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Kampf um ein Kind

Gütersloher Chefarzt rettet Verletzte mit schweren Verbrennungen

Gütersloh. Faozia ist acht Jahre alt. Das kleine Mädchen mit den dunklen, kurzen Haaren schaut die Ärzte um sie herum mit großen Augen hat. Sie leidet unter einer schweren Herzmuskelentzündung.

Die dringende Empfehlung im Krankenhaus im Norden ihrer Heimat Kamerun: eine Punktion und Antibiotikabehandlung. So schnell wie möglich.

Doch Faozias Eltern lehnen den Eingriff ab. Sie haben fünf weitere Kinder, hohe Schulden und kein Geld für die lebensnotwendige Medikation. Sie verlassen das Krankenhaus ohne Behandlung. Faozias Leben? In Gefahr.

Zehn Tage lang im Krankenhaus geholfen

Nikolaus von Braunmühl hat das Mädchen kennengelernt. Der Gütersloher ist Chefarzt der Klinik für Plastische-, Ästhetische-, Rekonstruktive und Handchirurgie im Marienhospital Oelde und aufgrund des KHO-Verbunds auch regelmäßig in Gütersloh oder Bielefeld im Einsatz.

Anfang des Jahres war er gemeinsam mit OP-Pfleger Benjamin Schweins in Meskine in Kamerun. Zehn Tage lang hat er dort im Krankenhaus geholfen, Menschenleben zu retten, schwerste Verletzungen zu behandeln und Operationen durchzuführen. Eine Reise, die ihn tief bewegt hat. „Die Dankbarkeit der Menschen ist beeindruckend und unfassbar berührend.“

Fotostrecke: Gütersloher Chefarzt operiert in Afrika

Wichtiges medizinisches Gerät aus Deutschland

Mit im Gepäck hatte das Duo aus OWL zahlreiche in Deutschland ausgemusterte medizinische Produkte, die in Afrika fehlen, hier aber im Müll gelandet wären.

Außerdem hat der Gütersloher dank zahlreicher Spenden im Vorfeld ein wichtiges medizinisches Gerät nach Kamerun transportieren lassen: ein Akku-Dermatom.

Mit dem Schneideinstrument kann eine dünne, gleichmäßige Hautschicht entnommen werden, um damit Wunden aller Art zu decken.

Tiefste Verbrennungen werden über Jahre nicht behandelt

„In Afrika wird noch überwiegend über offenem Feuer gekocht“, berichtet von Braunmühl, „die Rate schwerer Verbrennungen ist extrem hoch. Vor allem bei Kindern.“

Besonders auf den Märkten sei ihm mehrfach aufgefallen, dass Klein- und Kleinstkinder zwischen Grillständen und Töpfen mit siedend heißem Öl hin- und herlaufen.

„In Deutschland ist es kein Problem, solche Verbrennungen zu behandeln. Aber in Afrika haben sie weder die passenden medizinischen Geräte noch ausreichend Medikamente.“ Entsprechend werden auch tiefste Verbrennungen über Monate und Jahre nicht behandelt. Es kommt zu Fehlstellungen an Händen oder Beinen, die oft dazu führen, dass Menschen arbeitsunfähig sind.

Wie ist der Kontakt nach Kamerun zustande gekommen?

Es ist nicht das erste Mal, dass Nikolaus von Braunmühl in Afrika war. Vor vielen Jahren hat er bereits in verschiedenen Busch-Krankenhäusern vor allem in Kenia und Tansania gearbeitet.

Dass es ihn dieses Mal nach Kamerun gezogen hat, liegt an seinem ehemaligen Kollegen Phillipe Miko. Der gebürtige Kameruner hat seine Facharztausbildung zum Allgemein- und Unfallchirurgen in Deutschland gemacht.

Nikolaus von Braunmühl steht seither mit ihm im regelmäßigen Austausch. Die Reise nach Kamerun? Für ihn schon lange eine Herzensangelegenheit.

Achtjähriges Mädchen erleidet plötzlich noch einen Schlaganfall

Als der Gütersloher weit weg von Zuhause zum zweiten Mal auf die achtjährige Faozia trifft, geht es dem Mädchen zunehmend schlechter. Ihre Eltern sind erneut mit ihr ins Krankenhaus gekommen, weil sie nicht weiter wissen.

Faozia hat zusätzlich noch einen Schlaganfall entwickelt. Die Lage ist ernst. Nikolaus von Braunmühl und Kollege Benjamin Schweins übernehmen die Kosten für die Untersuchungen und Behandlungen.

Vor wenigen Tagen erreicht den Gütersloher die Nachricht, dass das kleine Mädchen mittlerweile fieberfrei ist und mit der Physiotherapie begonnen hat.

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Gütersloher ruft besonderes Spendenprojekt ins Leben - 15.000 Euro bereits am Start

„Mir ist bewusst, dass ich mit so einer Reise nicht ganz Afrika helfen kann. Das ist Quatsch. Aber gar nichts zu tun, ist auch keine Lösung“, sagt von Braunmühl. Auch, wenn er jetzt wieder im deutschen Krankenhaus-Alltag eingespannt ist und Afrika weit weg scheint, möchte er die Hilfe nicht abreißen lassen.

Er will wieder dorthin fliegen und auch andere Kollegen ermutigen. Außerdem sammelt er weiter Spenden, um auch finanziell gezielt helfen zu können. Knapp 15.000 Euro sind schon zusammengekommen. Und noch mehr soll folgen.

Der Name des Projekts stand für Nikolaus von Braunmühl übrigens schnell fest. Es konnte nur eine Namensgeberin geben. Diejenige, deren Schicksal den Gütersloher Chefarzt so berührt hat: Faozia. Weitere Infos gibt es direkt bei Nikolaus von Braunmühl: N.Braunmuehl@marienhospital-oelde.de

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