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Neues Konzept für ehemalige Defensionskaserne in Minden

Minden. Ein in blutrotes Licht getauchter Raum führt dem Besucher die kriegerische Seite Preußens vor Augen. Er steht auf einem Glasboden, darunter tausende Zinnsoldaten in Kriegs- und Friedenszeiten. Es sind eingängige Raumbilder wie dieses, die den Beirat des LWL-Preußenmuseums überzeugt haben.

Das in Minden öffentlich vorgestellte Konzept stammt von Jakob Blazejczak, Lukas Kesler und Anne Kummetz, drei Studierenden des Fachbereichs Bühnenbild/Szenischer Raum an der Technischen Universität Berlin. Dort hatten fünf Arbeitsgruppen unter der Anleitung ihrer Dozenten Gerhard Kilger und Johann Jörg ein Konzept für die neue Dauerausstellung des Museums in der ehemaligen Defensionskaserne. Grundlage waren mehrere Workshops, in denen Carsten Reuß, Leiter des LWL-Preußenmuseums, den Studenten den historischen Rahmen umrissen hatte.

Die Neuausrichtung war nötig geworden, weil mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe ein neuer Träger das Haus übernommen hat. Ursprünglich war der Standort Minden des Preußen-Museums NRW, mit einem zweiten Standbein in Wesel, von einer Stiftung getragen worden. Doch mit der Finanzkrise brachen die Zinseinnahmen ein, die beiden Standorte rutschten in die roten Zahlen. Nach langer Debatte übernahm schließlich der LWL am 1. März 2016 das Preußen-Museum Minden, das Haus in Wesel wird vom Landschaftsverband Rheinland geführt.

Die alte Dauerausstellung, die sich über das komplette Obergeschoss der Defensionskaserne zog und mit vielen Erläuterungstexten einen umfassenden Überblick über die preußische Geschichte bot, aber in den letzten Jahren damit kaum noch Besucher gewinnen konnte, ist mittlerweile abgebaut. Deutlich kompakter will der LWL künftig in das Thema einführen. Die neue Dauerausstellung wird im Erdgeschoss des rechten Gebäudeflügels untergebracht, der bis zur Schließung für Sonderausstellungen genutzt wurde.

Der favorisierte Entwurf, für den sich Vertreter von LWL, Preußenmuseum und Fördergesellschaft ausgesprochen haben, schlage aus der Vergangenheit heraus eine Brücke ins Heute, lobte LWL-Kulturdezernentin Barbara Rüschoff-Parzinger. Die emotionale Herangehensweise hatte sich knapp gegen einen Entwurf durchgesetzt, der die Besucher zum Mitmachen anregen sollte und ein Whats-App-Spiel mit dem Titel „Wer bin ich?" enthält.

In einem weiteren Entwurf ist Migration das Leitthema, im Zentrum jedes Raumes steht ein inszeniertes Exponat. Ein dritter Vorschlag weist jedem Besucher eine preußische Identität zu, aus der heraus er Fragen beantworten soll. Der fünfte Entwurf schließlich zieht seinen Reiz aus der Verbindung von historischen und zeitgenössischen Elementen. 2019 soll das neue LWL-Preußenmuseum seine Türen öffnen.

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