Bielefeld. Etwa sechs Millionen Einkaufswagen sind täglich in Deutschland im Einsatz. Und gut 100.000 Stück kommen jedes Jahr abhanden. Einige Supermärkte rüstet jetzt technisch auf, um die Wagen zu sichern, darunter ein Lidl-Markt in Bielefeld.
Frank Host, Leiter des Forschungsbereichs Inventurdifferenzen beim EHI Retail Institute in Köln, beobachtet die Entwicklung: „Die Schwundrate liegt bei gut 2 Prozent jährlich, also rund 100.000 Einkaufswagen." Ein Einkaufswagen kostet in der Regel zwischen 120 und 200 Euro, daraus errechnen sich rund 15 Millionen Euro Schaden, die den Handel im Jahr treffen. Denn er muss die Wagen reihenweise ersetzen.
Auch in OWL ist das Problem bekannt. Miriam Pöttker, Sprecherin von Edeka Minden-Hannover, sagt, dass es „immer wieder Situationen gibt, in denen herrenlose Einkaufswagen gemeldet werden, die gefunden wurden." Ganz ähnlich sieht es bei Real und Aldi Nord aus. Zahlen, wie oft das passiert, nennen die Unternehmen nicht.
Aber weshalb werden Einkaufswagen immer wieder von den Geländen der Händler geschoben? „Ich gehe davon aus, dass es meist aus Transportgründen ist, die Kunden damit also ihre Einkäufe nach Hause bringen wollen", sagt Frank Horst. „Und manch einer nutzt sie wohl auch für Umzüge." Letztendlich aber kämen die meisten Wagen wieder zurück. Die Absicht, die Wagen zum Altmetallhändler zu bringen, sieht Horst nicht als vorrangigen Grund: „So ein Wagen hat einen Schrottwert von vielleicht 2 bis 3 Euro. Das müssten sehr große Mengen sein, damit sich das lohnt."
Zur Anzeige gebracht werden nur die wenigsten Entwendungen von Einkaufswagen. Laut der Polizei in Paderborn kommt das quasi gar nicht vor. Und solch eine Entwendung als Diebstahl nachzuweisen, sei auch schwierig. „Ein Merkmal des Diebstahls ist, dass jemand den entwendeten Gegenstand auch behalten will", sagt ein Sprecher.
Auch wenn sie die Verluste nicht konkret erfassen, wollen sich doch einige Unternehmen künftig davor schützen.
Helfen können dabei Sicherungssysteme. Den Einsatz solcher Technik prüft Aldi Nord. Lidl setzt bereits in vereinzelten Filialen auf Systeme, um Einkaufswagen zu sichern. Unter anderem in einer gerade umgebauten Filiale in Bielefeld ist eine Technik im Einsatz, die beim Verlassen des Geländes die Bremsen auslöst. Der Wagen lässt sich nicht mehr weiter schieben. Ein Mitarbeiter muss die Räder wieder freigeben. Ausgelöst wird die Blockade per Magnet oder per Funk.