Beverungen. Das Ansehen des größten Automobilclubs Deutschlands war vor zwei Jahren erheblich ins Wanken geraten. Mauscheleien und Skandale waren aufgedeckt worden. Nun sei die Talsohle durchschritten, das Vertrauen der Mitglieder und der Öffentlichkeit kehre zurück, sagte Albert Löhr, Vorsitzender des ADAC-Regionalverbands Ostwestfalen-Lippe. Bei der Mitgliederversammlung verkündete er, dass der eingeleitete Reformprozess greift. Nun gelte es, diese Reformen bei der ADAC-Hauptversammlung im Mai in Lübeck auch in der Satzung zu verankern.
Bei der Mitgliederversammlung im östlichsten Ostwestfalen, in Beverungen, machte der Vorstand des Regionalclubs Ostwestfalen-Lippe deutlich, dass er den Reformkurs der Zentrale unterstützt. Entsprechend warb der Vorstand dafür, dass die Delegierten den eingeschlagenen Weg auf der Hauptversammlung mittragen. In der ADAC-Hauptzentrale in München wird man dies mit Wohlgefallen registrieren, nachdem zuletzt der ADAC-Regionalclub Nordrhein öffentlich das Reformpaket angezweifelt hatte.
Kern der Reformen ist das „Drei-Säulen-Modell“. Die erste Säule ist dabei die Vereinstätigkeit für die rund 19 Millionen Mitglieder, in der etwa die Pannenhilfe und weiterer Service für Kraftfahrer sowie der Motorsport untergebracht werden. Es wäre die Rückbesinnung des Autoclubs auf seine Wurzeln als Mitgliedergemeinschaft. Die zweite Säule ist eine vom Verein personell unabhängige Aktiengesellschaft, die die Wirtschaftsaktivitäten verantwortet. Die dritte Säule wird eine Stiftung, in welcher der ADAC seine gemeinnützigen Aktivitäten bündeln will. Die externen Krisenmanager im Beirat unterstützen und loben diesen Kurs.
„Ich bin davon überzeugt, dass der ADAC nur mit diesem Reformpaket vor dem Registergericht in München als Verein erhalten bleiben kann“, betonte Löhr in seinem Rechenschaftsbericht. „Wir sind auf einem guten Weg, dass der ADAC modern, transparent und zukunftssicher aufgestellt sein wird. Die Arbeit ist aber noch nicht beendet.“
Um regeltreues Verhalten zu sichern, hat der ADAC einen Verhaltenskodex eingeführt. Die „Compliance-Regeln“ sollen künftig von allen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern umgesetzt und beachtet werden. Zu dem Kodex gehört auch die klare Trennung zwischen Verbraucherschutz und dem Anbieten eigener Leistungen. „Wir können nicht ein Produkt testen, welches wir selber auch anbieten“, betonte Löhr. So werden zum Beispiel die ADAC-Vertragswerkstätten abgeschafft.
Da zuletzt in öffentlichen Debatten die Fachmeinung des ADAC wieder gefragt sei und auch die Mitgliederzahl steige, sei die Reputation wiederhergestellt, erklärte Löhr.
Im Vorstand des ADAC Ostwestfalen-Lippe sind der Vorstand Sport, Bernd Noltekuhlmann, und der Vorstand für Ortsclubangelegenheiten, Dieter Gösling, einstimmig von der Mitgliederversammlung wiedergewählt worden.