Willebadessen. Die Anzahl der aktuell an Covid-19 Erkrankten sinkt weiter: 59 Infektionen wies am Freitag die Statistik des Kreisgesundheitsamtes für das Willebadessener Stadtgebiet aus. Der Wert der Stadtinzidenz liegt bei 97,45. Vor einer Woche hatte der Wert noch bei knapp 500 gelegen. Innerhalb der Kommune war die Ortschaft Willebadessen stark vom Ausbruch der Infektionen betroffen. Ausgehend von Reiserückkehrern waren vor vier Wochen genehmigte Veranstaltungen wie Hochzeiten und Gottesdienste trotz Hygienekonzepten zu Plätzen erhöhter Ausbreitung geworden. Die Infektionsketten hatten sich besonders unter der Evangeliums-Christen-Baptistengemeinde gezeigt. Was zu heftigem Unmut unter den Bürgern der Stadt geführt hatte. Wüsten Beschimpfungen, Drohmails und -anrufen wütender Bürger hatten sich Bürgermeister und Kirchenleitung gleichermaßen erwehren müssen. „Die Einschnitte haben uns schon weh getan" Zu jeder Zeit habe die Gemeinde das Hygienekonzept an die jeweils gültigen Coronaschutzregeln angepasst, abgestimmt jeweils mit dem Ordnungs- und Kreisgesundheitsamt, sagt Andreas Rempel, Diakon und Vorstandsmitglied in der Gemeinde. Denn in der Ausübung des Glaubens sei der Gottesdienst wichtig. „Die Einschnitte haben uns schon weh getan", bemerkt Rempel und berichtet von begrenzten Besucherzahlen, hochgeklappten Kirchenbänken, um geforderte Abstände einzuhalten, und geführten Listen. Auch sei seitens der Verwaltung mehrfach kontrolliert worden, hält er fest. Dass nur ein Teil der Gläubigen die Gottesdienste besuchen konnten, schmerze. Doch wolle die Gemeinde auch niemand in Gefahr bringen. Rund 1.200 Plätze umfasse das Bethaus am Gänsebruch, „davon waren aber immer nur ein Viertel oder ein Drittel besetzt". Da bleibe genügend Luft und auch genügend Gelegenheit zum Lüften. „Zudem werden von uns auch Online-Gottesdienste angeboten." Was sich dann aber daraus entwickelte Bereits zu Beginn des Jahres seien in Willebadessen viele Familien von einer Infektion betroffen gewesen, erinnert Rempel. „Obwohl wir zu der Zeit keine Präsentgottesdienste hatten." Dass der Ausbruch im August nun in der Stadt so hohe Wellen geschlagen habe, verstehe er, auch die Angst, die damit verbunden sei. „In der Kirche haben sich aber nur einzelne mit dem Virus infiziert. Vielmehr hat sich das Virus in den Familien nach und nach verbreitet." Das folgende Ausmaß an hundertfach verhängten Quarantänen habe in der Bevölkerung das Gefühl erweckt, „dass die gesamte Gemeinde erkrankt sei", gibt Rempel wieder. „Es waren sehr viele Familien negativ und wurden auch nach einem PCR-Test nicht aus der Quarantäne gelassen." Dabei hätten sich die tatsächlichen Infektionsfälle auf einige Großfamilien und deren private Kontakte beschränkt. Was sich dann aber daraus entwickelt habe, bedauere er sehr. Die Stadt sei in eine Situation geraten, „in der wir und mit der wir alle überfordert waren und das nicht nur wir, sondern auch die Ämter", bemerkt Rempel. Menschen, die mit dem Spruch „Das sind die Ungeimpften" mit dem Finger auf andere zeigen, empfindet der Diakon als diskriminierend. Die Gemeinde habe bis jetzt in der Frage der Covid-19-Impfungen weder ein Verbot, noch eine Empfehlung abgeben. „Sich impfen zu lassen, ist eine Entscheidung, die jeder Einzelne für sich treffen muss", sagt Diakon Rempel. "Dass es Regeln gibt, finden nicht alle gut" In der Ortschaft sei es aufgrund der in großer Masse angeordneten und freiwillig eingehaltener Quarantäne schon merklich ruhiger geworden, schildert Mario Schmidt seinen persönlichen Eindruck aus den vergangenen Wochen. Doch komme das öffentliche Leben auf den Straßen und in den Läden nun langsam wieder in Fahrt, sagt der Vorsitzende des Bezirksausschusses. Von den verstärkt aufkeimenden gegenseitigen Ressentiments innerhalb der Bürgerschaft zeigt sich Schmidt allerdings erschrocken. Er hoffe, dass Willebadessen mehr und mehr zu einem Ort des Miteinanders werde. „Die Zahlen haben sich deutlich verbessert", sagt Bürgermeister Norbert Hofnagel, „und werden in den kommenden Tagen weiter fallen". Nach Auskunft örtlicher Ärzte sei die Anzahl der Geimpften leicht angestiegen. Allerdings seien, trotz der faktischen Entwicklung, die „hitzig geführten Diskussionen" noch nicht abgeflaut. Zwischen Geimpften und Ungeimpften gebe es tiefe Gräben. „Und dass es Regeln gibt, finden auch nicht alle gut." Weit abseits des Normalen: Die vergangenen Wochen seien schon sehr belastend gewesen. Die Baptisten-Gemeinde hat ein weiteres Hygiene-Konzept vorgelegt, „das aktuell geprüft wird und über das mit der Gemeindeleitung gesprochen wird", meldet der Rathaus-Chef. Diakon Andreas Rempel spricht von erweiterten Abständen als Beispiel. „Wir tun alles, damit sich keine Infektionen ereignen", sagt er.