Detmold/Berlin. Der Bund macht ernst. Aufgrund einer neuen Sicherheitslage sollen knapp 200 Liegenschaften in Deutschland nun doch weiter für die militärische Nutzung erhalten bleiben. Viele dieser Flächen waren inzwischen eigentlich für eine anderweitige Nutzung vorgesehen, zum Beispiel für den Wohnungsbau. Doch jetzt setzt der Bund den Prozess der Konversion aus. In Ostwestfalen-Lippe betrifft das elf Flächen. Das geht aus einem Schreiben des Bundesverteidigungsministeriums vor, das dieser Redaktion vorliegt. Mit Ausbruch des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine erfordere das „sicherheitspolitische Umfeld“ eine „differenzierte Betrachtung“ der im Bestand des Bundes befindlichen Liegenschaften, heißt es darin. Es sei „absehbar“, dass durch die erforderliche Aufwuchs- und Verteidigungsfähigkeit der Streitkräfte „Bedarfe an Liegenschaften“ entstehen würden. Das Ministerium habe bislang 187 Liegenschaften im Besitz der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIma) identifiziert, die „für eine mögliche künftige Nutzung durch die Bundeswehr geeignet sind“. Diese Standorte in OWL sind betroffen In OWL betrifft das die Städte Paderborn, Büren, Bielefeld, Minden, Gütersloh und Herford. Vor allem Bielefeld steht mit gleich fünf Liegenschaften besonders im Fokus. Diese Flächen sind in der Region betroffen: Herford: ehemalige Harewood-Kaserne Minden: ehem. Gut Denkmal Bielefeld: ehem. Catterick-Kaserne, ehem. Rochdale-Kaserne, ehem. NAAFI-Gelände, ehem. Militärpolizeigelände, ehem. brit. Sportplatzgelände Jagdweg Gütersloh: ehem. Flugplatz Gütersloh (Princess Royal Barracks), ehem. Mansergh-Barracks Paderborn: ehem. Dempsey-Kaserne Büren: ehem. Cortemarck-Kaserne .responsive23-9ZKzcnQHiUEPkq51-map-kasernen-in-owl { width: 100%; padding-top: 100%; } @media (max-width: 600px) { .responsive23-9ZKzcnQHiUEPkq51-map-kasernen-in-owl { padding-top: 100%; } } @media (max-width: 360px) { .responsive23-9ZKzcnQHiUEPkq51-map-kasernen-in-owl { padding-top: 142.86%; } } Reaktionen auf die Bundeswehr-Pläne In Bielefeld hatten Nachrichten über einen Verkaufsstopp zweier Kasernenflächen bereits in den vergangenen Tagen für Wirbel gesorgt. Denn eigentlich hatten die Verantwortlichen dort bereits neue Stadtquartiere und Wohnungen für mehr als 1.000 Menschen geplant. Auch in Gütersloh waren Pläne für neue Wohnungen bereits fortgeschritten. In Paderborn sei man kurz davor gewesen, den Kaufvertrag zu unterschreiben, hieß es von der Stadt. Entsprechend enttäuscht reagierten Lokalpolitiker. Mit der jetzt veröffentlichten Liste dürften einige Kommunen sogar noch stärker betroffen sein als zuletzt angenommen. Man sei sich durchaus bewusst, dass die Kommunen für die Flächen andere Pläne hatten – und dass sie dabei auch finanziell in Vorleistungen gegangen seien, heißt es aus dem Verteidigungsministerium. „Der gesamtstaatliche Verteidigungsauftrag, zu dessen Nutzen diese Liegenschaften herangezogen werden, überwiegt jedoch.“ „Wir sind uns der Komplexität des Sachverhalts durchaus bewusst und wissen, dass die zivile Nutzung der Flächen in vielen Fällen bereits Gegenstand detaillierter Planung ist“, sagt die Bundestagsabgeordnete Kerstin Vieregge (CDU) aus Lippe. „Dennoch müssen wir den Prozess stoppen. Die Sicherheit und Verteidigung unseres Landes muss an oberster Stelle stehen.“