Gütersloh. Das teuerste, jemals verkaufte Auto der Welt ist ein Mercedes-Benz 300 SLR Uhlenhaut Coupé. Im Jahr 2022 wurde das Fahrzeug für 135 Millionen Euro versteigert. Damit verglichen klingen die fast 1,6 Millionen Euro, die Hubertus Bettenworth aus Gütersloh für seinen roten 300-SL-Flügeltürer von 1955 aufruft, fast wie ein Schnäppchen. Eigentlich kauft und verkauft der Autohändler „alles was sich dreht, rollt und Spaß macht“. Ein paar ganz besondere, schon ältere und nicht für jedermann erschwingliche Modelle haben es ihm allerdings besonders angetan. Drei davon bietet er gerade in Inseraten auf Internet-Portalen an. Sie kosten jeweils deutlich über eine Million Euro. Hubertus Bettenworth betreibt seit 1997 sein Autohaus im Gütersloh Stadtteil Avenwedde und bietet dort Neu- und Gebrauchtwagen sowie Oldtimer an. „Die Preisspanne unseres Angebotes reicht von 5.000 Euro bis Ende offen“, erzählt der Automobil-Experte. Etwas tiefer in die Tasche greifen muss derjenige, der sich mit den Fahrzeugen beschäftigt, auf die sich der Gütersloher über die Jahre spezialisiert hat. Denn Bettenworth handelt mit hochkarätigen Luxus-Oldtimern und dabei vorrangig mit einem bestimmten Modell mit großem Namen – dem Mercedes 300 SL (steht für „Super Leicht“). Flügeltürer für 1.590.000 Euro in Gütersloh zu verkaufen Der Klassiker, insbesondere das Flügeltürer-Modell, ist für viele der Blech gewordene Stoff, aus dem die Träume sind. Echte Liebhaberstücke, die schon in den 60er-Jahren heiß begehrt waren. Sie heutzutage zu veräußern, ist jedoch kein einfaches Geschäft. „Am Ende des Tages kannst du wahrscheinlich 100 Opel Corsa eher verkaufen als einen 300er SL. Der Kundenkreis ist überschaubar“, weiß der Fachmann aus Gütersloh. Vier Luxus-Schlitten aus dem Schwabenland hat Hubertus Bettenworth im vergangenen Jahr an neue Besitzer gebracht. Die Abnehmer der Edelkarossen sind meist Großindustrielle und Unternehmer, die über ein entsprechendes Budget verfügen. „Und Leute, die sich ihren Kindheitstraum erfüllen“, weiß Hubertus Bettenworth. Vor zwei Jahren habe er an einen Erben der Schuhhersteller-Dynastie Birkenstock einen Mercedes 300 SL Gullwing – das Modell mit den markanten Flügeltüren – auf ungewöhnlich unkomplizierte Art für einen hohen Millionenbetrag verkauft „Er hat gesagt: Machen sie die Papiere fertig, ich überweise das Geld’ – damit war die Sache erledigt.“ Einen rot lackierten Flügeltürer bietet Hubertus Bettenworth auch derzeit an. Für 1.590.000 Euro ist das aus November 1955 stammende 300 SL Coupé zu haben. „Das ist der Rennwagen – die Mercedes-Ikone schlechthin. Der hat damals rund 30.000 D-Mark gekostet. Das ist wie heute eine Million, wenn du 50 Pfennig am Tag verdient hast.“ Vor einem Kauf schicken die Kunden in der Regel einen Sachverständigen oder sie nehmen die Fahrzeuge selbst in Augenschein. Der Erstkontakt kommt meist über Mail oder Telefon zustande. „95 Prozent der Leute, die sich melden, sind seriös“, schildert der Gütersloher Autohändler. Anzeigen laufen über „mobilde.de“ und „kleinanzeigen.de“ Dass er seine hochpreisigen Fahrzeuge über Internet-Portale anbietet, ist einfach erklärt: „Wir schalten Inserate bei mobile.de – das ist der größte Automarkt im Netz.“ Die Anzeigen würden automatisch auch bei Ebay-Nachfolger kleinanzeigen.de mitlaufen und dort für Aufsehen sorgen. Aktuell kann man dort für 1.670.000 Euro aus Gütersloh das „Jahrhundertauto“ erwerben, das gerade von Grund auf restauriert wird. Das weiße 300-SL-Cabriolet mit 69.000 Kilometern Laufleistung, Original-Pappdeckelbrief und Erstzulassung vom Juli 1960 stammt aus einer Sammlung von AMG-Gründer Hans-Werner Aufrecht (85) aus Affalterbach, die der Gütersloher aufgekauft hat. „Alles läuft über Kontakte, die ich mir über Jahre aufgebaut habe“, schildert Hubertus Bettenworth, wie er an die exotischen Oldtimer gelangt. Bekommt er einen oder mehrere auf einen Schlag, werden die Fahrzeuge teils aufbereitet, teils aufwendig restauriert. Corona-Pandemie und Fälschungs-Skandal überstanden Das Geschäft laufe derzeit ganz gut, berichtet der Gütersloher. Es habe sich von den Einbrüchen durch die Corona-Pandemie und den Skandal um weltbekannten Restaurator Klaus Kienle erholt. Der mittlerweile verstorbene Kienle stand seit 2023 unter Verdacht, gefälschte 300 SL verkauft zu haben. Seine Luxus-Oldtimer mit Millionen-Werten hat Hubertus Bettenworth hoch versichert und in alarmüberwachten, geschützten Lagerhallen an verschiedenen Standorten im Kreis Gütersloh untergestellt. Unter den knapp 40 Fahrzeugen in der 2.500 Quadratmeter Halle im nördlichen Stadtgebiet befindet sich auch ein Porsche 996 GT3RS. Den Renner hat sich ein Promi unter den Nagel gerissen – Tommy Kessler, Gitarrist der 1974er-Rockband „Blondie“. „Er ist im letzten Jahr extra aus New York hier hingekommen, um den Wagen zu kaufen“, erzählt Hubertus Bettenworth. Tatsächlich ist Kessler mittlerweile neuer Eigentümer des 450-PS-Boliden und sogar schon ein paar Wochen lang mit dem Fahrzeug durch Europa gefahren. Doch nach Amerika abgeholt hat er ihn noch nicht. „Er hat Probleme mit den Einfuhrzöllen“, verrät Hubertus Bettenworth.