Bielefeld. Genauer und kindgerechter sollen sie sein, die neuen Lolli-Tests, die jetzt schon seit gut einer Woche in der Notbetreuung, und ab kommender Woche in allen Klassen, an Grund- und Förderschulen eingesetzt werden. Die Speichelproben, die gesammelt und im Pool nach der PCR-Methode analysiert werden, sorgen in der Praxis aber auch für Frust und Unverständnis.
„Wie unsinnig ist das denn, wenn die Kinder nach der Probe erst mal noch gemeinsam den ganzen Tag hier verbringen, bevor dann das Ergebnis kommt?", fragt eine OGS-Betreuerin einer Bielefelder Grundschule, in der ein Pool-Test einer Notbetreuungsgruppe jetzt positiv war. Vor allem mit den Erst- und Zweitklässlern, die teilweise von 8 bis 16 Uhr in der Schule sind, sei die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln einfach gar nicht konsequent möglich. Müssten dann nicht sowieso alle Kinder der Gruppe in Quarantäne?
Nicht unbedingt, heißt es vom Gesundheitsamt. „Sollte die Gesamtprobe des Lolli-Tests positiv sein, werden bei den Schülern einzelne PCR-Tests vorgenommen", sagt Norbert Wörmann, Leiter der Abteilung Corona. Dafür haben die Kinder alle einen entsprechenden Lolli-Test mit nach Hause bekommen. Die Probe muss dann am anderen Morgen zur Schule gebracht werden. Dort wird sie von einem Kurier abgeholt und zur Auswertung ins Labor gebracht, beispielsweise nach Leverkusen oder Bad Oeynhausen.
„Bis zum Vorliegen des Ergebnisses bleibt die gesamte Gruppe in häuslicher Isolation", sagt Wörmann. Sollte dieser PCR-Test bei einem oder gar mehreren Schülern positiv ausfallen, dann setze die normale Kontaktnachverfolgung des Teams Kita/Schule ein: Die Kontakte werden anhand von Sitzplänen und Befragungen von Lehrkräften, OGS-Mitarbeitern und Kriterien wie Lüftungs- und Maskensituation ermittelt. „Nicht relevante Kontakte können in den Präsenzunterricht zurückkehren, für die anderen wird eine Quarantäne ausgesprochen", sagt Wörmann.
„Bisher wissen wir immer noch nicht, wer positiv war"
Im aufgetretenen Fall ist das allerdings komplizierter: „Bisher wissen wir immer noch nicht, wer positiv war", berichtet die Schulleiterin. Vier oder fünf Kinder hätten das Ergebnis ihres zuhause gemachten PCR-Tests nicht wie die anderen am Abend erhalten, sondern würden immer noch darauf warten.
Das Gesundheitsamt habe sich jetzt wegen der Kontaktverfolgung gemeldet. Könne aber eben da noch gar nicht loslegen, weil noch nicht feststeht, welches Kind oder welche Kinder positiv seien. Die anderen, die möglicherweise aufgrund der Nachverfolgung dann noch in Quarantäne müssten, seien aktuell aufgrund ihres eigenen negativen PCR-Tests und der Vorgaben des Landes dazu schon wieder in der Schule.
Der Kreis Minden handhabt das strenger: Sobald eine Sammelprobe positiv ist, müssen alle Kinder der betroffenen Lerngruppe für zwei Wochen in Quarantäne, wenn sie zum Beispiel am Tag der Testung länger als 90 Minuten gemeinsam im Klassenraum waren, bestätigt Hans-Joerg Deichholz, Gesundheitsdezernent des Kreises.
Aber nicht nur mit den neuen Lolli-Tests, auch mit den zuvor durchgeführten Nasenstäbchen-Schnelltests sei nicht immer alles einfach, ergänzt die Bielefelder Schulleiterin. Zwar sei das Ergebnis nach etwa 15 Minuten sichtbar, aber eben auch längst nicht so genau. Auch da gab's an der Schule kürzlich einen Positivfall. Das Gesundheitsamt habe bei der Kontaktnachverfolgung dann geschaut, welche Kontakte die Kinder vier Tage zuvor in der Schule hatten.
So mussten dann auch einige Kinder in Quarantäne. Die Stadt veröffentlicht einmal in der Woche eine Übersicht über aktuelle Quarantänefälle in Kitas und Schulen. Dort ist aktuell noch aufgrund der bundesweiten Notbremse Notbetreuung angesagt. In Kitas sind immer noch bis zu 90 Prozent der Kinder da. Am 14. Mai meldete die Stadt dort 127 Quarantänefälle, außerdem 77 in Bielefelder Schulen.