Paderborn. Das Wort „Einzelhandels- und Zentrenkonzept“ mag sperrig klingen. Das, was sich dahinter verbirgt, hat aber direkte Auswirkungen für die Menschen in Paderborn. Setzt besagtes Konzept doch die Leitplanken für den Einzelhandel: Was in Paderborn wo gekauft werden kann. Nur alle paar Jahre wird es überarbeitet – so wie jetzt. Und dann wird deutlich, dass verschiedene Interessen aufeinanderstoßen. Kurz bevor das neue Einzelhandels- und Zentrenkonzept beschlossen werden soll, ist es umstritten. Das zeigte sich nun im Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Konversion. Vor allem zwei Beispiele fallen dabei auf: Südring-Center und Heide-Center. Zunächst zum Südring. Dessen Betreiber wehren sich gegen das Entwurfskonzept. Gegenüber der NW erklären sie nun, dass sie Sorgen um die Zukunft des Südring-Centers haben. „Wir laufen Gefahr, hier irgendwann Leerstand zu produzieren“, sagt Steffen Richert. Er ist einerseits Center-Manager, aber auch – neben Friedrich und Felix Klingenthal – einer der drei Geschäftsführer. Neuvermietung im Südring-Center könne schwieriger werden Weil es als „Sonderstandort“ eingeordnet wird, sei das Südring-Center in seinen Möglichkeiten zu einschränkt, meint Richert. „Das ist einfach nicht mehr zeitgemäß.“ Dem Südring-Center werden sogenannte Flächenpools für bestimmte Sortimente zugeordnet. Also welche Produktgruppen auf wie viel Quadratmeter Verkaufsfläche höchstens angeboten werden dürfen. Innerhalb der insgesamt 18.000 Quadratmeter Verkaufsfläche kann das Angebot geändert werden, sofern die festgesetzten Flächenpools eingehalten werden. Die Center-Leitung befürchtet nun Folgendes: Ein Mieter fällt weg, aber es findet sich kein passender Nachfolger, der das dann zur Verfügung stehende Flächenpool anbietet. Hypothetisches Beispiel: Depot würde schließen. Problemlos könnten Butlers, Søstrene Grene oder Nanu-Nana folgen, da sie Ähnliches verkaufen, sagt Richert. Aber alle drei hätten bereits Filialen in der City, also wahrscheinlich kein Interesse an einem zweiten Paderborner Standort. Und dann würde es schwieriger mit einer Neuvermietung, da bereits einiges an Puffer, das man bei den Flächenpools habe, aufgebraucht sei, meint der Geschäftsführer. Angesichts der allgemeinen Marktentwicklung würde sich das Problem in Zukunft noch verschärfen. Paderborns Technische Beigeordnete sieht Südring-Center „super aufgestellt“ Die Geschäftsführung wünscht sich daher mehr Flexibilität, die sie durch eine andere planungsrechtliche Einordnung bekäme. „Wir werden dann immer als Konkurrenz zur Innenstadt angesehen, wir sind aber eher eine Ergänzung“, sagt Richert. Die Innenstadt könne die Bedürfnisse, die an ein Oberzentrum wie Paderborn gestellt würden, nicht alleine decken. Zwei Gutachten würden die vom Südring-Center gewünschte Einstufung unterstützen. Dass das Center eine wichtige Funktion für Paderborn einnimmt, dem stimmt die Stadtverwaltung zu. Die Betreiber machten eine „Top-Arbeit“, betont die Technische Beigeordnete Claudia Warnecke im NW-Gespräch. Auch unter den jetzigen Bedingungen sei das Südring-Center „super aufgestellt“ und stünde im Vergleich mit anderen Einkaufszentren gut da. Eine Quasi-Gleichstellung mit der City sei nicht möglich, es fehle an der integrierten Lage in der Stadt. Warnecke verweist auf eine entsprechende Rechtssprechung bis auf höchste Ebenen. In der Vergangenheit – bei Aufstellen des Bebauungsplans – habe die Stadt gemeinsam mit dem Südring-Center das rausgeholt, was rechtlich maximal möglich sei. Dass es zwischen Südring-Center und Verwaltung Zwist gibt, zeigt sich auch an einem anderen Punkt. „Wir sind wirklich enttäuscht, dass man nicht mit uns in den Dialog geht. Eine Diskussion wird abgewürgt“, so Richert. Warnecke widerspricht: Ein direktes Gespräch seitens der Verwaltung sei angeboten, aber nicht in Anspruch genommen worden. Diskussion dreht sich auch um das Paderborner Heide-Center Interessiert haben die Center-Betreiber am Donnerstag auf die Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Bauen und Konversion geblickt. Dort sollte das überarbeitete Einzelhandels- und Zentrenkonzept beschlossen werden. Bei SPD und Grünen findet es Zustimmung. „Das Gute an Planung ist, dass sie für alle verbindlich ist“, sagte Stefan Schwan (Bündnis 90/Die Grünen). Die FDP hingegen spricht sich dagegen aus. „Dieses Instrument kann befreiend wirken, sowohl für Stadtentwicklung als auch für die Wirtschaft. Es kann aber auch strangulieren“, meinte Frank van Koten (FDP). Letzteres sei mittlerweile der Fall. Auch Stephan Hoppe (Für Paderborn) und Alexander Lex (AfD) äußerten sich kritisch zum Konzept. Und die CDU? Sie will gerne den Konzeptentwurf an einer Stelle, die die Stadtheide betrifft, ändern: Der sogenannte zentrale Versorgungsbereich soll vom Dr.-Rörig-Damm ohne Unterbrechung bis zum Heide-Center ausgeweitet werden. Damit sollen die gleichen Rahmenbedingungen für das Areal, auf dem Investoren unter anderem zwei neue Lebensmittelmärkte und einen Drogeriemarkt planen, und das Heide-Center gelten. Denn das Center sieht sich benachteiligt. Aus Sicht von Verwaltung und des für das Konzept zuständigen Planungsbüros Junker + Kruse kein umzusetzender Vorschlag. „Städtebaulich funktional besteht nicht die Möglichkeit, diese beiden Standorte miteinander zu verknüpfen“, sagte Planer Stefan Kruse. Zwischen Dr.-Rörig-Damm und Heide-Center läge eine Wohnnutzung, die „natürlich nicht zu einer Versorgungsbedeutung“ beitrage. Die Kriterien für einen zentralen Versorgungsbereich seien in einem Grundsatzurteil des Bundesverwaltungsgerichts festgelegt. Entscheidung wird auf Sitzung des Paderborner Rates vertagt Um das „Konfliktpotenzial“ zu entschärfen und die Beschlussfassung über das Einzelhandels- und Zentrenkonzept nicht in Gänze zu gefährden, wollte die Linksfraktion den geplanten Bereich am Dr.-Rörig-Damm und das Heide-Center aus dem Geltungsbereich des Konzepts herausnehmen. Der Linken- wie auch der CDU-Antrag und das Konzept allgemein kamen jedoch nicht zur Abstimmung. Die FDP meldete Beratungsbedarf an. Eine Entscheidung soll der Rat in seiner letzten Sitzung der Legislaturperiode am 30. Oktober fällen. Ob die CDU ihren Antrag dann erneut stellen wird, werde die Fraktion noch beraten, sagt CDU-Ratsherr Georg Ortwein. Heide-Center-Eigentümer Karl Förster hofft darauf, auch wenn er wenig Erfolgschancen für den Antrag sehe, wie er auf Nachfrage sagt. Auch die Betreiber des Südring-Centers haben eine Hoffnung: Dass der jetzige Stadtrat das Thema Einzelhandels- und Zentrenkonzept an den neuen Stadtrat übergibt und die Verwaltung noch einmal an dem Entwurf arbeitet.