Bielefeld. Das Bielefelder Bauunternehmen Goldbeck hat einen Großauftrag für den Bau von fast 900 Wohnungen in Berlin erhalten. Im Bezirk Tempelhof sollen insgesamt elf Wohn- und Geschäftshäuser plus ein Quartiersgebäude von Goldbeck errichtet werden. Im Erdgeschoss der Wohngebäude sollen Flächen für Handel, Dienstleistungen und Gastronomie entstehen. Als Bauherr wird der Unternehmer Reinhold Semer genannt. Er ist als Mitgründer und Eigentümer der Dortmunder Baumarktkette Hellweg bekannt geworden. Die Kette war zuletzt in den Schlagzeilen, weil sieben von 95 Filialen schließen mussten. Vor knapp zehn Jahren hatte Semer verkündet, separat auch ins Wohnungsgeschäft einzusteigen. Das neue Berliner Stadtquartier „Marienhöfe“ werde auf einem rund zehn Hektar großen ehemaligen Bahn- und Baumarktgelände errichtet, teilte Goldbeck mit. Die Gebäude werden demnach in serieller Bauweise errichtet: Viele Bauelemente werden dabei in den Goldbeck-Werken vorproduziert und dann auf der Baustelle montiert. Goldbeck: Fokus auf hohe Lebensqualität Die ersten Wohnungen sollen zwei Jahre nach Baubeginn bezugsfertig sein. „Das Projekt setzt ein starkes Zeichen für schnellen, effizienten und attraktiven Quartiersbau in Deutschland – mit einem klaren Fokus auf Nachhaltigkeit und hoher Lebensqualität“, wirbt der geschäftsführende Gesellschafter Jan-Hendrik Goldbeck. Auf einem seit langem brachliegenden Areal solle ein lebendiges Stadtquartier entstehen, erklärte Reinhold Semer. Ziel sei nicht nur die Schaffung von dringend benötigtem Wohnraum, sondern auch ein Umfeld, „das soziale Vielfalt und ökologische Verantwortung vereint“. Stadtquartier „Marienhöfe“: Rund 900 Wohnungen entstehen Zur Finanzierung habe Semer das Wohnquartier Marienhöfe vorab (Forward Funding) an die auf Immobilien spezialisierte US-Investmentfirma Hines verkauft. Ein Hines-Sprecher bestätigte, ein Hines-Funds wolle „das Projekt langfristig im Bestand behalten“. Entstehen soll nun eine Gesamtmietfläche von rund 85.000 Quadratmeter Größe, davon entfallen 63.000 Quadratmeter auf den Wohnbereich mit etwa 880 Ein- bis Fünf-Zimmer-Mietwohnungen. Die jetzt in Tempelhof geplanten Gebäude bieten einen Mix aus frei finanziertem, gefördertem und seniorengerechtem Wohnen, teilte Goldbeck mit. Das Quartiersgebäude werde den Bewohnerinnen und Bewohnern unter anderem Fitnessräume, einen Shop sowie weitere Einrichtungen bieten. In einer Tiefgarage sollen auf 22.000 Quadratmetern Fläche zudem 527 Stellplätze und 186 E-Ladepunkte für das ansonsten autofreie Quartier entstehen. Ziel sei es, „Leben und Arbeiten auf intelligente Weise zu verbinden“. Auftragsvolumen in dreistelliger Millionenhöhe Jedes Wohngebäude erhält demnach eine eigene Fassadenoptik. Der Entwurf des Architekturbüros Collignon setze auf eine individuelle Gestaltung der zwölf Gebäude und schaffe so ein abwechslungsreiches Erscheinungsbild. Die Energieversorgung des Quartiers erfolge über ein Nahwärmenetz, das die Abwärme eines nahe gelegenen Rechenzentrums sowie zwei Großwärmepumpen nutze. Goldbeck übernehme die Gesamtverantwortung von der Planung bis zur schlüsselfertigen Übergabe. Es sei das größte Wohngebäudeprojekt der Unternehmensgeschichte. Das Auftragsvolumen wollte ein Sprecher auf Nachfrage nicht beziffern. Aufgrund des Umfangs der geplanten Baumaßnahmen und der Aufgaben kann von einem Volumen von mehr als 100 Millionen Euro ausgegangen werden.