Bielefeld. Bielefeld hat fast 340.000 Einwohner – und 282.000 Mülltonnen. Also knapp eine pro Einwohner. Wie jeder Einwohner soll künftig auch jede Tonne eindeutig identifizierbar sein; damit der jeweils verantwortliche Grundstücksbesitzer und Nutzer kein Schindluder mit den Tonnen treiben kann. Mehr als eine halbe Million Euro Schaden sollen so verhindert werden. Schaden? Wie entsteht der? Hauptsächlich, indem Menschen Tonnen besitzen, die gar nicht angemeldet sind – und für die sie auch keine Gebühren bezahlen. Trittbrettfahrer auf Kosten aller, mit vermutlich irgendwo geklauten Tonnen. Immerhin, je nach Kommune, sind das 1,5 bis 2 Prozent aller Tonnen, teilweise bis zu 4 Prozent. Bei etwa 30 Millionen Euro Gebühren für Rest- und Biomüll in Bielefeld erklärt sich die Schadenshöhe schnell. Zusätzlich soll effektiver gearbeitet werden können: bei Reklamationen, Beschädigungen, Doppelleerungen, regelmäßig zu vollen Tonnen (Ersatzangebote) – und über verbesserte Touren. Auch, wer seine Tonne in öffentliche Verkehrsflächen schiebt und dort unberechtigt abstellt, soll künftig klar identifiziert und damit einfacher verfolgt und bestraft werden können. Mülltonnen auf Radwegen? Leichteres Bestrafen möglich Ein Beispiel: Als 2023 am Jahnplatz haufenweise Tonnen kreuz und quer (und auch auf den Radwegen) standen, war es für die Müllleute kaum möglich, die einzelne Tonne zuzuordnen; das soll künftig einfacher werden. Und auch der beliebte Trick, seine Tonne in Gebieten mit zwei verschiedenen Abfuhrbereichen, je nach Leerung mal hier und mal da abzustellen, wird künftig bemerkt. „Das ist zwar insgesamt nur eher selten im Stadtgebiet möglich, aber wir wissen, dass es solche Ecken gibt“, sagt Michael Koch vom Umweltbetrieb. Künftig falle das beim Einscannen auf – und bleibe die Tonne ungeleert stehen. Denn: „Das geht zu Lasten aller und ist damit nicht fair.“ Wichtig sei, so der Umweltbetrieb, dass auf dem sogenannten „Transponder“ auf den Tonnen „keine persönlichen Daten gespeichert sind“. Die Ziffern-Buchstaben-Kombination erlaube lediglich die eindeutige Zuordnung zum Grundstück und Wohngebäude – Namen würden erst im Behälterverwaltungsprogramm des Umweltbetriebes zugeordnet werden können. Der geschulte Blick des Müllwerkers bleibt wichtig Der Transponder könne auch nicht den Inhalt erfassen oder wiegen. „Ganz klar, wir können nicht den Müll beim Abkippen erfassen und hier Fehler erkennen und bestrafen – es bleibt dabei, dass Bio- und Wertstofftonnen weiterhin vor Ort mit einem Blick in die Tonne geprüft werden müssen.“ Zurück zu den Zahlen: Für jede einzelne Tonne kostet die Umrüstung mit wartungsfreien Transpondern und Behälteretiketten gut 10 Euro, unterm Strich etwa 3,2 Millionen Euro (enthalten sind da auch die Umrüstungen der Wagen sowie die neue Software). Da jährlich eine Einsparung in Höhe von gut einer halben Million Euro erwartet wird, „amortisiert es sich bereits nach wenigen Jahren“, teilt der Umweltbetrieb mit. Ausgeschrieben werden solle noch in 2025, der Start der neuen Mülltonnengeneration ist dann für den 1. Januar 2028 vorgesehen.