Herford. Noch bis zur berühmten letzten Minute werkeln Handwerker und Baufachleute in dem Gebäudekomplex an der Hochstraße 63 in Herford, unweit der B 239. Inmitten des geordneten Chaos: die beiden Tierärzte Christian Diekmann (37) und Philipp Schledorn (40). Sie haben in der Werrestadt „eines der modernsten Tierärztlichen Zentren für Kleintiere gebaut“, wie sie selbst nicht ohne Stolz feststellen. „Wir haben eine richtig moderne Infrastruktur“, schwärmt Philipp Schledorn beim ersten, exklusiven Rundgang durch die funkelnagelneuen Räume. Und in der Tat ist der neue Komplex mit einer Grundfläche von rund 1.260 Quadratmetern eine komplett neue Welt der medizinischen Versorgung für Kleintiere. Helle Räume, in denen im Eingangsbereich viel Holz mit verarbeitet wurde, schaffen eine behagliche Atmosphäre. Es gibt getrennte Warteräume sowie Aufwachstationen für Hunde und Katzen. Das Zentrum hat eine Apothekenzulassung, es gibt Ultraschallräume sowie die Möglichkeit, innerhalb einer halben Stunde ein komplettes Blutbild von einem der tierischen Patienten vor Ort zu bestimmen. 365 Tage im Jahr geöffnet „Wir müssen investieren in die Zukunft“, sagt Diekmann. Denn der Trend zur Konzentration von Fachkräften auch im Bereich der Tiermedizin sei unaufhaltsam. So gibt es in dem neuen Zentrum „eine fruchtbare Zusammenarbeit“ von 23 Tierärzten sowie vielen weiteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die eine bestmögliche Versorgung gewährleisten sollen. „365 Tage im Jahr sind wir für unsere Patienten da“, unterstreicht Diekmann. Immer mehr Haustiere, immer weniger Praxen Diekmann (Fachtierarzt für Chirurgie) und Schledorn (Fachtierarzt für Chirurgie sowie Fachtierarzt für Kleintiere) wollen mit dem neuen Angebot dem Versorgungsengpass im Bereich der tierärztlichen Medizin, der bundesweit zu beobachten sei, begegnen. Warum es diesen gibt, verdeutlichen aktuelle Zahlen. 34 Millionen Haustiere gibt es in Deutschland, das seien sechs Millionen mehr als noch vor zehn Jahren. Doch gleichzeitig nehme die Zahl der Tierarztpraxen immer weiter ab. Gab es 2019 noch 12.019 niedergelassene Tierärzte, so waren es 2023 laut Bundestierärztekammer nur noch 11.437, das entspreche einem Rückgang um fünf Prozent. Die Folge sei: Viele Tierhalter müssten auf einen Termin warten. Augenspezialist und modernste OP-Säle Das gilt auch für Herford sowie ganz Ostwestfalen-Lippe. Das bisherige Kleintierzentrum an der Goebenstraße, das die beiden Tierärzte Anfang 2022 von Wolfgang Holtmann übernommen hatten, biete künftig weder Platz genug für das wachsende Team noch für modernste Medizintechnik wie CT und MRT, berichten Diekmann und Schledorn. Holtmann, der das Team bisher unterstützte, gehe in den wohlverdienten Ruhestand, heißt es. „An der Goebenstraße wird es künftig keine Tierarztpraxis mehr geben.“ Ganz neu im Tierärzte-Team ist den Angaben zufolge Augenspezialist Fernando Zanetti, der im Bereich der Augenheilkunde und Augenoperationen nicht nur die offizielle Zusatzbezeichnung führen dürfe (Tierärztekammer Westfalen-Lippe), sondern auch auf langjährige Erfahrung in diesem Bereich zurückblicke. Behandlungsraum nur für Katzen Vor dem Haus gibt es 77 Parkplätze. Im Inneren des Gebäudes gibt es unter anderem neun Behandlungsräume, einer davon nur für Katzen, vier OP-Säle, drei davon mit zwei OP-Tischen, einer für orthopädische Operationen, der zweite für Weichteil-OPs, der dritte für Zahn-OPs inklusive Zahnröntgen und Zahn-CT und der vierte für Endoskopien, Magen-, Darm- und Lungenspiegelungen, wie die Veterinäre berichten. Hinzu kommen zwei Räume für Sonografien (Ultraschall), ein CT-Raum für den Ganzkörper-Scan, ein zweites CT speziell für Heimtiere wie zum Beispiel Kaninchen. Ein MRT sei noch in Planung. Ein Raum mit drei Tischen stehe dem Team für Operationsvorbereitungen und Nachbehandlungen zur Verfügung. Das gesamte Haus ist klimatisiert, Photovoltaik auf dem Dach liefert Strom. Diese Fachärzte sind vertreten Unter den Tierärztinnen und Tierärzten im Kleintierzentrum sind drei Fachtierärzte für Kleintiere, zwei Fachtierärzte für Chirurgie, eine Fachtierärztin für Heimtiere, ein Tierarzt mit der offiziellen Zusatzbezeichnung Augenheilkunde. Dazu kommt ein Spezialist für Dermatologie, Spezialisten für die Abklärung internistischer Erkrankungen, Tierärzte, deren Schwerpunkt Herzerkrankungen und Ultraschall ist und versierte Weichteilchirurgen. Drei Veterinäre seien in einer Fachtierarzt-Zusatzausbildung für Kleintiere, und eine Tierärztin bilde sich in Herford zur Fachtierärztin für Heimtiere fort. 16 Tiermedizinische Fachangestellte arbeiten in den Bereichen Empfang, OP, Station und Apotheke. Eine Praxismanagerin gehöre ebenfalls zum Team, eine Mitarbeiterin arbeite in der Verwaltung. 14 junge Menschen werden im Haus zu Tiermedizinischen Fachangestellten ausgebildet. „Wir möchten mit diesem Engagement unseren Beitrag dazu leisten, dass die tierärztliche Versorgung in Ostwestfalen ein Stück besser wird, und arbeiten deshalb auch gerne mit den niedergelassenen Tierärzten zusammen, die ihre Patienten zu uns überweisen.“