Minden. Niclas Sandvoß steuert durch die Alte Turnhalle in Dankersen. An anderen Besuchern entlang, vorbei an Infoständen, hinter denen Arbeitgeber aus der Region stehen. Dass der 25-Jährige hier ist, hat einen bestimmten Grund: Er möchte seinem großen Wunsch, einen Beruf auf dem ersten Arbeitsmarkt zu finden, näher kommen. Das Besondere: Niclas Sandvoß sitzt im Rollstuhl und hat seit seiner Geburt eine Behinderung. Doch unterkriegen lässt sich der Mindener von seiner Krankheit nicht. Eine neue Gelegenheit bietet die Veranstaltung „Berufswelt Minden", auf der er hofft, neue Chancen zu entdecken. Zum ersten Mal wenden sich Arbeitgeber aus der Region speziell an Menschen mit Behinderung, um ihnen Einstiege in den Arbeitsmarkt zu erleichtern. Die Potenziale und Fähigkeiten dieser Bewerbergruppen werden oftmals nicht erkannt - das soll sich durch das niederschwellige Angebot mit direkten Kontaktmöglichkeiten zwischen Unternehmen und Arbeitssuchenden ändern, heißt es seitens der Stadt Minden: „In einer offenen und praxisnahen Umgebung können die Teilnehmenden mehr über Einstiegsmöglichkeiten in den Arbeitsmarkt und konkrete Jobangebote erfahren." Arbeit in Behindertenwerkstatt unterfordert den Mindener Der 25-jährige Arbeitssuchende hat genaue Vorstellungen: Er möchte einen sozialen Beruf ausüben und mit Menschen Kontakt haben. Eine Stelle in der Verwaltung steht momentan ebenfalls weit oben auf der Liste des Mindeners. Daniel Janzen vom Unternehmen Sitex dämpft die Hoffnungen des Mindeners jedoch im Gespräch: „Mir hat seine Offenheit gefallen." Nach dem Gespräch stellt Sandvoß jedoch fest, dass er als Quereinsteiger keine besonders großen Chancen hat. Bei Sitex würden bereits Menschen mit Behinderung arbeiten. „Wir wollen prinzipiell jedem die Chance geben, bei uns Fuß zu fassen", sagt Janzens Kollegin Mandy Tahiri. Allerdings werden die Arbeitnehmer an Maschinen in der Produktion eingesetzt - und gerade das möchte der 25-Jährige nicht mehr. Sandvoß befinde sich bereits in seiner vierten Maßnahme, arbeitet in einer Behindertenwerkstatt. Dort fühlt er sich aber unterfordert und könnte viel mehr machen, wie er deutlich sagt: „Ich will nicht mehr irgendwas zusammenbauen. Ich möchte eine Beschäftigung, die sinnvoll ist und mich fordert." Wenn er schon den ganzen Tag sitze, wolle er sich mit seinem Rollstuhl aber auch bewegen können. In der Vergangenheit habe er Praktika im Kindergarten sowie in der Grundschule gemacht. Dort wurden seine Arbeitsweise und der Umgang mit Kindern stets gelobt - doch zu einer Übernahme ist es nie gekommen: „Ich verstehe nicht, warum Unternehmen Personal suchen, mir dann aber keine Chance geben." Für Mindener ist alles besser, als Arbeit in der Behindertenwerkstatt Auch bei den Mühlenkreis-Kliniken (MKK) sieht die Perspektive für einen möglichen Jobeinstieg schlecht aus. „Das Berufsfeld Pflege ist tatsächlich schwierig für Rollstuhlfahrer", sagt Friederike Reinermann. Speziell der Beruf als Pflegeassistent scheint unmöglich, denn der 25-Jährige wäre zuständig für die Pflege der Patienten. Und dafür brauchen Bewerber zunächst eine abgeschlossene Berufsausbildung. Apropos Ausbildung: „Natürlich würde ich auch eine Ausbildung machen, aber bekomme keine, da ich wegen meiner Lernschwäche keinen Schulabschluss habe, den viele Unternehmen aber voraussetzen", sagt der Mindener. Nach seiner Grundschulzeit besuchte er die Förderschule am Weserbogen. Für ihn sei es ein nie enden wollender Rattenschwanz: „Es ist frustrierend, keine Perspektive zu haben", erzählt der 25-Jährige weiter. Seine Hoffnungen, einen Beruf auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu finden, will er dennoch nicht aufgeben und schreibt deswegen weiterhin jede Menge Bewerbungen. Denn für Niclas Sandvoß sei alles besser, als in einer Behindertenwerkstatt zu arbeiten.