Deutschlands Schnellbus-Revolution kommt aus dem Kreis Paderborn

Jens Reddeker

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Think pink: Die beiden Pinkbus-Gründer Christian Höber (2. v. l.) und Tino Engelmann (2. v r.), Busunternehmer Hugo Zander (r.) und Fahrer Peter Horn. - © Jens Reddeker
Think pink: Die beiden Pinkbus-Gründer Christian Höber (2. v. l.) und Tino Engelmann (2. v r.), Busunternehmer Hugo Zander (r.) und Fahrer Peter Horn. (© Jens Reddeker)

Delbrück-Lippling. Zwei Freunde aus dem Kreis Paderborn mischen seit dem 1. Juli den deutschen Fernbusmarkt auf. Mit Express-Verbindungen wollen der Lipplinger Christian Höber (32) und der in Salzkotten aufgewachsene Tino Engelmann (33) dem Platzhirsch Flixbus die Rücklichter zeigen.

Ihr Unternehmen Pinkbus setzt auf Direktverbindungen zwischen Metropolen zum Festpreis von 25 Euro. Die pinkfarbenen Busse fahren seit Juli zwischen Düsseldorf, Berlin und München. „Bei uns gibt es keine Zwischenstopps, Fahrzeiten sind berechenbar", sagt Höber, dessen Vater ein Busunternehmen in Lippling betreibt. Berechenbar sind auch die Preise. Anders als bei Bahn, Flixbus oder dem neuen Konkurrenzen Blablabus richten sich Tickets nicht nach Angebot und Nachfrage – jede Strecke kostet 25 Euro.

Eine Flotte aus Doppeldeckerbussen

„Wir können unsere Plätze 30 Prozent günstiger anbieten als Wettbewerber", sagt Höber mit Blick auf Flixbus. Der Grund: Pinkbus setzt auf eine einheitliche Flotte aus größeren Doppeldeckerbussen. Flixbus fährt mehrheitlich mit Eindeckern. Die neuen Euro-6-Neoplan-Doppeldecker verbrauchen 23 bis 25 Liter Diesel und sorgen für eine gute Umweltbilanz der Schnellbusse.

Oberdeck mit Panorama: Der Doppeldecker kann maximal 77 Passagiere aufnehmen. Deutsche Fernbusse haben zuletzt jährlich rund 24 Millionen Fahrgäste befördert. - © Jens Reddeker
Oberdeck mit Panorama: Der Doppeldecker kann maximal 77 Passagiere aufnehmen. Deutsche Fernbusse haben zuletzt jährlich rund 24 Millionen Fahrgäste befördert. (© Jens Reddeker)

77 Plätze stehen zur Verfügung (oder 73 plus zwei Rollstuhlplätze) – ab einer Auslastung von 50 Prozent fährt ein Bus kostendeckend, verraten die Gründer. „Unser Ziel sind 70 Prozent Auslastung", gibt Tino Engelmann als Richtung vor. „Wir müssen nun die Marke bekannter machen", sieht Höber als dringendste Aufgabe des 18-köpfigen Pinkbusteams, dessen Fäden in der Firmenzentrale im Kölner Mediapark zusammenlaufen. Werbung in Social-Media-Kanälen verschlingt Geld, beim Elektromusik-Festival Parookaville in Weezewurden alle Shuttlebusse mit Werbematerial gespickt und an den Hochschulen der Zielorte wurden – ganz offline – Flyer verteilt. „Studenten sind Zielgruppe Nummer eins", sagt Höber.

Das sind die beliebtesten Plätze

Aber auch ältere Semester nutzen gerne Fernbusse. Pinkbus-Fahrer Peter Horn (57) weiß: „Senioren mögen besonders die Qualität der Busse." Der Beinabstand beträgt 78 Zentimeter, an jedem Platz sind eine Steckdose und USB-Stecker greifbar. Wlan gibt’s sowieso. Besonders beliebt sind Plätze mit Panoramablick vorne im Oberdeck und unten die Sitze mit Tisch. „Da wir immer identische Busse fahren, können Plätze reserviert werden", erklärt Höber.

Ablagefläche: In den Bussen sind auch acht Sitze an Tischen reservierbar. - © Jens Reddeker
Ablagefläche: In den Bussen sind auch acht Sitze an Tischen reservierbar. (© Jens Reddeker)

Derzeit existieren sieben Pinkbusse – sie alle wurden vom Delbrücker Werbespezialisten Neumann mit der auffälligen Farbe beklebt. Die Fahrzeuge gehören Busunternehmern wie Hugo Zander aus Rietberg-Varensell, Höbers Vater und zwei Betrieben aus Lippetal und Xanten. Diese Unternehmen haben die Fahrzeuge (Listenpreis 500.000 Euro) angeschafft und tragen das Hauptrisiko des Start-Ups. Immerhin kassieren sie auch den größten Teil der Ticketerlöse, müssen aber einen Prozentsatz an Pinkbus abführen. Die vier aktuellen Partnerunternehmen sind darüber hinaus an Pinkbus beteiligt.

Höber und Engelmann wollen in Pink weiter durchstarten. Zunächst soll eine neue Finanzierungsrunde mit Investoren eine Millionensumme erbringen. Mit dem Geld kann eine Smartphone-App entstehen und neue Ziele sind in Planung. Die Pinkbusflotte soll noch in diesem Jahr Hamburg ansteuern, ab 2020 Frankfurt, Stuttgart und Köln. Noch steht OWL nicht auf der Agenda, doch Bielefeld und Paderborn haben die Pinkbus-Gründer bereits im Auge.

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