Bielefelder Tierheim-Mitarbeiter entsetzt: Gesunder Hund soll eingeschläfert werden

Alexandra Buck

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Selbst die leiderprobten Mitarbeiter des Tierheims staunen manchmal noch. - © Symbolfoto: Inga Kjer/dpa
Selbst die leiderprobten Mitarbeiter des Tierheims staunen manchmal noch. (© Symbolfoto: Inga Kjer/dpa)

Bielefeld. Keine Lust mehr auf den Hund? Dann gibt es mannigfaltige Möglichkeiten. Menschen binden ungewollte Hunde an Raststätten an, stellen sie vorm Tierheim ab oder versuchen einfach, sie einschläfern zu lassen. Jüngst tatsächlich geschehen in einer Tierklinik.

Maik. - © Tierheim
Maik. (© Tierheim)

Als die Tierärzte sich weigern, den kleinen Maik einzuschläfern, ist der Ärger groß. Doch das Tier ist vollkommen gesund und es besteht schlicht kein Grund, Maik zu erlösen. Also beschließen die Besitzer, den Hund einfach in der Tierklinik zu lassen.

Von dort ging es dann in das Bielefelder Tierheim, wo man angesichts der unglaublichen Geschichte staunte. Und Maik ist nicht allein mit seinem traurigen Schicksal: Wir stellen hier sieben Hunde vor, die seit viel zu langer Zeit oder erst ganz kurz im Bielefelder Tierheim sitzen und dringend ein Zuhause brauchen.

Maik, der eingeschläfert werden sollte

Maik ist ein vier Jahre alter Pekinese, er sitzt seit Juli im Tierheim Bielefeld. Die Besitzer standen Ende Juli in einer Tierklinik mit dem Ansinnen, den Hund einschläfern zu lassen. Dazu gab es aus medizinischer Sicht keinerlei Grund - und da die Besitzer nicht bereit waren, den Hund wieder mitzunehmen, informierte die Tierklinik das Tierheim Bielefeld.

Maik wurde am nächsten Tag aus der Tierklinik abgeholt. Er war sehr verstört und aus Angst extrem aggressiv. Eine Annäherung gelang zunächst nicht, da der Hund sofort massiv in die Verteidigung ging und angriff, wie es im Beschreibungstext des Tierheims heißt. Inzwischen sind einige Wochen vergangen.

Dank einer Tierpflegerin, die sich von Anfang an sachkundig und liebevoll um ihn bemühte, sei Maik heute kaum wiederzuerkennen. Zu ihr habe er Vertrauen gefasst und ließe sich inzwischen gerne streicheln. "Wie groß seine Frustrationstoleranz im engen Zusammenleben ist, können wir aber noch nicht einschätzen. Klar ist jedoch, Maik ist kein Anfängerhund, er mag keine Männer und er hasst Tierärzte."

Mit Artgenossen sei der Kleine sehr gut verträglich und auf Spaziergängen sei er flott und begeistert unterwegs. "Eine mögliche Interessentin sollte bereit sein, zunächst mehrere Male zu kommen und eine stufenweise Eingliederung in sein zukünftiges Zuhause zu planen."

Majo. - © Tierheim
Majo. (© Tierheim)

Majo lebt schon sein ganzes Leben lang im Tierheim

Majo ist ein achtjähriger, griechischer Straßenmischling, der seit September 2020, aber eigentlich schon sein ganzes Leben lang im Tierheim sitzt. Aus Griechenland nach Deutschland vermittelt zum Wanderpokal geworden, ist Majo vom Leben gezeichnet. "Er kann die Falschheit der Menschen nicht mehr ertragen, unsichere Menschen, die ihn anstarren, mit dem Finger auf seinen Stempel auf dem Kopf zeigen, davon hat er genug."

Sein Futter erkämpfe er sich, wortwörtlich. "Zu einer starken Futteraggression kommt eine Territorialität und Schutztrieb. Ein Hund mit Special Effects, wie er im Buche steht... wer will so was schon?" Aber Majo habe zwei Gesichter: "Hat er eine klare Führung, einen Menschen der es ehrlich meint, ist er anders. Anschmiegsam, verspielt, nett, er teilt sein Essen, er teilt sein Bett. Aber eben nur mit diesem einen Menschen. Und dieses Vertrauen zu ihm, das kriegt man eben nicht geschenkt."

"Majo sollte nicht zu kleinen Kindern. Mit Hündinnen ist er sehr verträglich. Er würde sich sehr über einen eingezäunten Garten freuen. Die Möglichkeit, ihn bei Besuch zu separieren oder einen Maulkorb anzulegen, sollte selbstverständlich sein."

Tarzan. - © Tierheim
Tarzan. (© Tierheim)

Tarzan wartet auf seine zweite Chance

Tarzan ist ein Boxer-Mischling und sechs Jahre alt. Er wurde im Januar 2020 sichergestellt.

Seit Januar 2020 lebt Tarzan in einer Hundepension im Zwinger, vorher war er Wohnungshund. "Er ist absolut stubenrein und sauber und kann problemlos über einige Stunden allein bleiben. Sehr gerne legt er sich gemütlich entspannt in sein Körbchen und kuschelt sich in seine Decke." Sämtliche Pflegeeinheiten lasse Tarzan sehr entspannt über sich ergehen, alle gesundheitlichen Untersuchungen sind ohne Befund.

"Es ist absolut stressfrei, ihm Fressen und Kauartikel wegzunehmen und anschließend wiederzugeben. Tarzan verhält sich überwiegend unauffällig und ruhig, ist jedoch wachsam, wenn er Geräusche bemerkt; hier schlägt er zuverlässig an." Der Grundgehorsam bei Tarzan sei mit und ohne Leine (dieses nur in eingezäuntem Bereich!) sehr gut ausgebildet und zuverlässig, solange sehr konzentriert mit ihm gearbeitet werde.

"Verliert man seine Aufmerksamkeit oder wird nachlässig in der Arbeit, findet er diese kleinen Schlupflöcher zügig und nutzt sie sofort für seinen eigenen Vorteil aus." Menschen gegenüber sei Tarzan sehr verschmust, liebevoll und absolut zugänglich. Jederzeit sei er für ruhige Streicheleinheiten und auch sehr gerne für Spielereien zu haben. Über die Arbeit auf dem Hundeplatz freue sich Tarzan jedes Mal sehr und sei mit viel Eifer und Freude dabei. "Er mag es sehr, wenn er gefordert wird; braucht aber hundertprozentige Aufmerksamkeit und absolut verlässliche Konsequenz seines Hundehalters."

Anderen Hunden gegenüber sei Tarzan ausnahmslos in abgesichertem Zustand (mit Leine und Maulkorb) zu führen. "Leider wurde er anscheinend in seinem früheren Leben möglicherweise aus purer Unkenntnis positiv bestärkt, andere Hunde zu attackieren, was es ihm aktuell schwer macht, ein geeignetes Zuhause zu finden. Mit einem verlässlichen Menschen an seiner Seite wird sich an diesem Problem sicher arbeiten lassen, es erfordert jedoch einiges an Sachverstand, Beobachtungsgabe, Geduld und Konsequenz."

Aufgrund dieser momentanen Gefährlichkeitseinstufung werde Tarzan nur an Menschen mit entsprechender Sachkunde vermittelt. Je nach Bundesland und Kommune seien weitere zusätzliche Gegebenheiten zu erwarten (erhöhter Steuersatz, spezielle Versicherung, Wesenstest). Hundeanfänger würden mit Tarzan vermutlich überfordert sein, daher werde speziell nach ruhigen, hundeerfahrenen Menschen gesucht, die viel Zeit und Geduld für die weitere Ausbildung des Hundes mitbringen. "Alles in allem ist Tarzan ein Hund, der auf jeden Fall eine ehrliche zweite Chance verdient hat. Wir hoffen die bekommt er auch."

Weitere Infos zu Tarzan gibt es hier: Hundeschule Steinhagen, Maic Horstmann, Tel. 0172/5623554, Ordnungsamt Stadt Bielefeld, Uta Müller-Thomas, Tel. 0521/51-2247

Feira. - © Mike-Dennis Müller / www.mdm.photo
Feira. (© Mike-Dennis Müller / www.mdm.photo)

Feira, die Aufpasserin

Feira ist ein zehn Jahre alter Sheltie-Dackel-Mix. Sie lebt seit über einem Jahr im Tierheim. Die wadenhohe Mischlingshündin hat fünf Jahre bei ihrer Besitzerin gelebt. Sie ist bei vertrauten Menschen sehr anhänglich und verschmust. Fremde Menschen hingegen habe sie schon immer sehr aufgeregt verbellt. Seitdem ihre Besitzerin auf einen Rollstuhl angewiesen war, spitzte sich die Situation zu. Feira sah sich in der Verantwortung, fremde Besucher ließ sie nicht mehr in die Wohnung. "Leider auch nicht den Pflegedienst."

Die Mischlingshündin sei eine ruhige Umgebung gewöhnt. Sie kenne keine Kinder und sei am ehesten für eine hundeerfahrene Einzelperson geeignet. Diese sollte bevorzugt weiblich sein. Feira fährt gerne Auto und bleibt zwei bis drei Stunden allein. "Mit Artgenossen ist sie grundsätzlich verträglich, Kleintiere und Katzen sollten allerdings nicht im neuen Zuhause sein."

Miko. - © Mike-Dennis Müller / www.mdm.photo
Miko. (© Mike-Dennis Müller / www.mdm.photo)

Miko, der Hübsche

Schäferhund-Mix Miko sitzt seit April 2021 im Tierheim und wartet sehnlichst auf ein neues Zuhause. "Bevor der hübsche Bursche zu uns kam, saß er bereits geraume Zeit in einem befreundeten Tierheim. Dort wurde der Umgang mit ihm zunehmend schwieriger, weshalb man sich entschied, dass ihm ein Tapetenwechsel gut tun würde."

In Bielefeld zeige Miko sich mit seinen Bezugspersonen anhänglich, verspielt und verschmust. "Er möchte gefallen und am liebsten immer dabei sein. Bis Miko sein Herz allerdings vergeben hat und er voll vertrauen kann, dauert es etwas. Diese Beziehung muss mit Respekt und Verständnis aufgebaut werden - dann hat man einen wahren Freund an seiner Seite."

Mit Artgenossen sei Miko verträglich, möchte im engen Zusammenleben aber gern Einzelhund sein. Mittlerweile habe sich auch herausgestellt, dass Miko im neuen Zuhause nur eine Bezugsperson akzeptiert. "Vertrauen und ritualisierte Abläufe sind für ihn sehr wichtig. Bei Besuch muss es möglich sein, Miko zu separieren."

Da er länger brauche, um engeren Körperkontakt und medizinische Untersuchungen zuzulassen, sei er an das Tragen eines Maulkorbes gewöhnt. Diesen trage er auch auf Spaziergängen.

"Für Miko suchen wir einen klaren, hundeerfahrenen Menschen, der Lust auf einen treuen Begleiter hat und die weitere Arbeit mit ihm nicht scheut. Denn es wird sich lohnen!"

Johnny. - © Mike-Dennis Müller / www.mdm.photo
Johnny. (© Mike-Dennis Müller / www.mdm.photo)

Johnny, der kleine Löwe

Der achtjährige Dackelmischling Johnny wurde Ende August 2021 im Tierheim abgegeben, weil seine Besitzer mit dem Hund überfordert waren. Johnny sei zwar klein, aber gefühlt ein Löwe. "In seinem Zuhause hatte er eindeutig die Hosen an und bewachte Spielzeug, Kauartikel, Ein- und Ausgänge und seine Schlafplätze. Auch Besucher schlug er gern in die Flucht."

Der langhaarige, etwas pummelige Rüde zeige sich im Tierheim gegenüber einer Bezugsperson sehr aufgeschlossen, anhänglich und auch lustig. Auffälligkeiten ihr gegenüber gebe es nicht. Bei fremden Menschen, insbesondere Männern, sei seine Toleranzgrenze jedoch gering.

Für Johnny sucht das Tierheim eine hundeerfahrene Einzelperson mit Lust auf Charakter und Herausforderung. Johnny sei mit Artgenossen gut verträglich und auch an Katzen gewöhnt. "Die Gewöhnung an eine Transportbox im Haus könnte sinnvoll sein, um die Bewegungsfreiheit von Besuchern sicherzustellen."

Sky. - © Tierheim
Sky. (© Tierheim)

Die süße Sky

Die junge Malinoishündin Sky wurde bereits eine Woche nach ihrer Anschaffung im Juli 2022 im Tierheim Bielefeld abgegeben, weil ein Kind der Familie allergisch reagiert hatte.

"Sky ist ein sehr anhängliches Hundemädchen, das sich sehr eng an eine Bezugsperson bindet. Schon jetzt sind ihre Intelligenz, ihr Arbeitseifer, ihre Energie und ihr Ehrgeiz deutlich spürbar und sie ist mit gerade einmal 3 Monaten bereits eine starke Persönlichkeit."

Grundsätzlich stelle ein Malinois aufgrund seiner mentalen und körperlichen Fähigkeiten hohe Anforderungen an den jeweiligen Hundeführer. Abwechslungsreiche Aktivitäten, die den Hundekopf fordern, seien genauso wichtig wie körperliche Auslastung und eine umsichtige und konsequente Erziehung. Für Hundeanfänger sei ein Malinois deshalb in der Regel nicht geeignet.

Sky befindet sich derzeit in einer privaten Pflegestelle des Tierschutzvereins. Für kleine Kinder sei sie aufgrund ihrer ruppigen Spielart nicht geeignet. "Für Sky suchen wir Hundefreunde, die bereits über entsprechende Rasseerfahrung verfügen."

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