grünen Weg, an der Fahrschüler nicht selten den Grünpfeil übersehen.

All diese Kurzfilme, die mit erklärendem Text unterlegt sind, lädt Ringhoff in das Fahrschul-Videosystem. Anschließend können sich seine Schüler die verschiedenen Situationen ganz in Ruhe und so oft sie wollen zu Hause am Computer oder auf dem Smartphone ansehen. Denn während der normalen Praxisstunden bleibe meist gar nicht genügend Zeit, die vielen Erklärungen des Fahrlehrers zu verarbeiten, meint Ringhoff. "Hat sich eine Situation geklärt, wartet schon die nächste."

Wer möchte, kann auch seine eigene Fahrstunde filmen lassen. Denn wer sich selbst beim Fahren sehe, erkenne viel schneller seine Fehler. Ringhoff: "So müssen Situationen nicht zehnmal erklärt werden, bis sie auch wirklich verstanden worden sind."

Der 46-Jährige ist überzeugt, dass seine Fahrschüler dank der Driverscam viel entspannter in die Prüfung gehen und ihre Nerven ihnen seltener einen Streich spielen werden. "Ich verspreche mir tatsächlich, dass weniger Prüflinge durchfallen", sagt Ringhoff. Im Schnitt benötigen seine Kunden rund 30 Stunden, bis sie den heiß geliebten Führerschein in den Händen halten. Kostenpunkt: etwa 1.500 Euro. "Es ist dann schon ärgerlich, wenn man die Prüfung nicht besteht", sagt der Fahrlehrer, der seit 17 Jahren auf dem Beifahrersitz Platz nimmt und dabei schon so manches erlebt hat. Nur ein Beispiel: "Die sichersten Schüler können totale Prüfungsangst bekommen und wollen dann auf einmal über Rot fahren – was wir aber natürlich verhindern."

Das Driverscam-System wird von Ringhoff fortwährend aktualisiert. Auch Baustellen wie aktuell an der Nordstraße sind abgebildet. "Wenn Schüler sich an einer bestimmten Stelle besonders schwer tun, filme ich dort auch. So bleibt das System immer up to date", sagt Ringhoff.

75 Euro kostet das Programm inklusive Theoriefragebögen und virtuellen Prüfungssituationen, die längst dazugehören. Doch Achtung: Den theoretischen Unterricht ersetzt es nicht.

Immerhin könnte Driverscam aber dafür sorgen, dass sich der Anteil der Praxisstunden für den Einzelnen nicht unnötig erhöht. Darauf dürften auch die Führerschein-Anwärter hoffen, die sich in den vergangenen Wochen bei Ringhoff angemeldet haben. Denn sie alle haben sich für das Programm entschieden.

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