Eine Bande von Schockanrufern aus Ostwestfalen-Lippe steht im dringenden Tatverdacht, Menschen um hohe Geldbeträge betrogen zu haben. Am Telefon sollen sie sich in mindestens einem Fall als Polizeibeamte ausgegeben und anschließend Wertgegenstände erbeutet haben. Bei der Abholung wurde eine Person jedoch schwer verletzt. Es war der Ausgangspunkt für länderübergreifende Ermittlungen, in deren Verlauf mehrere Verdächtige in OWL gefasst wurden – zuletzt in Löhne. Der Fall ereignete sich bereits im Mai dieses Jahres in Trier (Rheinland-Pfalz): Eine 77-Jährige erhielt demnach einen Anruf vermeintlicher Polizisten. Am Telefon teilten sie ihr mit, dass bewaffnete Personen unterwegs seien und ihre Wertgegenstände in Gefahr seien. Ein Polizist sei auf dem Weg, um sich einen Überblick zu verschaffen und diese zu schützen. Wenig später erschien ein 20-jähriger vermeintlicher Polizist bei der Dame. Als er das Haus samt der Wertgegenstände verlassen wollte, versuchte die ebenfalls anwesende 64-jährige Haushälterin die Flucht zu verhindern. 78-Jähriger wird schwer verletzt Jedoch vergeblich – dem vermeintlichen Polizisten gelang die Flucht. Ohne Rücksicht auf Verluste stieß er den 78-jährigen Lebensgefährten der Geschädigten zu Boden. Durch den Sturz verletzte sich der Senior so stark, dass er stationär im Krankenhaus aufgenommen werden musste. Wie die Polizei Trier im Juli bekannt gab, führten die Ermittlungen der Kriminalpolizei zu fünf Tatverdächtigen im Alter zwischen 19 und 29 Jahren aus OWL. In länderübergreifender Zusammenarbeit zwischen Ermittlern der Polizeibehörden Trier und Bielefeld wurden die Männer durch speziell geschulte Beamte einer Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) in ihren Wohnungen in Bielefeld, Herford, Hiddenhausen und Bad Salzuflen festgenommen. Männer aus Bielefeld, Lippe und Herford in Untersuchungshaft „Auf Antrag der Staatsanwaltschaft hatte das Amtsgericht Trier bereits im Vorfeld Haftbefehle gegen die männlichen Tatverdächtigen erlassen“, berichtete Kerstin Klein, Pressesprecherin der Polizei Trier. Seither sitzen die Tatverdächtigen in Untersuchungshaft. Bei ihnen besteht der Verdacht, dass sie für weitere ähnliche Straftaten im Bundesgebiet verantwortlich sein könnten, insbesondere für die Abholungen sowie die logistische Organisation. „Im Rahmen der Wohnungsdurchsuchungen konnten Bargeld im mittleren fünfstelligen Bereich, ein Kryptowallet, zwei Schreckschusswaffen, eine Machete sowie umfangreiche digitale Beweismittel, wie etwa Mobiltelefone, sichergestellt werden“, so Klein. Weitere Festnahme im Oktober in Löhne Durch weitere Ermittlungen stießen die Beamten auf einen 24-jährigen Mann aus Löhne. Er soll der Fahrer der kriminellen Organisation gewesen sein. Am Mittwoch, 15. Oktober, wurde er um 6 Uhr morgens festgenommen. In seiner Wohnung fanden die Ermittler Schmuck und Mietverträge für mehrere Autos. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Trier wurde der 24-Jährige einem Ermittlungsrichter des Amtsgerichts vorgestellt. Dieser erließ einen Untersuchungshaftbefehl gegen den mutmaßlichen Fahrer der Bande. Die Ermittlungen dauern an. Auch in OWL kommt es immer wieder zu Fällen, in denen Schockanrufer ihre Opfer um ihre Wertgegenstände bringen. Im vergangenen Jahr sorgte ein besonderer Fall für Schlagzeilen: Hier überlistete ein 80 Jahre alter Rentner aus Bad Salzuflen im Kreis Lippe die Kriminellen. So können Sie sich vor Schockanrufern schützen Bleiben Sie ruhig und lassen Sie sich keinesfalls unter Druck setzen. Rufen Sie den Angehörigen unter der Ihnen bekannten Nummer an. Sprechen Sie am Telefon nie über Ihre finanziellen und persönlichen Verhältnisse. Übergeben Sie niemals Geld oder Wertsachen an fremde Personen. Ziehen Sie eine Vertrauensperson hinzu und verständigen Sie über den Notruf 110 die Polizei.