Bielefeld. Mit Träumen ist es so eine Sache: Viele bleiben ein Wunsch, andere werden Wirklichkeit. Mike Cacic hat Letzteres schon einmal mit seiner Bielefelder Brauerei geschafft: Aus einem kleinen Hobbybrauer wurde der Geschäftsführer der Braumanufaktur, die er 2022 an der Brockhagener Straße eröffnen durfte. Jetzt hat sich der Bierenthusiast erneut einen Traum erfüllt. Und diesem kann er mittlerweile im wahrsten Sinne des Wortes beim Wachsen zuschauen: Direkt am neu gestalteten Biergarten klettern jetzt 25 Hopfenpflanzen in die Höhe. Und ihre Dolden sollen schon in diesem Jahr seinem Bier das Aroma geben. „Der Hopfengarten war immer ein Herzensthema“, schwärmt Cacic. Denn dadurch bekommt das Bielefelder Bier eine noch regionalere Note. In die regulären Erzeugnisse soll der eigene Hopfen aber nicht kommen. „Da wird sich unser Braumeister jedes Jahr aufs Neue ein anderes Bier überlegen“, sagt Cacic. Ihm schwebt bereits eine Art Erntefest an der Brauerei vor, bei dem freiwillige Helfer den voraussichtlich für rund 4000 Liter Bier ausreichenden Hopfen einholen und es sich nachher im Biergarten bei ostwestfälischen und bayerischen Schmankerln gut gehen lassen. Die jetzt an langen Seilen in die Höhe schießenden Pflanzen hat Braumeister Torsten Vullriede aus dem Zentrum des deutschen Hopfenanbaus, der Hallertau in Bayern organisiert. „Ich kannte dort noch von einem früheren Projekt einen Hopfenhändler“, berichtet Vullriede, der seit vergangenem Jahr in der Bielefelder Brauerei der Herr der Kessel ist. Als das Projekt des eigenen Hopfengartens reifte, fragte er nach, ob er ein paar Pflanzen bekommen könnte. Der Händler sagte „Passt scho!“ und schickte Hopfen der Sorten „Saphir“ und „Tradition“ – „Für ein Tragerl Bier“, sagt Vullriede und grinst. Aromatisches „Grünhopfenbier“ aus frischen Dolden In diesem Jahr werden die noch jungen Pflanzen voraussichtlich noch nicht den vollen Ertrag bringen, für einen kleineren Sud werden die Dolden aber sicherlich schon ausreichen. Und weil die beiden Sorten hauptsächlich für Lager oder Pils eingesetzt werden, schwebt ihm schon ein Bier in dieser Richtung vor. „Der Fokus liegt aber auf Grünhopfenbier, da bauen wir das Rezept drauf auf“, erklärt der Braumeister. Dabei wird der Hopfen nicht wie sonst erst getrocknet oder zu Pellets verarbeitet, sondern kommt direkt vom Feld in den Brauprozess – eine seltene und sehr frische Brauspezialität. Bis es damit so weit ist, wollen Mike Cacic und Torsten Vullriede die Bielefelder mit einer anderen besonders frischen Variante ihres Bieres begeistern: Zum Brauereifest und anlässlich des runden Geburtstages „10 Jahre Bielefelder Flutlicht“ wird die obergärige Spezialität direkt im Brauhaus vom Tank heraus ausgeschenkt. „Frischer kann man das Bier nicht trinken“, sagt Mike Cacic, der sich im Überschwang zu einer Wette hat hinreißen lassen. Wird der Tank leer getrunken, geht’s am nächsten Tag weiter Wenn bei der Flutlicht-Party am Freitag, 4. Juli, und beim eigentlichen Brauereifest am Samstag, 5. Juli, der Tank mit 8000 Litern Flutlicht leer wird, will er am Sonntag, 6. Juli, noch eine Freibierparty dranhängen. „Am Anfang habe ich noch gelacht und gesagt, dass das unmöglich ist. Inzwischen habe ich aber doch etwas Angst“, sagt der Brauerei-Geschäftsführer. Die Vorfreude auf das Fest trübt die wachsende Anspannung allerdings nicht: Am Freitag wird sich von 18 bis 24 Uhr aufgewärmt, am Samstag gibt es von 14 bis 24 Uhr ein buntes Familienprogramm mit Livemusik, Tombola und Einblicken in die Brauerei. Und es wird erstmals einen Bierkönig oder eine Bierkönigin gewählt. Bewerben kann sich jede volljährige Person, die Wahl hängt dann vom Glück und Geschick auf der Bühne ab. „Bei garantiert nicht peinlichen Spielen“, verspricht Cacic. Der Gewinner oder die Gewinnerin wird dann mit allem Zipp und Zapp ausgestattet, bekommt monatlich einen „Haustrunk“ von zwei Kisten Bier und darf als Repräsentant der Brauerei ein Jahr lang den royalen Titel tragen. „Wir hoffen, dass wir damit eine Tradition begründen“, sagt Mike Cacic. Die gleiche Hoffnung hegt er auch beim Hopfen, der von der Feierei möglichst unbehelligt bleiben und in Ruhe weiter wachsen soll. „Viele Mitarbeiter haben zu den Pflanzen fast schon eine emotionale Bindung entwickelt und schauen jeden Tag nach, wie es ihnen geht“, sagt Cacic und lacht. „Sie sind schon fast wie ein gemeinsames Baby.“